Verbinde innen mit außen

Herausgekrochen – aus der Depression – für ein paar Tage. Dann wieder verschlungen – von der Tiefe. Dunkelheit. Doch da oben strahlt ein Licht. Und dann ein Gedanke – verbunden mit dem Zwitschern eines Vogels des Augenblicks. Es war ein heiterer Gedanke. Es war ein heiteres Zwitschern. Ein wahrer Strahl formt sich in Sekundenschnelle auf den Lippen. Und diese Sekunde reicht für Stunden. Ich erinnere mich daran, wie ich morgens an der Haltestelle stehe – tief in der Depression. Ein Mädchen sitzt in der Bahn, schaut, und winkt mir zu. Ihr Blick sagt: Hey Junge, da ist Hoffnung, da hinten. Es sind die kleinen Momente, die aufbauend sein können. Stell dem Leben eine Frage, wenn du draußen bist. Kannst du etwas hören und sehen, erhältst du ganz sicher eine Antwort. Der Wind. Die Wolke. Der Vogel. Das Insekt. Der Schmetterling. Sonne. Regen. Frag und öffne Ohren und Augen. Öffne auch dein Herz. Schließ nicht zu. Vielleicht ist es auch ein Lied, das dir in der richtigen Sekunde den Schwung gibt, den du brauchst. Oder ein Film. Vielleicht reicht eine winzige Szene. Oder ein Wort. Ein Satz. Der Blick eines Menschen. Oder etwas Geschriebenes. Ein Zitat. Etwas Gemaltes. Ein Foto. Verbinde innen mit außen, innen und außen ist so viel. Der richtige Gedanke mit dem dazu passenden Geräusch der Natur – was für ein Glück des Augenblicks! Hör zu. Das heißt nicht, dass du gerettet bist für längere Zeit. Die Dunkelheit ist mächtig. Sie hat ungeheure Kraft. Aber das Grau ist noch viel deprimierender. Wenn der Tag nicht hell wird um dich herum. Wenn deine Gedanken trüb bleiben. Ein eintöniges Grau, ohne Nuancen. Ohne Wind. Ohne Geräusche. Dann befrei dich aus dieser Situation. Such dir eine andere Perspektive, manchmal reicht schon ein Raumwechsel. Steh auf. Streck dich. Leg eine Platte auf. Versink nicht in dir selbst. Versink nicht in deinem Selbstmitleid. Geh ins Kino. Verlass deine Wohnung.

Alles so leicht dahingeschrieben. Macht mir aber Spaß. Baut mich auf. Jeder muss selbst etwas für sich tun. Ich mag das Klackern der Tasten. Ich mag es, Wörter auf dem Monitor zu sehen. Vielleicht versuchst du es auch mit dem Schreiben. Tagebuch zum Beispiel. Ein paar Notizen am Tag, die dir wichtig erscheinen. Notier dir abends, was gut für dich gewesen ist. Ich wette, du findest was. Jeden Tag.

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