Kein Zwang

Es darf nicht zum Zwang werden, jeden Tag in diesen Blog schreiben zu wollen. Das schadet der Kreativität. Früher schrieb ich oft zwanghaft. Ich MUSSTE schreiben, sonst war der Tag hinüber. Ich hielt mich selbst kaum aus. Und wenn es vorkam (solche Zeiten gab es auch) und ich hatte eine Schreibblockade, sollte man mich besser ganz in Ruhe lassen. Über Wochen und Monate. Ich war nicht zu ertragen. Höchstens, wenn ich kiffte. Klar, der Tag ist immer besser, wenn ich was zustande bekommen habe am Schreibtisch, aber inzwischen kann ich auch ab und zu eine Niederlage akzeptieren. Aber eine Niederlage ist der Tag ohne Zeile trotzdem. Ich tröste mich dann damit, indem ich ein paar Sätze in meinem Tagebuch vermerke.

Mein Laptop ist mein bester Freund. Wir kennen uns schon elf Jahre. Er läuft wie ein alter Mercedes. Mein verrückter Freund aus der Klapse überholt ihn zum Glück ab und zu, und schon ist er wieder wie neu. Der Zeit-Journalist schrieb, ich schreibe jeden Morgen zwei Stunden an meiner alten Remington, aber das stimmt nicht. Meistens hacke ich auf die Tastatur des Laptops. Ich komme mit den Fingern meinen Gedanken hinterher. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich anfing zu schreiben. Erst Gedichte, von 1990 bis 1991/92. Zumeist Reime. Dann „Im Wahn der Zeichen“, das damals noch „Illusionen eines Träumers“ hieß. Natürlich schrieb ich alles per Hand in DIN’A 4-Hefte. Dann auf lose Blätter, weil ich feststellte, dass das Kopieren der Hefte ziemlich unpraktisch war. Darauf kam ich zu einer elektrischen Schreibmaschine, die eine riesige Erleichterung darstellte. Und dann ein arschteurer PC. Die hielten damals aber nur zwei, drei Jahre, stürzten häufig ab und die Tintenstrahldrucker konnte man total vergessen. Alles hat ständig geschmiert und war verstopft. Heute ist das Schreiben einfacher. Ich rede nicht vom Inhalt. Nur von der fortgeschrittenen Technik. Mein Laserdrucker druckt etliche Seiten pro Minute aus, jedes Wort scharf gestochen. Aber egal wie schön das Schriftbild auch ist, die Verlage lehnen meine Sachen ab. Also sind sie noch nicht gut genug. Das Design schon, vom Stil und Inhalt aber zu anspruchslos, oder nichts für die breite Masse. Ich kann damit leben. Ich sage mir, dann musst du halt besser werden. Du wirst so gut, dass dich jeder Verlag veröffentlichen will. Die Frage wird sein, ob ich dann noch will. Tja, ich denke schon. Ich will Geld verdienen. Ehrlich, deswegen schreibe ich nicht, ich schreibe, weil ich meine Sachen lesenswert finde. Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Weil es mir Freude bereitet, ja, es macht mir sogar endlos Spaß. Es bringt mich in einen Rausch, wenn es gut läuft. Aber nur ohne Zwang. Der Zwang ist eher, dass ich mir einrede, von der Schreiberei meine Familie ernähren zu wollen. Muss ich nicht – ich habe riesiges Glück – ich könnte einfach immer so weitermachen. Und wenn mich jemand fragt: „Und, was machst du so?“, sage ich: „Tja, ich kriege eine kleine Rente und schreibe …“ Ich möchte aber sagen: „Ich? Ich schreibe!“ – „Und was macht deine Frau?“ – „Die arbeitet ehrenamtlich in einer Kita oder bei der Tafel, oder mit Flüchtlingen …“ Bis zum Tod werde ich nicht  zufrieden mit mir sein, wenn ich’s nicht schaffe. Ja, natürlich, ich kann dann sagen, ich hab’s wenigstens versucht. Und was bringt mir das? Dann doch lieber versuchen, die Erde zu retten. Wenn das schiefgeht, hat man wenigstens das Größte versucht. Aber doch nicht, einen Bestseller zu landen.

Ist auch egal jetzt. Diese Zeilen schrieb ich ganz und gar ohne Zwang. Und ich könnte noch viel länger so vor mich hinschreiben und am Whiskey nippen. Vielleicht sollte ich doch mal versuchen, abends am Roman zu arbeiten. Ach nein, vergessen wir das schnell wieder. Gedichte, Blog schreiben, eine Kurzgeschichte, schön und gut … aber mehr auch nicht.

Ich wünsche euch eine stressfreie Einkaufszeit vor Weihnachten. Alles Liebe, euer Weltschriftsteller   !

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