Melancholie

Ist sie weiblich? Männlich? Ich weiß nicht. Auf jeden Fall ist sie näher, wenn ich Wein trinke. Manchmal. Sie ist da, in mir, ich bin mit ihr befreundet. Sie frisst mich nicht auf. Sie beherrscht mich aber manchmal ein bisschen. Ich mag sie eigentlich ganz gern. Sie ist tausendmal angenehmer als die Depression. Die macht einen fertig. Man ist zu schwach, um sich im Bett umzudrehen. Der Toilettengang ist zu anstrengend.

Aber ich will auch gar nicht über Depressionen schreiben. Ich bin nämlich zurzeit nicht depressiv. Auch nicht manisch. Nicht einmal hypomanisch.

Der Roman „weg“ nimmt langsam Form an. Ich feile jetzt schon seit Jahren daran herum. „Im Wahn der Zeichen“ ist auch zu überarbeiten. Und der neueste Roman liegt gerade brach. Vorübergehend. Auf Zeit. Bis Januar. Ich habe lange überlegt, ob ich an ihm weiterarbeiten oder etwas Aktuelles schreiben soll. Mir brennt ne Menge auf der Seele. Aber das Feuer wird nicht so schnell ausgehen. Es lodert. Braust auf. Die Flammen schießen nach oben. Sie lassen einen nicht ruhen, denn sobald man die Zeitung aufschlägt, fließt einem das Blut entgegen. Und es tropft in die Seele. Ist das der Alkohol? Der Wein? Ist das die Melancholie? Vielleicht. Ich bin mit ihr heute Abend gut bedient.

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