Viel zu viele Worte

Manchmal weiß ich nicht, was ich schreiben soll. Manchmal weiß ich nicht, was ich sagen soll. Manchmal fehlt mir die Sprache. Mir fehlen die Worte. Es kann auch sinnvoll sein, ab und zu die Fresse zu halten. Schweigen ist angesagt. Es gibt Menschen, die labern ununterbrochen sinnloses Zeug. Sie wiederholen sich ständig, haben alles schon zehnmal erzählt und merken es nicht einmal. Vor allem, wenn sie besoffen sind, quatschen sie auf dich ein. Ohne Rücksicht. Ohne Selbstrefelxion. Unkontrolliert. Mit Sabbern und Anspucken. Viel zu laut. Womöglich lallend und soooo viel wissend. Besonders schön ist es, wenn man nüchtern auf einen Besoffenen stößt. Dann denkt man, ach du Scheiße, wie soll ich das überleben! Aufholen! Nach ein paar Schnäpsen geht’s dann vielleicht. Aber dann ist der Volltrunkene meist schon gar nicht mehr ansprechbar und verbreitet noch größeren Schwachsinn. Umsonst Schnäpse getrunken. Und noch schlimmer ist es, wenn der angeblich Besoffene nüchtern ist. — Heute zum Beispiel ist so ein Abend, an dem ich nicht weiß, was ich schreiben soll. Es ist auch noch früh, halb acht. Mein Sohn liegt noch nicht im Bett. Hier ist Stimmung. Alle wach. Der Pflegedienst für Oma kommt gerade ins Haus. Hat einen Schlüssel. Hier ist immer was los. Haus Der Offenen Tür. Ach, wie schön wäre eine Schreibwohnung, kann gleich ein Ort weiter sein. Ein Zimmer nur zum Arbeiten. Und zum Rauchen. Aber natürlich kann ich mich nicht beschweren; wie ich hier lebe, ist schon absoluter Oberluxus. Ein eigenes Zimmer habe ich ja. Aber es wäre etwas anderes, einen Arbeitsweg zu haben und nur zum Arbeiten dort hinzufahren. Man weiß dann genau, warum man dort ist. Lassen wir das. Aber MUSS man denn mit dem zufrieden sein, was man hat? Muss man doch nicht. Es geht fast immer besser, anders sowieso. Schlechter natürlich auch. Ich finde nicht zur Ruhe. Mein Sohn läuft hinter mir rum, unten quatscht der Pflegedienst lautstark mit Oma, damit sie was hört. Ab neun sieht es anders aus. Dann ist Ruhe. Anderseits mag ich Leben in der Bude. Über Besuch freue ich mich immer. Wenn ich den Besuch denn mag. Besuch, den ich mir selbst eingeladen habe. Ich muss schon sagen, dass ich gern unter Menschen bin, auch unter Fremden. Schnell komme ich ins Gespräch, zumindest in meiner Stammkneipe, im Havana, wo ich viel zu selten bin. Aber es ist auch eine weite Strecke bis nach Hannover Linden. So ganz spontan geht das nur gelegentlich. Meistens wäre es abends zu spät, bis ich loskäme. Besser gesagt, bis ich wieder zu Hause wäre. Die Zigarre kann ich auch auf der Terrasse qualmen. Und meine Frau ist mir ehrlich gesagt sowieso der angenehmste Gesprächaspartner. Aber wie ihr wisst, sehne ich mich nach Abwechslung. Ich mag es, mich mit anderen Menschen zu unterhalten. Von ihnen etwas erfahren, sie beobachten, ihre Meinung hören. Mir Gedanken über sie machen. Mir selbst eine Meinug bilden, über sie. Früher war ich zurückhaltener. Allerdings können mich Gespräche auch schnell nerven, so ist es ja nicht. Wenn es die ganze Zeit ums gleiche Thema geht. In allen Facetten ausgeschmückt. Ermüdend. Wen interessiert das hier eigentlich? Dich? Sehr schön. Vielen Dank dafür. Bis die Tage, dein Weltbestseller-Autor Henning Taube   .

22.20 Uhr

Alle im Bett. Jazz läuft. Viel Blasmusik – Trompeter aus den 20ern. Und meine Gedanken springen etwas. Und das Weinglas steht neben mir. Ich finde noch immer nicht zur Ruhe. Gehe ich noch mal auf die Terrasse und rauche eine? Brauche ich ne Stunde für. Könnte ich eine Stunde im Bett für lesen und in mein Tagebuch schreiben. Meist wird es dann nur ne halbe Stunde. Und morgenfrüh wäre ich fit. Aber immerhin. So warm ist es draußen ja nun auch nicht. Ich könnte auf die Zigarre leicht verzichten. Auf mein Bett nicht. Das brauche ich. Und den Schlaf auch. Also wünsche ich euch allen eine Gute Nacht und schicke den Text gleich ab   !

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