Ich liebe meine Gedichte

Sehr viele meiner Gedichte sind in psychotischen Zuständen entstanden. Und doch sind sie so voller Klarheit, sie sind ehrlich, manchmal natürlich radikal und extrem. Man kann schon sagen, dass ich Hardcore-Christ bin, nimmt man die Verse wörtlich. Ich lebe bestimmt nicht nach den zehn Geboten, das, was ich stets möchte, ist, zu jedem freundlich zu sein. Ich respektiere fast jeden Menschen, nur die ganz großen Arschlöcher (was im Christentum selbstverständlich verboten ist) können mir gestohlen bleiben, über sie mach ich mich liebend gern lustig. Weil sie einfach so was von erbärmlich lächerlich sind, dass jeder Hauch von Respekt im Boden versinkt. Ich kann da auch nicht sagen, die sind mir egal, sind sie nämlich nicht, weil sie so scheiße sind, ja, sie riechen förmlich nach Scheiße, man kann ihnen oft nicht ausweichen. Sie verfolgen einen das ganze Leben lang. Das Schlimme ist, dass sie oft zur Familie gehören. Freunde kann man sich ja zum Glück aussuchen, und das tue ich auch. Aber man kann mit seiner Familie brechen, man kann den Kontakt zu dem einen oder anderen abbrechen, wenn man energisch genug ist. Dazu bedarf es, seine Meinung kundzutun. Ein offenes Wort. Gehör muss natürlich gefunden werden, was ja auch nicht immer voraussetzbar ist. Du kannst tausendmal das Gleiche sagen, es wird und wird nicht verstanden und akzeptiert. Alles dreht sich ums Ich. Ich, ich, ich. Aber was du 40 Jahre lang getan hast, na ja, ein paar Jahre waren ja vielleicht ganz okay, das wirst du bis zu deinem Lebensende nicht einsehen, ganz einfach, weil du dich noch nie reflektiert hast. Dann stirb halt dumm, mach dein Ding für dich, lass uns in Ruhe.

Wie ihr wisst, weiß ich nie, wo ein Text mich hinführt. Hier im Blog ist nichts geplant. Ich habe mich heut aber verpflichtet gefühlt, etwas von mir verlauten zu lassen. Ein paar Sätze, Zeilen. Mir gehts so lala. Durchwachsen. Es gibt viel zu organisieren, es bleibt wenig Kraft, wenig Zeit, wenig Freiheit in den Gedanken vor allem. Aber es macht mir unglaublich Spaß, meine Gedichte einzulesen und als Videos über YouTube rauszubringen. Mit Gedichten hab ich vor dreißig Jahren angefangen. Bevor ich überhaupt welche gelesen habe. Hab bis heut noch kein einzigen Band von vorn bis hinten durchgelesen – ich verabscheue fast alles an Gedichten, das man auf dem Markt bekommt. Ich verstehe viele erst gar nicht. Ich glaube auch, dass Hunderte Lyriker ihre schwachsinnigen Texte nicht einmal selbst verstehen. Sie schreiben der Sprache wegen, was natürlich auch sehr schön sein kann, wenn man etwas davon versteht und dafür übrig hat. Ich nicht. Mir können alle Arten von Gedichten gestohlen bleiben. Ich mag die Direktheit, also eher Songtexte. Geschriebenes, das auf den Punkt gebracht wird. Kein Blabla – Wunderschön poetisch. Poesie schon, die mag ich, wenn sie mich ergreift. Aber dann eher in Prosa. Egal. Ich bin kein Intellektueller, wo sich wirklich manch einer etwas drauf einbildetet, wenn er es ist. Sich auch noch so bezeichnet. Mir fällt es noch immer schwer, mich als Schriftsteller zu betiteln. Oder auch Autor. Künstler. Bin ich aber. Aber wenn mich jemand fragt, was ich so mache, sage ich, ich arbeite mit Senioren, erhalte eine kleine Rente usw. Rede mich raus. Aber eins sag ich euch: Verdien ich irgendwann was mit der Schreiberei Kohle, antworte ich jedem, ich sei Schriftsteller. Und zwar mit einer gewissen Portion Stolz. Ich bin nicht stolz drauf, dass ich schreibe, oder wie viel ich schon geschrieben habe, aber ich bin stolz drauf, wie hartnäckig ich geblieben bin und immer dran geglaubt habe, eines Tages der berühmteste Schriftsteller der Welt zu sein. Und darauf arbeite ich weiterhin hin. So gut ich es vermag. Jeder macht so gut er kann. Das hat mir neulich meine Frau gesagt, als ich mich über irgendwen aufgeregt habe. Sie meinte, er kann halt nicht anders, nicht besser, er macht so gut er kann. Find ich super, das so zu sehen. So geht doch eigentlich jeder durchs Leben, so gut er kann. Humpelnd, zu schnell, zu langsam, kreuz und quer, zurück, versteift, vereist, nach unten, nach oben usw. Oft zweigt man auf andere Wege ab, um hinterher wieder seine Bahn zu betreten. Gut ist es, wenn man nicht zu weit zurück gegangen ist. (Ich geh jetzt mal raus, mit ner Cigar, es hat aufgehört zu regnen.) Schenk mir ein Glas Wein ein – roten italienischen Merlot. — Es ist windig, angenehm, nicht mehr so drückend, es ist halb elf am Abend. Wenn es geregnet hat, hört man die Reifen von der Bundesstraße hochrauschen. Und jetzt die S-Bahn. — Ich mag gerade die Klarheit sehr gern. Trink zwar abends ein, zwei Gläschen, was auch immer, oder ein Bier, möchte aber nicht meinen Geist fertigmachen. Schade, dass ich so viel rauche, anstatt in den Wald zu gehen. Oder walke. Aber ich bin kurz davor. Ich glaub, wenn ich mit den Jack-Geschichten und dem anderen alten Kram durch bin, mach ich bis Ende des Jahres eine Körpertherapie. Wieder mal ne Diät, lange ausgiebige Spaziergänge, gar kein Alkohol, weniger Zigarren. Das mach ich ein paar Mal im Jahr für ca. 3 bis 6 Wochen. Leider gewinn ich immer wieder zu schnell an Gewicht, weil ich mich zu selten diszipliniere. Der alte innere Schweinehund, das blöde Arschloch. Man macht es sich einfach oft zu einfach. Ich! Man soll ja auch nicht immer nur kämpfen, fasten, nichts genießen. Davon halte ich nun mal so viel wie von einer verschimmelten Kartoffel, die mir jemand hinhält. Das Leben ist genauso zum Genießen da wie zum Klarsein. Klar gibt es Menschen, die gerade die Nüchternheit, das ganz und gar Klare genießen. Kann ich auch. Ich bin für die Mitte, den Ausgleich. Jeden zweiten Tag für ne halbe Stunde Sport, soll ja reichen. Hab ich aber seit 50 Jahren nie hinbekommen. Ich gehe eher meinen Süchten nach, Sport hat da nie zugehört. Schreiben schon. Rauchen, na klar. Alkohol immer mal wieder. 16 Jahre gekifft. Wenn ich merken würde, dass mich Alkohol negativ draufbringt, würde ich nichts mehr anrühren. Hab ich mit dem Cannabiskonsum genauso gehandhabt. Und glaubt mir, ich bin immer noch mit etlichen Leuten zusammen, die mit Drogen zu tun haben. Diese Freundschaften hab ich nie aufgegeben. Aber nie wieder Alkohol, ja, das wäre schon noch ne Spur härter, das stimmt schon. Ihr habt ja recht. Zum Grillen ein Bier, zur Cigar ein Glas Rum, nach getaner Arbeit ein Glas Wein im Winter vor dem Kamin usw. In Gesellschaft sowieso. Mir tun die Alkoholiker leid. Vielleicht haben die es am schwersten, einzusehen, dass sie krank sind, aus dem Grund, weil es in jedem Supermarkt Regale voller Fusel gibt. Und zwar ganz billigen. Alkohol gilt als gesellschaftlich. Trotzdem hat es jeder in seiner Hand. Ich habe es geliebt zu kiffen, ehrlich. Aber ich weiß, ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Gedanken sofort explodieren würden. Also lass ich es. Würde mich Alkohol aggressiv machen, was er bei vielen Menschen tut (sie werden zu regelrechten Arschlöchern), würde ich ihn nicht mehr anrühren, oder nur so viel trinken, wie ich vertrage. Mach ich sowieso, ich mag nicht die Grenze überschreiten, nicht die Kontrolle verlieren, das hatte ich oft genug in meinem Psychosen. Ich mag es nicht zu lallen, zu torkeln, Scheiße zu labern. Lustige Scheiße, schon. Spontane Scheiße. Ich mag Schlagfertigkeit. Jetzt hab ich ein Glas Wein getrunken und spüre die Wirkung sehr. Es ist elf. Gleich werd ich mir meine Medis klinken, mich ins Bett legen und „Das Licht“ weiterlesen. Sehr gutes Buch übrigens. Ich schenk mir noch eins ein, die Zigarre ist auch noch nicht mal halb aufgeraucht. Jetzt regnet es gerade dicke Tropfen, musste schnell den Sonnenschirm aufspannen. — Ich sag euch jetzt mal was: Mir gehts momentan gar nicht so gut. Es geht so hin und her, ich bin schnell überfordert, will viel zu viel machen, und dann droht alles über mir zusammenzubrechen und nichts gelingt richtig. Alles bleibt irgendwo liegen.

Ich mach jetzt Schluss. Hab kein Bock mehr. Energiehaushalt erschöpft, der Regen stört mich, passt nicht zu meiner Stimmung. Bin nicht mehr entspannt. Die Autos sind zu laut. Ich bin zu müde, und doch auch nicht richtig. Morgen bin ich mit meinem Sohn in Linden. Davor fang ich an, für ihn eine Spielhütte zu bauen. Hatte ich als Kind auch. Lese ich morgen gegen? Oder haue ich den Text gleich raus? Ich denke schon. Ja – jetzt sofort!

Also, herzliche Grüße, ein schönes kreatives Wochenende für euern Geist.

Henning

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