Ein Stück Normalität

Es kann sein, dass das Schlimmste geschafft ist. Heute Morgen um halb fünf spüre ich nichts von der Depression, die mich in den letzten Wochen wie ein Schatten begleitet hat. Ein Stück Normalität ist zurückgekehrt. Natürlich – um halb acht kann es schon wieder ganz anders aussehen. Die Antriebslosigkeit kann unaufhaltsam sein. Von einer Sekunde zur anderen ist sie da. Ebenso die Traurigkeit, die nicht immer ein bestimmtes Thema beinhaltet. Dann sitze ich hier, habe hundert Dinge im Kopf, die zu erledigen sind, will nur eines davon aufgreifen, kann es aber nicht. Der verdammte Arsch bleibt im Stuhl. Jeder, der schon einmal an Depressionen gelitten hat, kann dieses unangenehme Gefühl nachvollziehen. Du suhlst dich in deiner eigenen Scheiße. Was helfen kann, ist ein Perspektivwechsel. Steig die Treppe hinauf, steig sie rückwärst wieder runter. Geh ein paar Schritte. Dreh dich im Kreis. Mach dir Musik an. Oder greif zum Hörer und versuch dich einem Freund mitzuteilen. Doch wenn dir danach ist, dich zu verkriechen, dir die Decke über den Kopf zu ziehen, dann kämpf nicht stundenlang dagegen an. Sag dir: Leckt mich alle am Arsch! Ich weiß: Sport kann genauso gut wie ein Antidepressivum wirken. Steckst du allerdings schon mitten drin, in deiner Depression, kannst du froh sein, hundert Schritte zu schaffen. Was für ein Erfolg!

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