Vollblutschriftsteller und Nikotinbestien

Am 11. Sep. fliege ich nach Amerika. Bis dahin möchte ich unbedingt den neuen Roman noch einmal überarbeiten, das Script dann mitnehmen und dort endgültig zu Ende bringen. Jean aus Hamburg hat den Text jetzt auseinandergenommen und mir wertvolle Tipps gegeben, morgen schickt er ihn mir zu, dann setze ich mich schnellstmöglich ran. Knapp fünf Wochen bleiben mir ja noch. Zurzeit kann ich mich aber nur schwer motivieren, da ich vormittags andere Dinge zu tun habe, als am Schreibtisch zu sitzen, und am Abend bin ich oft zu kaputt, würde der Nachmittag bleiben, doch diesen beansprucht mein Sohn mit mir. Ich will mich gar nicht beschweren, auch wenn ich wirklich gern ein Vollblutschriftsteller wäre – kann ich aber nur werden, wenn endlich ein erfolgreiches Buch zustande kommt. Was soll ich tun? Wieder Verlage anschreiben? Ich glaube schon. Ich kann auch eine 100-Auflage selbst finanzieren, aber was bringt das, außer vielleicht in einem oder zwei Jahren 100 verkaufte Bücher? Vergiss es doch. Also noch einmal ran und die Großen zubomben. Zu verlieren habe ich nichts. Man muss sich aber im klaren darüber sein, dass jeder größere Verlag mindestens 10 unverlangte Manuskripte pro Tag zugesandt bekommt. Jeden Tag! 10! Und es ist mit Sicherheit unendlich viel Schrott dabei. Und natürlich gute Sachen, die trotzdem in der Tonne landen, weil keine Zeit da ist, um die Texte genauer zu prüfen. Max. 30 Seiten zur Leseprobe schickt man hin, ein Exposé und einen Lebenslauf. Das Anschreiben nicht zu vergessen, am besten man hat einen Ansprechpartner, den man persönlich anschreibt. Jaja, nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung, auch nicht, wenn man schon dreißig Jahre drum kämpft. Aber ich war bis jetzt auch noch nicht gut genug, vielleicht sitzt ja der richtige Lektor zur richtigen Zeit am richtigen Platz und findet meine Sachen ansprechend. Ich hoffe, ich gebe erst auf, wenn die Sargnägel versunken sind. Es ist die Anerkennung, wonach der Mensch schreit. Jeder möchte für das, was er tut, Anerkennung und Lob ernten. Und jeder möchte in seinem Fach besser als gut sein, so jedenfalls sollte es sein. Ganz ehrlich, normalerweise müsste ich radikaler werden, um Vollblutschriftsteller zu werden. Nichts mit, ich geh jetzt mal ne Zigarre rauchen und gaffe ne Stunde ins Grüne. Oder, ich setze mich heute Abend mit meiner Frau auf die Terrasse und trinke ein Glas Wein. Radikal wäre, um fünf aufstehen, eine Stunde schreiben, mich um meinen Sohn kümmern, ihn zum Kindergarten bringen, drei bis vier Stunden schreiben, Mittagsschlaf (muss ja wegen der Medikamente sein) und dann ab 20 Uhr wieder für zwei Stunden schreiben. So radikal ist das doch gar nicht. Das hat viel mehr mit Disziplin und Zeit zu tun. Was mache ich? Ich helfe einem Freund beim Renovieren. Diese kostbare Zeit! Nee, echt, das Zigarrerauchen muss weniger werden. Die Sucht hat mich wieder in ihren Klauen. Fuck! Am besten wird es sein, ich nehme keine einzige Zigarre mit in die USA, und ja, in New York betrete ich keinen einzigen Zigarrenladen. Wenn doch das Rauchen nicht so verdammt schön wäre! Gerade das Zigarrerauchen, auf Zigaretten habe ich glücklicherweise überhaupt keine Lust. Die Nikotinbestien kreischen trotzdem nach ihrer Ladung, jeden Tag aufs Neue. Ich bin ein Suchtmensch, war ich schon immer, von Kindheit an, ich weiß selbst, dass das keine Entschuldigung sein kann, man kann kämpfen und gegen an gehen. Ich bin der Typ, der meistens den einfachen Weg geht … ach, lassen wir das. Vielleicht schreibe ich morgen noch zwei, drei Sätze, mal sehen. Erst mal Gute Nacht   !

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