Freies Schreiben

In der DDR musste man aufpassen, was man schrieb. In der Türkei ist es heut nicht anders. In Russland, und auch in anderen kommunistischen Ländern, gibt es keine Meinungs- und Pressefreiheit. Man muss auf der Seite des Diktators stehen, sonst geht man in den Knast, wird gefoltert oder umgebracht. Aber auch hier in Deutschland darf man nicht schreiben, was man will. Man hat es ja bei Böhmermann gesehen. Und schon gar nicht sollen Nazis schreiben dürfen, was sie wollen, das ist klar. Schreibst du hier etwas GEGEN Nazis, kriegst du Morddrohungen von ihnen. Gegen den Islam, stehts du ebenfalls auf der Abschussliste. Bist du ein berühmter Autor und schreibst gegen die BILD, macht sie dich fertig. Schreibst du etwas über Homosexuelle, muss es ihnen gefallen, sonst bist du unten durch und gehörst zum rechten Flügel. Und so weiter. Du darfst nichts gegen den Franzsosen, gegen den Italiener, gegen den Afrikaner schreiben. Zum Glück darfst du noch über dich selbst schreiben. Allerdings lieber nicht, was du manchmal wirklich denkst. Sonst schadest du dir.

Wisst ihr was? Mir ist es scheißegal. Ich schreibe, was ich will. Was ich nicht schreiben will, schreibe ich eben nicht. Aber ehrlich? Wollt ihr die Wahrheit? Unbedingt die Wahrheit zu schreiben, hat auch etwas mit Moral zu tun. Etwas wegzulassen ist manchmal besser. So verletzt man sich nicht selbst, denn verletzt man einen Freund, über den es ja immer viel zu schreiben gibt, verletzt man sich unweigerlich selbst. Auf jeden Fall dann, wenn er sich verletzt fühlt und es dir sagt. Als Autor müsste man eigentlich so schreiben, als wären alle Freunde tot. Erst recht die, die dir am liebsten sind. Deine Eltern sowieso. Die ganzen Verwandten darf es nicht mehr geben. Familie? Lassen wir das. Nur die wenigsten Schriftsteller haben sich daran gehalten. Henry Miller schon, Bukowski und Hemingway und Céline auch. Für sie ging nichts übers Schreiben. Nichts war ihnen heiliger. Sie waren fanatastische Schreiber, egal, was man von ihnen als Mensch hält. Heute haben wir dafür ihren Nachlass, können von ihnen lernen und ihre Biografien lesen. Was ich damit sagen will, ist, dass ich also nicht schreibe, was ich will. Leider. Jedenfalls hier nicht im Blog. In meinen Romanen schon, glaube ich jedenfalls. Woher soll der Leser wissen, ob ich die Wahrheit schreibe oder mir alles aus den Fingern sauge. Wir Autoren sind hervorragende Geschichtenerzähler, können zu den besten Lügnern werden. Wir haben also doch noch einen Weg gefunden, frei Schnauze zu schreiben. Es ist der Roman. Ich kann also einen idiotischen Nazi mit den übelsten Wörtern fertigmachen. Ihn beschimpfen, ihn völlig dumm aussehen lassen. Die armen Journalisten, die bei der Wahrheit bleiben sollten. Tun sie natürlich nicht. Geht ja nicht. Dann wären sie ihren Job los. Sie dürfen nicht zu persönlich werden. Als Journalist sollte man die Objektivität bewahren. Als Romanautor allerdings auch, immer mit genug Distanz zum Werk, dann kann es gut werden. Schreibt euch alle die Seele frei.

Ich wünsche euch heute einen heiligen Tag   !

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