Viel freier

Danke Jean! Für das wundervolle Gespräch. Du hast genau verstanden, warum ich mich davon verabschiede, unbedingt von der Schreiberei leben zu wollen. Und ja – ich fühle mich seit meinem Entschluss tatsächlich viel freier. Und ja – vielleicht kommt irgendwann eine neue Idee, die ich völlig ohne Druck zu Papier bringen kann. Und wenn nicht, dann ist es auch nicht tragisch. Sollte ich noch mal etwas schreiben, dann soll es mir ganz leicht von der Hand gehen. Dann will ich Freude während des Schreibens fühlen. Nicht die Spur von: Du musst! Ich muss essen und trinken, kacken und pinkeln, und eines Tages meine Hülle verlassen. Natürlich gibt es noch andere Dinge, wie ausreichend schlafen, regelmäßig meine Medikamente nehmen, für meine Frau und meinen Sohn da sein, einkaufen gehen und und und. Aber Schreiben will ich niemals mehr müssen. Kein Zwang soll jemals wieder dahinter stehen. Meine neue Freiheit hab ich schon nach wenigen Tagen ganz liebgewonnen. Ich könnte jetzt sagen: Du Idiot, du hättest vor dreißig Jahren deinen Meister im Handwerk machen können. Nein, hätte ich vermutlich nicht gekonnt. Das Schreiben war mir zeitweise wichtiger als meine Frau, wichtiger als meine Freunde, wichtiger als alles andere. Viel zu wichtig habe ich es und somit auch mich genommen. Hoffentlich bleibt meine jetzige Einsicht erst einmal bestehen. Ich habe wirklich fantastische Laune. In wenigen Tagen schreibe ich euch, warum es mir gerade so gut geht. Ehrlich, mit dieser Wende hätte ich niemals mehr gerechnet. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Nicht zu viel. Keine Überanstrengung. Ohne Druck wenn möglich. Meistens verpasst man sich ja den Druck selbst. Nicht immer, klar. Aber ganz schön oft. Durch zu viel Druck kann meine Krankheit wieder ausbrechen, das steht fest. Ich kann depressiv werden, oder auch manisch. Bitte, bitte, gib mir noch ein paar Jahre. Ein paar gesunde, fitte Jahre. Wer weiß, was sich noch alles für Türen vor mir öffnen werden. Türen, gegen die ich Jahrzehnte lang gegen gerannt wäre. Ich freue mich auf die nächsten Tage. Ich freue mich auf morgen.

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