Schwere

Guten Abend!

Mir geht es einfach nicht gut. Kreativlos. Ohne Inspiration. Lustlos. Auch traurig. Aber mehr melancholisch. Antriebslos. In mich gekehrt. Deprimiert. Noch nicht ganz depressiv. Müde. So müde. Es fällt mir so schwer, mich zu etwas aufzuraffen. In mir schlummert die Sehnsucht nach der alten Leichtigkeit, die verloren zu sein scheint. Die grauen Wolken hängen tief in der Seele. Farblos. Kraftlos. Humorlos ganz oft. Genervt von den meisten Menschen. Genervt von mir selbst natürlich. Genervt von der grauen Kälte da draußen. Man muss sich überwinden und trotzdem ein paar Minuten am Tag vor die Tür gehen. Jeder Schritt fällt schwer. Jede Handlung eine Last. Lebensmüde noch nicht ganz. Dafür ist das Leben zu oft zu schön. Ohne Bewegung wird es nicht besser. Trübsinnig. Wahrscheinlich ist es doch wieder eine „leichte“ Depression. Ich bin so unzufrieden mit mir. Unzufrieden darüber, dass ich so unkreativ bin. Ich bin nicht frei im Kopf. Im ganzen Körper nicht. Ich schaffe meinen Job. Ich schaffe es, einigermaßen zu funktionieren. Ich habe nicht die Freiheit, mir eine Woche eine Auszeit zu gönnen und ans Meer zu fahren. Alleine. In manchen Phasen geht es einfach nicht. Ich fühle mich schwer, vom Zehnagel bis zur Haarspitze. Unfrei. Gefangen in mir selbst. Jeder kocht seine eigene Suppe. Jeder hat mit sich selbst genug zu tun. Keine Lust auf unwichtige Gespräche. Katastrophenfernsehn. Wo man auch hinschaltet Mord und Totschlag. Anscheinend wollen das die meisten Menschen sehen. Coronaopfer. Coronamacke gleicht beinahe der Knastmacke. Der Wein heut Abend nützt nichts. Die Zigarette auch nicht. Ich zieh mich selbst runter, da braucht es keine Hilfe von außen. Bewegung fehlt. Stütze meinen Kopf ab – zentnerschwer. Schließe die Augen und denke nach. Darauf folgt der nächste Satz. Ein Kampf. So so müde. Und doch den Abend nicht schon zu Ende gehen lassen wollen. Könnte ja noch besser werden. Wegen Scheiß-Corona fahre ich jetzt nicht ins Havana. Ich könnte Cupi in Berlin anrufen, doch auch dazu fehlt mir die Lust. Raufe mir die Haare. TB geht nicht ran. Morgen wird es wieder besser. Ganz bestimmt. Hoffnungsvoll. Zumindest ein wenig. Faulheit. Der goldene Käfig. Bitte leg nicht das Handtuch drüber. Ich werde ein Glas Rum trinken nach dem Glas Wein. Die Quittung kommt morgenfrüh um sechs, wenn der Wecker klingelt. Scheiße. Es fehlt der Kick. Die Euphorie. Grau. Grau. Grau. Schreiben ohne Freude. Ihr seht ja, was dabei herauskommt. Träume sind Schäume. So viel dreht sich ums Geld. Das verdammte Geld. So viel dreht sich um Krankheit. Kein Zuckerschlecken. Man selbst ist der Mittelpunkt. Jeder für sich. Ein ständiges Hin und her. Auf und ab. Mein Atem ist flach, die Erkältung steckt mir noch in den Knochen.

Ganz still ist es hier. Den Hörer schon in der Hand, und doch Cupi anrufen? Und dann doch kein Bock mit ihm zu sprechen. Es ist nicht mal zehn Uhr.

Jetzt ist es 5.00 Uhr am Morgen. In Schwung kommen. Eine rauchen. Einen Kaffee trinken. Die Augen reiben. Noch einen Schluck schwarzen Kaffee. Das Kratzen im Hals. Knieschmerzen. Den Schlaf aus den Augen pulen. Fragen, was der Tag bringt. Über den Bart streicheln. Husten. Ich habe das Gefühl, auf ganz Deutschland liegt eine schwere Depression. Ich habe heute frei. Frei. Mein Kopf wiegt schwer. Wer wird mich lesen? Guten Morgen! Guten Tag! Guten Abend! Das nächste Buch ist komplett in meinem Kopf. Wann werde ich es aufs Papier bringen können? Erst dann, wenn ich mich leichter fühle. Im Frühling? Vielleicht erst im Sommer. Aber wer weiß. Das Gähnen hört nicht auf. Unmotiviert. Doch der Drang ist ganz klar da. Es braucht einen Schub von außen. Eine Aufforderung. Ein Erfolgserlebnis. Selbst die Körperpflege fällt schwer. Oder das Bett frisch zu beziehen.

Dennoch, ich wünsche euch einen guten Tag.

Herzliche Grüße

Henning

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