Scheiß auf Selbstmitleid

Der Himmel hellgrau, von blauen Flecken durchbrochen. Fast windstill. Von Osten kommt die Sonne durch. Wenn ich so für mich allein bin, ist es auch in mir ziemlich windstill. Ein paar Tage war ich wütend, jetzt ist es eher die Traurigkeit, die mich gerade erfasst. Dennoch bin ich nicht depressiv. Die Frage, warum, stelle ich mir nicht. Ich liebe das Leben. Auch wenn die Medis mich einöden, meine Kreativität einschränken, mir fast jegliche Inspiration nehmen – so bin ich doch zuversichtlich. Das Wichitigste ist, dass wir gesund sind. Alles andere ist nebensächlich. Gesundheit setzt natürlich voraus, dass wir es warm haben. Dass wir genug essen und trinken können. Ich bin so leer. Schneller gereizt. Gerate schnell unter Stress. Habe mich von meinem Job beurlauben lassen. War es das für mich als Schriftsteller? Ich weiß nicht, was im Frühling ist, vielleicht werden die Gedanken wieder sprießen. Wenn nicht, wäre zu überlegen, das Neuroleptikum ein wenig zu senken. Mir fehlt das Glücklichsein. Die kleinen Kicks, die mein Leben so bunt gemacht haben. Es muss kein Rausch sein, keine Manie, nichts, was lange anhält – doch die kleinen glücklichen Momente im Leben sind so wertvoll. Und die langen kreativen Phasen, die über viele Monate andauern können. Es ist doch ein herrliches Gefühl, sich zumindest wie ein Schriftsteller zu fühlen. Es ist ein wunderbares Lebensgefühl. Etwas Großes, auch wenn die Auflagen winzig klein sind. Es geht um den Prozess des Schreibens. Es geht um die Lebensqualität. Einfach um das gute Lebensgefühl. Und natürlich auch um die Anerkennung. Man braucht sich nichts auf ein geschriebenes Buch einzubilden. Man muss sich anderen Menschen nicht überlegen fühlen. Um ein lesenswertes Buch zu schreiben, braucht man nicht sehr schlau zu sein. Ein wenig Talent, Lebendigkeit im Kopf, viel Arbeit und Ausdauer, ziemlich großes Glück, einen Verlag zu finden – das reicht aus. Wenn du von deiner Kunst leben kannst, sei dankbar. Seit März gelingt es mir nicht mehr, richtig in ein Buch einzutauchen. Auch Filme erreichen mich nicht. Der Witz und die Spontanität sind mir in den letzten Wochen abhanden gekommen. Schade. In mir ist es still. Wie ein seichtes Gewässer. Ich habe das Gefühl, es muss jemand kommen und mich wachrütteln. An den Schultern packen und schreien: Hey Mann, wach auf! Früher waren es die Drogen, die mich aus einem durchaus ähnlichen Zustand gelockt haben. Doch das hat meine Psyche nicht ausgehalten, ich bin krank geworden. Scheiß auf Selbstmitleid. Ich könnte darin in diesem Augenblick versinken und alle zu Tode nerven. Aber ich sehe es auch nicht als meine Aufgabe, euch zu erheitern. In diesen Tagen jedenfalls nicht. Ehrlich gesagt, gehts mir jetzt gerade scheiße. Ich bin müde.

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