Ein Gott unter Göttern

Ich fühle mich klar und ausgeruht – heute Morgen um 03 Uhr 57.

Und klar durchs Leben zu gehen ist gar nicht schlecht. Bin ich depressiv, bin ich nicht Gott. Bin ich depressiv, stelle ich das Leben infrage. Bin ich depressiv, leide ich an Minderwertigkeitskomplexen. Und bin ich depressiv, ergreift mich das Unglück, nicht vom Schreiben leben zu können.

Bin ich klar, bin ich Gott. Bin ich Gott für mich. Bin ich mein eigener Gott. Würde ich laut sagen, ich sei Der Gott, würde man mich einliefern und vollpumpen. Die Klarheit würde verschwimmen – und ich wäre nichts als ein Nichts. Ein Kranker unter Kranken. Ein Irrer unter Irren. Ein Gott unter Göttern.

Lass dir nicht deinen Glauben stehlen. Was du weißt, weißt du. Was wahr ist, ist wahr – zumindest für dich. Als Gott musst du beweisen, dass du der Eine bist.

Die vierte Zigarette auf nüchternen Magen schlägt an. Und ich schreibe über Klarheit. Die Medikamente verändern die Sicht – und ich predige Klarheit. Zumindest bilde ich mir aber ein, dass ich es bin. Ich bilde mir ein, ich könne frei denken. Habe das Gefühl, meine Gedanken sind stärker als das Psychopharmaka. Doch sollten sie Glauben und Wissen aus mir reißen. Was soll ich denn bitteschön denken? Dass ich seit meinem dreißigsten Lebensjahr Rentner bin? Soll ich Die letzte Version … vom Paradies als psychotischen Klimbim abtun? Sollen meine Bücher in der Schublade verwesen? Das werden sie nicht!

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