Ich wollte immer nur schreiben … und die Welt retten …

… immer. Seit meinen zwanzigsten Lebensjahr. Erst habe ich angefangen zu schreiben, Gedichte, dann zu lesen. Es war so schlecht. Alles, was ich hingekrickelt habe war zu schlecht, um es vorzuzeigen. Trotzdem habe ich Verlage angeschrieben, ich war ja total überzeugt damals. Die meisten Manuskripte sind inzwischen verbrannt. Fast alle. Ich habe noch ein paar Disketten, noch ein paar alte Drehbücher. Wenn ich da drin rumblättere, frage ich mich, wie man so etwas ernst nehmen konnte. Aber immerhin, heut können sie als Vorlagen dienen. Ich wollte immer nur schreiben … Ich glaubte sofort daran, mit meinen Gedichten die Welt zu erobern. Goethe war tot – ich lebte. Dann die erste Psychose. Ich hatte etwas erlebt, was nur ganz wenige Menschen erleben. Ich war Jesus. Und der Rockstar Marius spielte ja auch eine Hauptrolle in diesem wahnsinnigen Film. Es musst einfach klappen, die Verlage konnten gar nicht absagen. Mit knapp über 20 schrieb ich meine Autobiografie. Irrtum – kein Verlag zeigte Interesse.  Ich habs nicht verstanden. Und wenn ich den Kram heut lese … ich kann es sehr gut verstehen. Will man was Lesenswertes veröffentlichen, muss man wissen, worauf es ankommt.  Hier in diesem Blog kann ich raushaun, was ich will. Und auch in meinen Büchern, die nicht von einem Verlag veröffentlicht werden, kann ich schreiben, wie es mir beliebt. Ich bin frei. Und doch bin ich, was das Schreiben, was mein Leben angeht, nicht ganz frei. Mir fehlt die Zeit. Ich habs schon zigmal geschrieben. Ich will morgens in meine Schreibwohnung fahren, in mein Zimmer, mein Atelier, die Zelle, das Verließ, die Hütte, die Laube, das Büro, das Schloss … es ist scheißegal, Hauptsache, ich kann schreiben und rauchen. Tee und Kaffee trinken. Abends Gin oder Wein oder Whisky, oder das, was gerade da ist. Zigarren liegen immer bereit. Ein Humidor, Streichhölzer, ein paar Schreibmaschinen, ein Laptop, Drucker, immer genug Papier, Füller, Kuli, Bleistift, Kerze, Musik, noch ein paar Dinge, an die ich jetzt gerade nicht denke. Aber ich brauche ZEIT! Ich liebe meinen Job. Ich liebe die Zeit mit meinem Sohn, mit meiner Frau zu verbringen. Ich acker ab und zu ganz gern im Garten. Ich kümmere mich um den Haushalt. Aber es kostet alles verdammt viel Zeit. Immer. Jeden Tag. Stunden, Tage, Wochen … Jedes Wort zuviel kostet Zeit. Ich weiß, wie viel Kreativität in mir steckt. Klar, die Pflichten halten mich von einer gewissen Besessenheit ab. Ich bin normal, weil ich normal gemacht werde. Weil ich mich normal machen lasse. Wie alle anderen. Ich bin auf dem Boden … das ist gut für dich … sagt wer? Ja, für die Angehörigen ist es gut. Für meine Frau. Für meinen Sohn. Ich bin Norm. Falle nicht auf. Passe mich an. Keiner vermutet es. Die Medikamente halten den Ball flach. Ich will ja gar nicht ausflippen, nach sonst wohin fliegen, um etwas später wieder in den Abgrund zu stürzen. Das ist es nicht. Ich will immer nur schreiben … Immer nur schreiben … Ich schreibe jeden Tag. Aber sehr oft nicht das, worauf es ankommt. Tagebuch. Blog. Viel zu selten an den Romanen, an den Drehbüchern, an den Gedichten, die zu überarbeiten sind. Weil? Wäre reine Zeitverschwendung, jetzt Zeit zu schreiben. Oder das Komma vor jetzt zu setzen. Kann mich einer verstehen? Ich glaube Hunderttausende. Alle, die schreiben, die ein bisschen verrückt, gar besessen sind … Musiker haben es leichter. Maler auch. Nichts ist so zeitintensiv wie an einem Buch zu arbeiten. An F25 habe ich fast 30 Jahre geschrieben, und immer noch sind Fehler zu finden. Zum Beispiel: Wir sitzen und schweigen, wobei wir kein Wort sprechen … So ähnlich geht der Satz. Aber das sind Kleinigkeiten. Die nächste Auflage wird rund. Wer sponsert mich? 400 im Monat. Plus 200 fürs Schreibzimmer. Weitere 1000 Startkapital. Schreibtisch, PC, Musik … Humidor, Zigarren, Gin … klar. Ich rette dafür die ganze Welt. Nichts leichter als das. Ein Fingerschnipp. Es würde so dermaßen sprudeln. Zwei Jahre brauche ich – Zeit. Dann muss sich alles selbst tragen. Mir sagte mal ein türkischer Anwalt, der einen Brief an Hiltrud Schröder von mir gelesen hat: Aus dir wird ein ganz großer Schriftsteller! Das garantiere ich dir! Das garantiere ich dir! – Ja, hat er zweimal gesagt. Es war ein Versprechen. Hiltrud wollte damals die Natur retten und ich wollte sie fragen, ob sie mir eine Wohnung finanziert, damit wir gemeinsam die Sache anpacken können … Hirngespinste. Jetzt aber nicht mehr. Ja, ihr lacht. Lacht ihr mal ruhig. Ist mir völlig scheißegal. Ihr haltet mich für irre. Größenwahnsinnig. Krank. Mir ist auch scheißegal, wofür ihr mich haltet – ich weiß, was ich hier zu liegen habe. Sollten meine Gedichte Amerika erreichen, wäre ich der reichste Schriftsteller der Welt. Aber das ist es nicht, was ich will – obwohl ich natürlich der reichste Schriftsteller der Welt werde. Das steht außer Frage. Das steht fest. Aber ich werde eine Menge von diesen Gedichten nicht veröffentlichen, weil ich dann als Rassist gelte. 2003 habe ich in fünf Wochen über 600 Seiten Gedichte geschrieben, um den Irak-Krieg zu verhindern. Hat natürlich nicht geklappt. Klar. Würde auch heute nicht klappen. Aber ich kann eines tun: Ich kann euch Hoffnung machen. Es gibt das Paradies. Und es gibt die Hölle. Ob ihr es wollt oder nicht, ob ihr dran glaubt oder nicht. Völlig wumpe. Ich war da. Keine Frage, ich war fanatisch. Verrückt. Schizophren. Aber ich habs erlebt. Ich war Engel, Jesus, Gott, Satan. Höher und tiefer geht nicht. Und ich sag euch eins: Das Paradies ist der Erde gleich. Von der Hölle gibt es vier verschiedene Arten. — Heute ist Weihnachten, 2018. 2003 hieß es in meinen Gedichten, 2019 beginnt der letzte Weltkrieg. Man darf gespannt sein. Ich schrieb auch über Kindesmisshandlungen in der Kirche. Oder über Günter Grass ein passendes Gedicht. Fragt Heinz Rudolf Kunze und Herbert Grönemeyer. Denen habe ich damals alles zugeschickt, fein säuberlich von einem Buchbinder einbinden lassen. Eine Feder habe ich auf die Umschläge genäht, natürlich eine Taubenfeder. — Und gleich gehe ich runter, trinke ein Glas Gin, unterhalte mich mit meiner Frau, freue mich mit ihr, und über sie, schaue noch einmal in das Zimmer unseres Sohnes … Und morgen besuchen wir meine Schwiegermutter und unterhalten uns über ganz andere Sachen. Alles in Ordnung. Ob ihr es glaubt oder nicht, ich mache es gern. Aber ich brauche meine Zeit, um das Ding Henning Taube richtig ins Rollen zu bringen. Um alles muss ich mich selbst kümmern. Fuck!

„Ist mit Henning alles in Ordnung? Wir machen uns Sorgen!“ Meine Frau fragt dann mich. „Ja, alles in Ordnung“, und ich weiß natürlich, was sie meint.

Morgen lese ich gegen, bis dann   !

Hier bin ich – finde den Text okay. Schicke ihn jetzt an euch raus.

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