Ich habs – das Schreibzimmer!

in Springe. In einer alten Möbelfabrik.

Dank guter Freunde und Bekannte, die mich unterstützen, beziehe ich zum 1.8. einen ziemlich großen und hellen Raum mit zwei Fenstern, direkt am Deister. Die Aussicht ist nicht weit, aber grün, vor den Fenstern stehen ein paar Bäume. Der Raum ist weiß und leer, der abgeranzte Teppichboden grau. 22,5 qm. 135 Euro Warmmiete. Dieses Geld gilt es Monat für Monat aufzutreiben, zumindest bis zum 30.1.2022, denn dann soll das „Buchprojekt gegen Rechts“ abgeschlossen sein. „BLOCK“, der neue Roman, wird entstehen. Transparent, mit zwischenzeitlichen Lesungen, Videos zum Werk, vielleicht eine Party zur Halbzeit – wir werden sehen. 18 Monate, diese Zeitspanne habe ich mir gesetzt, dann sollten all diejenigen, die mit im Boot sitzen, das fertige Buch in den Händen halten können. Wenn also noch jemand von euch Interesse hat, dann bitte Unterlagen anfordern, ich schicke sie dir zu. Die Idee, das Konzept, die Zusammenfassung der Story. Ab einem Euro monatlich bist du dabei. Manch eine/r übernimmt eine Monatsmiete, ein/e andere/r überweist 50 Euro für die gesamte Zeit, die meisten aber unterstützen mich mit einem Betrag zwischen drei und zehn Euro monatlich. DANKE. Das Zimmer hat schon mehr Möbel angeboten bekommen, als reinpassen. Was noch fehlt, ist ein alter Laptop, der für Windows 10 und das Inernet taugt. Was anderes muss er nicht draufhaben. Also, wenn jemand von euch was hört, dann meldet euch bitte. Die ersten drei Monatsmieten sind gesichert, und die Vermieterin sagte, sie habe auch etwas Arbeit auf dem Gelände, wahrscheinlich können wir uns entgegenkommen.

Gerade in den letzten zehn Jahren ist mein Wunsch nach einem eigenen Arbeitszimmer immer größer geworden. 135 Euro müssten doch irgendwie bis zu jedem ersten aufzutreiben sein. Nächste Woche richte ich ein Konto für das neue Projekt ein, ein besonderer Schritt zur hannoverschen Volksbank. Ich freue mich sehr sehr darüber, dass die Resonanz so positiv ausgefallen ist. Ich nehme die Sache ernst, weiß um die Verantwortung, möchte jeden Förderer mit der Geschichte ansprechen, vor keinem soll mir am Ende die Buchübergabe unangenehm sein. Das heißt, dass ich doch nicht ganz so hart schreiben werde, wie ich es eigentlich geplant hatte. Mein Motto lautete bisher: Schreib so, als wäre deine Mutter tot – oder besser – als hätte sie nie existiert. Ich werde also versuchen, die krassesten Szenen nicht mit billigen Worten abzutun. Ich werde versuchen, mich in leichter Literatur zu äußern. Schweres Thema – leichtes Buch – 200 bis 250 Seiten im Taschenbuchformat. Die Grafikajüte hat bereits ein Vorab-Cover gestaltet.

NACHTSCHICHT

Es ist elf. Die letzten sieben Tage waren hart. Total anstrengend. Medi-Umstellung, das Angebot für den Raum, noch ein anderes großartiges Angebot (ein ganzes Fachwerkhaus, also bei Interesse bitte melden), Konzept und Exposé erarbeiten, der Job in der Tagespflege, Ferienanfang für meinen Sohn, drei Therapiesitzungen, Arzttermine, Verabredungen, Malerarbeiten im Haus, Gartenarbeiten, Sturz mit Bänderriss und Bruch der Kniescheibe meiner Mutter, Krankenhaus, Selbsthilfegruppe, Menschen treffen, und versuchen, sie zu überzeugen, Haushalt, kochen, telefonieren – die Tage rasen nur so dahin. Das ganze Wochenende ist verplant, Dienstag gehts mit meinem Sohn für drei bis fünf Tage nach Berlin. Yippie! Fahrräder aufs Dach, Freunde treffen und besuchen, Zoo – Pandas angucken -, Schifffahrt, Legoworld, Parks, Grunewald, Seen … Männertage. Dann habe ich eine „freie“ Woche, in der ich endlich die Spielhütte fertigbauen will – ja – WILL! Darauf die Woche gehts drei Tage zum Campen mit meinem Sohn. Und nach den Sommerferien muss es dann so richtig richtig mit voller Kraft mit BLOCK losgehen. Das Projekt gegen Rechts. Mit ganzer Power.

15 Jahre lang habe ich eine Hammerdosis an Mediakmenten geschluckt, ein Cocktail aus Neuroleptika, Antidepressiva, Lamotrigin und über mindetsnes sechs Monate jährlich Schlaftabletten. Mit meiner Psychiaterin war nicht zu reden. Darüber werde ich sicherlich noch ausführlicher schreiben. Denn bei ganz ganz vielen Psychiatern läuft es im gleichen Schema ab. Hauptsache ruhig, Fresse halten, zwei Minuten rein, neues Rezept, neuer Termin in sechs Wochen. Ich höre es in meiner Gruppe kaum anders. Vor drei Monaten bin ich auf einen jüngeren Psychiater gestoßen. Sofortige Reduzierung, jetzt eine Umstellung auf ein neues Medikament mit extrem weniger Nebenwirkungen. Wirkt aber trotzdem reichlich antipsychotisch. Ich bin gespannt, fühle mich aber jetzt schon viel ausgeglichener und sortierter. Vor allem, wacher. Zwischendurch war es hin und wieder ziemlich anstrengend nicht die Haftung zu verlieren. Mein Psychiater sagt, durch das Neuroleptikum trägt man eine Sonnenbrille – ja, ich bin zeitweise wieder ganz ohne rumgelaufen, auch ohne Watte in den Ohren, und sah und hörte alles gestochen scharf. Da ein kleines Zeichen, da ein Wink, ein Hinweis, üble Träume …, ihr wisst schon. Der ganze Corona-Wahnsinn seit Monaten hinterlässt auch Spuren im Hirn.

Da ich mir morgen nicht die Zeit nehmen möchte diesen Text noch einmal gegenzulesen, schicke ich ihn sofort ab. Ich bitte kleine Fehler zu entschuldigen.

Danke und bis bald

Henning

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