Wie gern hab ich mich selbst gepuscht!

Langweile im Hirn. Keine Idee für einen Text. Keine Energie, nach wie vor, ein Buch zu lesen. Null Motivation, für mich etwas zu tun. Funktioniere im Augenblick. Nicht einmal eine richtige Melancholie. Ein Hochgefühl sowieso nicht. Die Jack Daniel’s-Texte öden mich an. Fühle nichts mehr von dem. Gefühle sind aber zum Glück da, Gefühle der Liebe für meine Frau und meinen Sohn. Freude auch, wenn es klingelt und ich Besuch bekomme. Freude auch, wenn ich mit Andreas einen Song spiele. Ich habe immer den Kick gebraucht, war süchtig nach dem manischen Glück – selbst die Sucht ist unterdrückt. Von meinem Lebensmotto „Abwechslung ist die Würze des Lebens“ ist derzeit nichts da. Ich bin froh, dass ich an meinen Freunden noch interessiert bin, dass sie mir nicht egal sind. Mich interessiert auch, was in der Welt los ist. Ich bin also glücklicherweise nicht gleichgültig. Mich berührt es sehr, wenn ich höre, was zum Beispiel auf Lesbos los ist. Meine Frau fragt mich: „Was können wir tun?“ Ich habe keine Antwort. Ich bin kein Politiker. Und ich habe nicht die Energie, anderweitig zu helfen. Ehrlich gesagt bin ich froh, mein eigenes Leben einigermaßen auf die Reihe zu kriegen. Der Rum gerade tut gut, er wärmt die Speiseröhre. Jeder Satz ein Krampf. Nichts mehr von da, sich wie ein Schriftsteller zu fühlen. Realer geht nicht. Can, wie geht es dir? Liest du dies hier gerade? Bist du gut drauf? Keine Lust, mich an meine Drehbücher zu setzen, keine Lust, „weg“ noch einmal zu überarbeiten, Lust zu genau nichts. Und dabei ist heut so ein schöner sonniger Tag. Die Spatzen tanzen, die Meisen rufen Hurra, der Frühling ist da! Mein Sohn spielt mit seinen Freundinnen draußen im Garten. Quietschvergnügt sind sie, ich habe ihnen gerade einen „bunten Teller“ zubereitet und raus gebracht, Obst und Gemüse aufgeschnitten, Kakao gekocht. Noch ein Schlückchen Rum. Gleich noch eine Zigarette. Vielleicht heut Abend eine gute Zigarre. Ich weiß noch nicht. Wäre ich zu Hause nicht so sehr eingespannt, würde ich dreimal in der Woche zu Andreas fahren, um Mucke zu machen. Eine der wenigen Dinge, die mir richtig Spaß bringen. Im November schon wollten wir nach Berlin zu Majo fahren und in seinem Studio ein paar Songs aufnehmen. Corona lässt grüßen. Wo sind meine manischen Züge hin? Das hochpotente Neuroleptikum Abilify, das ich seit einem halben Jahr nehme, raubt mir jegliche Phantasie. Ich fühle mich ziemlich beschnitten. Dafür merke ich keine körperlichen Nebenwirkungen, ist ja auch was. Ich möchte auch nicht mehr im Wahn Blogbeiträge schreiben, das auf keinen Fall, nur ein bisschen bunter könnte alles sein im Kopf. Ich muss drauf achten, dass ich nicht irgendwann ausbreche. Dass es mir dann reicht, dieses öde Leben zu fristen. Alle Größenideen sind futsch. Wie gern habe ich nachts im Bett gelegen und mich selbst gepuscht. Jeden Abend habe ich vor dem Einschlafen mit riesiger Freude Bücher verschlungen. Jetzt schlafe ich innerhalb von ein paar Minuten ein. Das Dilemma mit dem Zeldox und dem Lamotrigin war ja der Mittagsschlaf, den ich 15 Jahre lang brauchte. Und das täglich zwei bis drei Stunden. Nun bin ich zumindest den ganzen Tag über wach. Zurück auf die alte Medikation will ich auf keinen Fall. Dennoch liegt ein neues Projekt an: Ich werde F 25 als Hörbuch einlesen. Jedenfalls stelle ich mir das gerade so vor. Ob die Energie ausreicht, kann ich nicht sagen. Richtig deprimiert bin ich trotzdem nicht, dafür geht es mir zu gut. Danke, dass mir dieser Text gelungen ist. Ich bin froh um jeden Satz und um jede Zeile. Ich schließe die Augen und warte ein Weilchen. Dann berühre ich die Tasten und schwarze Zeichen erscheinen auf dem grauen Monitor. Mir ist leicht schwindelig – die Wirkung des Alkohols. Das Leben kann ein Kampf sein. Und ein Krampf. Ich weiß, ich darf mich nicht beschweren.

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