Ich bin kurt davor, am Roman BLOCK weiterzuarbeiten. Kurz davor. Die Depression scheint von dannen zu sein. Wie weggeflogen ist sie nicht. Langsam, ganz langsam hat sie meine Seele verlassen. Wahrscheinlich noch nicht ganz, denn noch immer gibt es Minuten, in denen ich zu nichts in der Lage bin. Ich verkrieche mich, ziehe mir die Decke über den Kopf, will und kann mit niemandem sprechen. Nicht einmal mit meinen besten Freunden will ich telefonieren. Was soll ich auch sagen? Worüber soll man sprechen, wenn man nichts erlebt?
Es regnet heute Nacht um 3 Uhr 10. Ich sitze geschützt, nutze die Wachheit, nutze den guten Augenblick. Warte, wie so oft, auf Worte, von denen ich im Moment zuvor noch nichts weiß. Tippe ich sie, sind sie mir nicht fremd. Erscheinen sie auf dem Monitor, weiß ich, dass ich bin. Denn das, was ich schreibe, bin ich. Dann scheint es, zumindest hin und wieder, das kein Mensch Einfluss auf mich hat. Ich bin allein mit mir. Ich bin allein mit Gott. Glück? Glück gehabt, in jedem Fall. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich noch lebe. Zu oft schnupperte ich am Geruch des Todes. Für einige Menschen bin ich ein Dorn im Auge. Für manche ein Stich ins Herz.
Die Müdigkeit packt mich am Schlafittchen. Im Traum geht das Leben weiter. Und wo endet es? Wird es jemals enden? Unmöglich. Dir bekannte Seelen begegnen sich wieder und wieder. Wird es neue Lieben geben? Werden alte Lieben aufgelöst? Kommen wir zurück? Die höchste Form des Daseins ist der Mensch. Die höchste Form des Daseins ist es, zu einem Gott zu werden – zu einem menschlichen. Sie werden über dich schreiben. Sie werden über dich reden. Sie kommen nicht drum herum. Denn du bist der Mittelpunkt. Pilger werden pilgern. Beter werden beten. Ungläubige werden glauben – müssen.
Gute Nacht.