Keine Sau interessiert sich

Wie viele Verse, Texte, Gedichte fliegen hier rum? Fünfhundert? Siebenhundert? Tausend? So ungefähr. Kein Mensch interessiert sich dafür. Setze ich mich an die „Jack Daniels-Gedichte“ und dehne sie zu Kurzgeschichten, entstehen über 300 Seiten. Also wartet ein neues Buchprojekt auf mich. Kein Mensch interessiert sich dafür. „Mucho Guscho“, „F25“, „weg“ – keine Sau interessiert sich dafür. Nun also werde ich es über die Poetry Slam-Schiene versuchen, worauf ich total Bock habe. Ich will auf die Bühne. Raus mit dem ganzen Zeug. Stimmung machen. Stimmung verbreiten. Am liebsten natürlich gewinnen. Leider gelingt es mir noch immer nicht, ein Buch zu lesen. Es ist, als habe ich einen Pflasterstein in der Hand, zu dem ich keinen Bezug aufbauen kann. Ich schaffe nicht einmal die erste Seite, merke sofort, dass da null Interesse entsteht. Wie ein Fremdkörper fühlt es sich an. Ich gehe davon aus, es liegt an den neuen Medikamenten, dass ich nicht richtig eintauchen kann. Wie wird es denn sein, wenn ich selbst wieder einen Roman schreiben möchte? Ich fühle mich ja klar, kann mich konzentrieren, habe Ideen usw. Durchaus könnte es aber passieren, dass ich auch bei der aller coolsten Idee nicht über zwei Seiten hinauskomme. Ja, meine Fantasie ist wohl ziemlich eingeschränkt. Hinzu kommt, dass ich wirklich eine heftige Depression hinter mir habe. Hinzu kommt, dass ich zu wenig Ruhe und Zeit finde. Weil ja immer irgendein Scheiß anliegt. Jaja, ich wiederhole mich. Weiß ich selbst. Ich hätte auch große Lust drauf, Songtexte zu schreiben. Oder an den alten zu feilen. Aber auch hierfür interessiert sich niemand, und das, obwohl ich sofort abliefern kann. Ist mir wumpe, ob an Schlagerfuzzis oder Rocksänger- oder Bands. Die ganzen Texte liegen auf Eis. Ich habe ja jahrelang mit Andreas Songs geschrieben, hab aber gemerkt, dass ich keine „Sing“-Stimme habe. Und viel lieber lese ich natürlich auch. Deswegen kommt am 21.10. in die Faust – Warenannahme, 20.00 Uhr. Ich will versuchen alles zu geben, was ich draufhabe. Ich hoffe auf einen gelungenen Abend. Mein Anspruch ist groß. An mich selbst in erster Linie. — Seit vier Tagen habe ich kein Fleisch gegessen. Ich muss und möchte mein Leben umkrempeln. Wieder richtig fit werden. Wie lange ist das schon her! Aber ihr wisst selbst, wenn ihr in einer depressiven Phase steckt, ist nicht viel zu schaffen, man ist froh, wenn man den Tag übersteht. Es gab ein Wochenende, da habe ich es nicht aus dem Haus geschafft. Dieser Zustand kann auch über Wochen und Monate andauern, das kenne ich sehr gut. Zum Glück war es diesmal nicht ganz so krass. Und zum großen Glück gelange ich nach einer Depression auch meistens wieder in eine Hochphase. Jedoch will ich nicht ganz so hoch fliegen. Nicht so hoch, dass mein Leben außer Kontrolle gerät. Die ganze Scheiße wechselt sich viel zu häufig ab. Wie viele depressive Phasen hatte ich schon! Fünfzig? Hundert? Zweihundert? So ungefähr. Und wie viele kleine, mittelgroße und große Manien? Tausende. Ja, so ungefähr. Die vielen Gedanken in einer guten Phasen puschen mich hoch. Geben mir Kraft. Schenken mir Inspiration und Kreativität. Selbstwertgefühle und Bewusstseinsschübe. Wenn nur die Hälfte von dem, was ich je niederschrieb, wahr würde. Hätte ich einen Verlag, daran glaube ich ganz fest, würde das eine oder andere Buch durch die Decke schießen. Aber? Richtig – keine Sau interessiert sich dafür. Ein Irrer und Tausenden anderen. Nichts Besonderes. Es müsste Peng machen. Peng – und dann die neue Abfahrt hoch. Ein ganz neuer Lebensabschnitt. Die radikale Veränderung, die es mir ermöglicht, nur noch, und das ganz und gar, Schriftsteller zu sein. Scheiß auf alle anderen Jobs. Ich werde müder und müder. Es gibt Tage, die schlauchen mich dermaßen, dass ich abends nur noch ins Bett falle.

Soweit erstmal. Alles Liebe

Henning

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