Sinn

Heute Abend sitze ich in meinem Schreibzimmer und habe Lust noch ein paar Sätze zu tippen. Es ist 22 Uhr 10. Ich weiß zwar noch nicht, ob mir etwas einfällt. Aber einen Anfang habe ich ja schon mal. Erst einmal öffne ich die Flasche Weißwein und schenke mein Glas voll. Ich fühle mich unglaublich klar und gut. In diesem ausgezeichneten Zustand kann es meinetwegen weitergehen. Von mir aus über Monate und Jahre. Die Wärme kommt mir gelegen. Meine Stimmung ist fabelhaft. Ich kann mich konzentrieren, habe Ausdauer, genieße es, kaputt von der Arbeit zu kommen. Hast du auch einen Job bzw. Beruf, der dir Freude bringt. Dann hast du riesiges Glück. Kaum etwas ist mieser, als tagtäglich etwas zu tun, das dir gegen den Strich geht. Damit ruinierst du deine Gesundheit. Wenn es schlecht läuft, dein ganzes Leben. Seitdem ich mich davon frei gemacht habe, von der Schreiberei unbedingt leben zu wollen, gar zu müssen, ist riesiger Ballast von mir abgefallen. Und dennoch schreibe ich ja fast jeden Tag weiter. Das Schreiben hat mich gesucht und gefunden. Ich habe nicht darum gebeten. Mit zwanzig sind mir die ersten Gedichte zugeflattert. Es war, als fielen sie vom Himmel. Mein Gott, was ich mir schon alles so eingebildet habe. Kaum zu glauben. Und immer bin ich dem Geld hinterhergehechelt. Immer wollte ich reich werden. War neidisch auf erfolgreiche Künstler. Dabei geht es mir doch so verdammt gut. Wenn ich mit dieser neuen Freiheit einen Roman zustande brächte. Wie wundervoll das wäre. Es gliche einem kleinen Wunder. Das, was ich schreibe, ist mir ganz bewusst. Das war natürlich nicht immer so, wie ihr nachlesen könnt. In diesem Blog existieren dermaßen viele hypomanische, manische, psychotische, depressive, besoffene und melancholische Texte, die ganz klar überwiegen. — Sogar ein Buch habe ich wieder begonnen zu lesen. „Der Junge, der Träume schenkte“. Ich bin gespannt drauf. Der Anfang hat mich neugierig auf weitere Seiten gemacht. Ihr seht schon: Dieser Beitrag ist ein Blabla-Beitrag. Leichte Kost. Ihr wisst ja, dass ich das leichte Leben liebe. Dass ich es mir nie zu kompliziert machen möchte. Wozu auch. Was bringt es, zu reden und zu reden und am Ende nichts verstanden zu haben. Für sechs Jahre habe ich in einer Werkstatt für behinderte Menschen in der Buchbinderei gearbeitet. Ich habe an einem Lesekreis teilgenommen. Ein Jahr für ein Rudolf Steiner-Buch. Nichts, aber auch gar nichts ist hängengeblieben. Das, was ich begriffen habe, hätte man mir in einer halben Stunde erklären können. Ein Jahr lang für ein Buch. Ganz schweres Zeug. Das Buch an sich war aber nicht das Schlimmste. Das waren die Menschen, die an diesem Kreis teilnahmen. Vor allem der Oberphilosoph. Derjenige, der inzwischen so tut, als sei der Geist Steiners in ihn eingefahren. Ein Arschloch ohnegleichen. Reg ich mich aber nicht mehr wirklich drüber auf. Jeder geht seinen Weg. So gut er eben kann. Keiner braucht einen Missionar an seiner Seite. Jedenfalls keiner, der sich selbst seine Gedanken macht über einen Sinn. Meine Wut über diesen Möchtergernguru habe ich zum Glück in ein Buch verpackt. Jaja, der Sinn des Lebens. Ist für mich ganz einfach: Liebe schenken und annehmen können. Genug zu Essen und zu Trinken auf dem Tisch haben. Ein Dach über dem Kopf sein eigen nennen. Mehr braucht es doch kaum. Ein großes Geschenk ist es, wenn du dich über Kleinigkeiten freuen kannst. Die Biene. Der Vogel. Der Sonnenaufgang. Gute Landluft. Ein Bachlauf. Ich könnte Seiten füllen. Der Sinn muss nicht die große Freiheit bedeuten. Oder das große Glück. Jeder Tag ist neu zu bewerten. Ach, egal jetzt.

Gute Nacht

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