Donnerstagmorgen

Wie unkreativ ich mich heute morgen fühle. Ich muss um jeden Satz ringen, nichts fliegt mir zu. Abends, bei einem Glas Wein oder Whisky, ist die Inspiration einfach da, sie kommt wie aus dem Nichts. Der Morgen ist zum Arbeiten da, nicht zum Spaß haben. Na ja, schön ist es natürlich, wenn man morgens schon lachen kann. Aber wer kann das schon? So richtig lachen … das ist eh schon länger her. Geheult habe ich gestern bei dem Fim „Der weiße Äthopier“ mit Jürgen Vogel. Ich fand den Film sehr gelungen. Jedenfalls haben meine Frau und ich in meinem kleinen Arbeitszimmer gesessen und geflennt. Kommt ja auch nicht so oft vor. Vielleicht, wenn jemand stirbt. Oder manchmal auch, wenn man vor Liebe ergriffen ist.

Es regnet. Wo ist der Schnee zu Weihnachten? Wo der Frost? Klimaerwärmung – es gibt tatsächlich Politiker, die sie anzweifeln und schlicht behaupten, es gäbe sie nicht. Was soll man dazu sagen? Viel, sehr viel müsste man dazu sagen. Es sind ja auch nicht nur Politiker, die so saubescheuert sind. Dein Nachbar kann genauso blind und taub sein. Am besten man glaubt weiterhin an Verschwörungstheorien und schaut RTL 2 oder VOX. Ich kann mich aber heute morgen nicht wirklich aufregen, dafür bin ich zu deprimiert. Deprimiert, weil wieder zwei Wochen vor mir liegen, in denen ich nicht zum Romanschreiben komme. Ich brauche den Fluss, ich brauche Ruhe – der Kindergarten ist geschlossen, meine Frau hat Urlaub – Weihnachten, Silvester, Krankenhaus, Besuch …

Ich schreibe euch noch ein Gedicht: VIELLEICHT EIN VERSEHEN

Ich kann es nicht verstehen. Bis heute nicht. Sie hatte es fast drei Jahre mit mir ausgehalten. Was für ein Wunder. Jetzt lebt sie nicht mehr. Die Tabletten waren zu stark, sie zu schwach. Kein Abschiedsbrief, keine letzten Worte, nichts deutete auf einen freiwilligen Tod hin. Keine Absicht. Ein Versehen. Vielleicht. – Mein Kopf verkatert. Blutgerinne, die nicht aufplatzen. Zum Glück? Mich würgt es wie eine giftgrüne Schlange, es schnürt mir die Kehle zu. Die Kuh wird gemolken und versteht nicht die Spur Spaß. Zu heiß in der Sonne. Wolken brechen auseinander wie ein Keks, den man zu Boden schmettert. Mein Herz rast, die Gedanken noch schneller, mein Hirn hetzt gegen eine blutverschmierte Betonwand und merkt es nicht. – Ich merke gar nichts mehr. – Nur der Whiskey aus der schwarzen Flasche wärmt ein wenig meine erfrorene Seele. – Der Elfer ist vergeigt. Ich gehe nach dem Spiel nach Hause und lasse mir ein Bad ein. Heiß, heiß, und eine grüne Kugel muss rein. Grüner Schaum, der nicht so heiß ist wie das Wasser. Etwas später hat sich der Schaum aufgelöst. Dafür schwimmen weiße Fäden im trüben Wasser. Mir ist heiß und ich kann verstehen, warum.

Ihr hättet lieber ein fröhliches Weihnachtsgedicht gehört. Oder etwas Lustiges. Habe ich gerade nicht parat. Vielleicht morgen. Danke, dass ihr mir zuhört   !

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