Liebesschmerz

Dienstag, 0 Uhr.

War ein anstrengender Tag heute. Aber es kam jemand, der mich wachgerüttelt hat. Danke. Somit ist mir wieder bewusst geworden, wie dankbar ich bin, mit der Diagnose F25 ein so gutes und erfülltes Leben leben zu dürfen. Viele Betroffene werden zu Dauerpatienten, leben in betreuten WGs, in Wohnheimen, oder haben sich isoliert und von ihrer Umwelt abgekapselt. Sind zu Säufern oder Drogenabhängigen geworden, leben mit der Doppeldiagnose Sucht/Psychose. Klar trinke auch ich meinen Wein oder Whisky, allerdings, ohne die Kontrolle zu verlieren. Die habe ich viel zu oft über Bord geworfen, bin geschwommen, gerudert, gepaddelt, atemlos, in derbe Strudel ohne Boden geraten. Zum Glück immer wieder aufgetaucht, Halt gefunden, mich rausgezogen – oft durch die starken Hände meiner Freunde und Familie. Nicht gerade wenige Betroffene werden von ihren Angehörigen verlassen, sie trennen sich, beide Seiten halten es nicht mehr miteinander aus. Was für ein unsagbares Glück ich habe, dass ich immer Wert auf Freundschaften gelegt habe. Was für ein riesiges Glück ich habe, eine Mutter, eine Schwester, eine Schwiegermutter, eine Frau und einen Sohn zu haben. Was für ein göttliches Glück, geliebt zu werden, diese Liebe annehmen und sie zurückgeben zu können. Das Herz ist offen. Manchmal ein bisschen zu weit, ich weiß, dann bin ich empfänglich für zu viel Liebe. Dankbar bin ich, dass ich meine Liebe anfassen, sie berühren, sie streicheln, sie umarmen kann. Dass sie real ist. Dass sie wirklich da ist. Nichts ist grausamer, als eine psychotische, eine eingebildete, eine einseitige Liebe, die dich um den Verstand bringt. Die dir jeglichen Schlaf raubt. Du wirst zum Stalker, steigerst dich in einen Zwang hinein, du leidest wie ein ausgesetzter Hund, der seinem Herrn hinterhertrauert. Und das, obwohl vom Gegenüber wahrscheinlich von Anfang an gar nichts zu erwarten gewesen ist. Wie viele Menschen ich schon abgöttisch geliebt und verehrt habe! Heute, mit dem gesunden Abstand, kann ich verstehen, dass manch einer keinen Kontakt mehr zu mir möchte. Der Wahn, egal in welcher Form, verbreitet Angst. Man sollte nicht radikal, fanatisch, extrem sein. Die Liebe solltest du feinfühlig gestalten. Wohl dosiert. Mute deinem Schwarm nicht zu viel auf einmal zu. Schnür ihn nicht ein. Hör auf mit deiner krankhaften Eifersucht, begib dich in Therapie. Lass deiner Liebe Freiraum. Darauf kommt es im Leben an. Verbieg dich nicht bis zum Erbrechen. Das heißt nicht, dass du keine Kompromisse eingehen solltest. Das ganze Miteinander sollte auf Augenhöhe stattfinden. Mach dich nicht zu groß. Lass dich aber auch nicht erniedrigen. Dieselbe Linie, dieselbe Welle, dasselbe Boot. Hör zu. Hör zu, auch wenn nicht gesprochen wird. Sei sensibel. Ich mag das Wort „feinfühlig“. Sensitiv. Schrei nicht. Sprich aber so, dass man dich versteht. Drück dich deutlich aus. Teil dich mit. Schluck nicht alles runter. Sei schnell im Wort, aber drisch es nicht unüberlegt heraus. Der Zug sollte nicht schneller als der Gedanke sein, sonst gerätst du in eine Zwickmühle. Die Dame ist gefährdet. Der König demzufolge auch. Das Leben ist kein Spiel. Kann aber ein riesengroßes Fest sein. Mit Tief- und Höhepunkten. Wenn es dir hilft, bete. Warum auch immer, ich habe aufgehört. Es gab Jahre, da habe ich durchgebetet, habe um Vergebung gebeten, habe bereut, habe geheult. Mein Gott ist in mir. Er kennt mich genau. Er weiß in diesem Augenblick, was ich treibe und schreibe. Er weiß es immer. Mein Gott ist mein Gott. Mein Gott ist nicht dein Gott. Oder doch? Es ist das Nichtwissen, das uns wissen lassen will. Alles hängt am einem Faden. Wie eine Straße, mit Sackgassen, in denen du drehen musst, um zurück auf die Bahn zu kommen. Manchmal verlässt man ganz die eine Straße. Gibt gute Freunde auf. Ich mache jetzt Schluss, es ist gleich eins. Morgen um sieben muss ich den Müll nach vorne bringen.

Wahnsinniger Liebesschmerz

Es war wie eine Strafe mich tief wie der Ozean in dich zu verlieben, wie ein Sandkorn im Wüstensturm bin ich ziellos durchs Universum getrieben. Vom ersten Augenblick an, da ich dich sah, wusste ich, diese Liebe wird lange, vielleicht ewig einseitig bleiben, voll Demut vor deiner Bildung und erlesenen Schönheit, begann ich, dich voll erdrückender Liebe von mir fortzutreiben. Du hattest Angst vor mir, vor den Tausenden Worten, welche ich dir schrieb, du wusstet, ich bin seelenkrank, ein Irrer, der sich hat in die falsche Frau verliebt. Nie wieder will ich einen solchen Liebesschmerz erleiden, nie wieder will ich aus Liebe die Realität verrücken, nie wieder will ich im Liebeswahn Liebesbriefe schreiben, denn kaum etwas ist schmerzvoller, als in wahndurchtriebener Liebe im Herzen zu verunglücken.

Mittwoch, gleich 21 Uhr

In mir war es heut so still, wie lange nicht. Eine tiefe melancholische Traurigkeit hat mich erfasst. Wie in eine graue Wolke eingehüllt. Die Leere dazu. Und das, obwohl wir herrlichsten Sonnenschein hatten. Mir ist zum Verkriechen zumute. Und das werde ich jetzt auch tun.

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