Was mir in den Sinn kommt

Ein trüber Sonntag, ein grauer Himmel. Eine traurige Seele. Und doch voller Hoffnung. Ganz still ist es heute da draußen. Kaum Autos auf den Straßen, kaum Menschen im Dorf, außer ein paar wenige Spaziergänger. Jeder ist irgendwie für sich an diesem Tag, am 2. Advent. Ein Rotkehlchen sitzt gerade gegenüber auf dem Zaun, ganz still für ein paar Augenblicke. Und zack – weg ist es. Ich habe mir gerade einen Whisky eingeschenkt. Muss mich sammeln. Wir müssen stark bleiben. Oder stark werden, wenn wir noch zu schwach sind. Zusammenhalten. Mit dem Glauben an das Leben leben. Die Angst im Rücken. Die Angst vor der Brust. Vertrauen an Stärke aufbauen. Aus unserer Schwäche emporwachsen. Meiner Meinung nach geht es immer weiter, ich kann nicht an den ewigen Tod glauben. Aber keiner weiß es. Ich habe es ja schon oft geschrieben: Viel zu viele Menschen glauben viel zu viel zu wissen. Und labern uns zu mit ihren von riesigen Löffeln gefressenen Weisheiten. Bitte verschont mich. Lasst mich mit euerm Esoterikscheiß in Ruhe. Es belastet mehr, als es mir hilft. Und das, was ihr mir sagt, weiß ich schon seit dreißig Jahren. Das, was ihr mir jetzt mit vierzig, fünfzig oder sechzig erzählt, wusste ich schon mit zwanzig. Denn schon damals habe ich Freitag, Murphy, Castaneda und andere Meister und Gurus gelesen und verinnerlicht. Also haltet bitte einfach die Fresse. Nichts ist mir neu. Ihr zieht mich runter. In Wirklichkeit geht es euch nämlich viel viel schlechter als mir. Guckt euch an. Ich habe meinen Glauben. Ich habe meinen Gott. Ich habe meine Hoffnung. Ich habe mein Glück. Bitte verschont mich. Ihr könnt eh nicht nachvollziehen, wie es einem Maniker oder einem Depressiven oder einem Schizophrenen geht, wenn ihr nicht selbst betroffen seid. Ihr habt auch keine Ahnung, wenn ihr keine Schreiber seid, wie es mit einer Schreibblockade ist. Einer, der noch nie geschwommen ist, weiß nicht, wie es ist, zu schwimmen. Jemand, der noch keinen Fallschirmsprung hinter sich hat, weiß nicht, wie sich der freie Fall und das Schweben anfühlen.

Montagabend

Ruhiger geworden. Stiller geworden in den letzten Tagen. Nachdenklicher. Zwischendurch melancholisch. In mich gekehrt. Vieles ist scheißegal. Unwichtig. Dennoch bin ich weit davon entfernt, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich liebe das Leben. Meine Frau liebt das Leben. Mein Sohn ist ein superglückliches Kind. Ganz frei. Noch. So wertvoll ist es, Kind sein zu dürfen. Es möchte an den Weihnachtsmann glauben – also gibt es ihn. Engel. Elfen. Feen. Ich lese meinem Sohn gerade Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ vor. Ein Buch, das mich an meine eigene Kindheit sehr stark erinnert. Ich kenne diese Gesichte von Kindheit an. Ebenso „Emil und die Detektive“.

Du bist der Stern, der von innen leuchtet. Du leuchtest mir den Weg. Ich leuchte dir den Weg. Wir leuchten uns den Weg. Wir sind eins.

Mittwochmorgen

Der Himmel durchweg grau und trübe. Feuchte Luft. Müdigkeit in mir. Habe Urlaub. Urlaub für meine Seele. Urlaub für mein Herz. Urlaub für meine Frau und meinen Sohn. Ganz ruhig im Haus, niemand ist hier. Was zählt, ist die Liebe. Was man zählen kann, ist Geld. Ohne Geld geht es nicht. Ohne Liebe zu leben, ist nicht so leicht. Es ist so wertvoll, ein Zuhause zu haben, in dem man sich wohlfühlt. Freunde zu haben, die man jederzeit anrufen kann. Deswegen sollte man sich überlegen, nicht zu lange nachtragend zu sein. Aber manchmal ist es auch besser, jemanden für immer abzuschreiben. Lass dich nicht runterziehen. Menschen, die dir ständig erzählen wollen, wie du zu leben hast, stopfst du besser in die Mülltonne. Vor allem, wenn es ihnen darum geht, wie du ganz schnell zu ganz viel Geld kommen kannst. Die Wanduhr tickt. Die Schreibtischlampen leuchten. Ich müsste mein kleines Zimmer mal wieder aufräumen. Es ist warm. Ich schreibe das, was mir gerade in den Sinn kommt. Ich habe frei. Urlaub auf unbestimmte Zeit. Der Vertrag ruht. Das Schreibzimmer in der Fabrik ist zum 28.2. gekündigt. Die Atmosphäre stimmt nicht. Der Roman „BLOCK“ liegt auf Eis. Inspirationslos. Gefühle sind wichtiger. Meine Hände schweben für Augenblicke über die Tasten. Dann klackern sie. Unwichtig, was ich schreibe. Und doch liebe ich es. Und doch brauche ich es. Das Schreiben befriedigt mich. Es gibt mir innerlichen Frieden. Der Blog hier ist wie ein Tagebuch. Manchmal weiß nur ich, worum es in manchen Passagen geht. Und ein paar gute Freunde. Freunde, die mich gut kennen, Freunde, zu denen ich Vertrauen habe. Persönlicher geht nicht. Werde nicht zu persönlich. Dich meine ich. Dich. Ich liebe die Ruhe. Ich liebe das Ticken. Das Klackern. Denn Tee. Ich sehne mich derzeit nicht nach dem Kick. Von mir aus kann alles so la la weiterlaufen. Grau und gleichmäßig. Stabil. Real.

Liebesstolz

Ehrfurcht und Demut sind sehr wichtig, Arroganz ein falsches Spiel, zu viel Stolz macht das Erschaffene nichtig, in aller Bescheidenheit, ich glaub, ich verlange zu viel. Und dennoch wünsche ich mir von meiner Liebe, dass ihre Augen strahlend zu mir hinaufblicken, und auch ich möchte mich an ihrem Anblick jede Sekunde und jede Stunde absolut verzücken. Voller Stolt möchte ich mit meiner Liebe händehaltend über menschenvolle Märkte schreiten, und ich würde es zutiefst genießen, wenn mich verstohlene Blicke begleiten. Ich wünsche mir von meiner Liebe auf den ersten Blick Seelenverwandtschaft zu erspähen, denn Seelenverwandtschaft kann niemand verschmähen, sie bedeutet göttliches Glück. Ich darf mich niemals zu wichtig nehmen, dies ist ein heiliges Gesetz, ich beginge viele Fehler, die mich später quälen, schon viel zu oft hab ich mich satt überschätzt. Aber stolz auf meine Liebe möchte ich immer sein, denn aus Schwäche oder Mitleid sich zu binden, wäre der dümmste Selbstbetrügerschein und am Ende wär doch jeder für sich allein.

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