Ich weiß, du weißt es

Die Schwalben spielen im weißgrauen Himmel. Ich schließe die Augen. Und warte. Ich denke nach. Denke daran, wie gern ich als erfolgreicher Schriftsteller gelebt hätte. Unbedingt wollte ich reich und berühmt werden. In erster Linie ging es mir jedoch um das Schreiben als solches. Du musst schon ziemlich gut sein, wenn dir ein Bestseller gelingen soll. Du solltest niemals an das Geld denken, das winken könnte, wenn dir ein Welthit gelingt. Das ständige Denken an Ruhm und Geld lähmt deine Kreativität. Dir sollte klar sein, gerade am Anfang deiner Entscheidung, dass du als Autor wahrscheinlich von der Hand im Mund leben musst. Oder du suchst dir einen Job, der dir deinen Lebensunterhalt sichert. Einen Job, der dir nicht deine ganze Kraft abverlangt. Denn wenn du ein Buch schreibst, brauchst du ein großes Stück Freizeit, Freiheit, Lust und Energie. Mir ging es lange Zeit um Anerkennung. So viele Verlage habe ich angschrieben. Immer wieder und wieder. Ich dachte, so schlecht kann dein Zeug doch gar nicht sein. Anscheinend ist es aber nicht gut genug. Ein weiterer Schritt, den du akzeptieren musst. Glück gehört natürlich auch dazu. Glück, dass ein Lektor oder eine Lektorin dein Zeug interssant genug findet, um sich für den Verlag gute Verkaufschancen auszurechnen. „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ ist immer wieder der passendste Spruch. Durchaus hatte ich einige gute Chancen. Ich habe Interviews in Radio und Fernsehn gegeben. Eine Agentur und ein großer Verlag haben meine Skripte angefordert – und dann doch abgelehnt. Die Idee, ein großer Schriftsteller werden zu müssen, hat mich verrückt, hat mich größenwahnsinnig werden lassen. Nach dem Größenwahn ging es tief in den Keller. Nichts ist geschehen. Außer natürlich Klapse, Klapse, Klapse. Ohne meinen guten Freund Jean hätte ich keine Bücher hier liegen. Mit unendlicher Liebe, Zeit, Aufwand und dem Glauben an mich saß er Stunden, Tage und Nächte am Rechner und hat meine Wünsche wahrwerden lassen. Ohne Ulli, der das erste Buch „Im Wahn der Zeichen“ vorfinanzierte, und Andrea, die die Seiten setzte und das Cover gestaltete, wäre nie ein Buch aus meinen Seiten geworden. Mit „Im Wahn der Zeichen“ nahm alles seinen Anfang. Mir bleibt nur DANKE zu sagen.

Mir geht es ausgezeichnet – auch ohne dass ich berühmt geworden bin. Meine Frau sitzt gerade mit meinem Sohn im Wohnzimmer und puzzelt. Mein Sohn und ich waren heute Nachmittag im Stadion bei 96. Ich kann auf meiner Terrasse sitzen, ganz in Ruhe, und diese Zeilen schreiben. Ein Bier trinken, eine Zigarette rauchen, und an alles denken, was ich mag. Ja, ich liebe das Leben. Ja, ich liebe das Schreiben. Das Aneinanderreihen von Worten. Auf Worte zu warten, die auf dem Monitor erscheinen. Ich liebe es, die Schwalben zu beobachten. Ich mag den Frühling sehr. Und doch fehlt etwas. Immer und immer fehlt etwas. Nie kannst du sagen: Ja, jetzt ist das Leben ganz voll. Genau so soll es immer sein. Und vielleicht ist das auch gut so. Damit wir der Veränderung entgegengehen. Damit wit nicht auf der Stelle tippeln. Du weißt, was ich meine. Ich weiß, du weißt es.

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