Ich denke an meine Mutter

Es ist 0 Uhr 4, ich liege im Bett und schreibe diese Zeilen in mein Notizheft. Morgen übertrage ich sie in den Blog und mache sie öffentlich.

Ich denke zu viel. Ich denke andauernd an meine Mutter, die im Krankenhaus liegt. Vor 3 Wochen Blinddarmdurchbruch – Not-OP. 5 Tage Krankenhaus, 10 Tage zu Hause. Wieder Krankenhaus – Not-OP – wieder im Magen. Meine Frau sagt, schreibe man einen Blog, solle man besser bei sich bleiben. Wenn ich über meine Mutter schreibe, bleibe ich bei mir, ich bin Teil von ihr.

Wir haben es früher nicht leicht miteinander gehabt. Die Jugend mit ihr zu verbringen war eine harte Schule. Aber natürlich musste auch sie leiden. Inzwischen geht alles viel leichter. Ich kann trotzdem nicht schlafen. Habe eben eine Schlaftablette genommen und hoffe, dass sie bald wirkt. Ich mache mir Sorgen. Sie bekommt Morphium, verträgt es nicht, bekommt es trotzdem. Im Krankenhaus ist sie eine Nummer. Ich weiß, es interessiert euch nicht. Ihr seid zu weit weg. Euch interessiert viel mehr der Anschlag in Berlin, oder der Unfall, wenn es denn einer war. Dort gab es Tote und massenweise Verletzte. Aber klar ist, dass einem die eigene Familie näher in die Seele geht. Wisst ihr: Man soll für so vieles Verständnis haben. Der Vergwaltiger ist krank, der Kinderschänder braucht ne Therapie, der Attentäter wurde von Kindheit an zum Morden des Feindes dressiert. Mann SOLL nicht, man MUSS Verständnis haben.  Aber ich habe kein Verständnis für Ärzte, die nicht mit ihren Krankenschwestern sprechen. Ich habe kein Verständnis für Ärzte, die Patienten wie Nummern behandeln, die unmenschlich arbeiten. Ein Mensch ist keine Ware.

Na ja, was rege ich mich auf! In Aleppo leben noch ca. 250.000 Menschen, 100.000 davon sind Kinder. In Ost-Aleppo gibt es nur noch 30 Ärzte. Es wird sofort amputiert. Auch Kinderbeine- und Arme. Die Versorgung ist katastrophal. Keine Medikamente. Blutvergiftungen. Sorge du dich weiter. Du wirst deinen Grund haben. Aleppo und Mossul sind ja weit weg. Viele Länder in Afrika sowieso. Ich bin der Schlimmste von Allen. Hänge hier rum und rege mich über Ärzte in einem Krankenhaus auf, wo es warm ist, wo es jeden Tag warmes Essen gibt, Kaffee, Tee, Schmerzmittel, nette Schwestern, jeden Morgen Visite … Einzel- oder Doppelzimmer mit Fernseher. Mein Chauffeur setzt mich direkt vor dem Haupteingang ab, sucht einen Parkplatz und hält Ausschau, wann ich das Krankenhaus wieder verlasse. Dann kutschiert er mich nach Hannover ins Havana, wo ich Whiskey trinke und teure Zigarren rauche, mich mit Ole, dem Wirt, unterhalte. Über sonst was, nur nicht über Probleme. Probleme haben in der Kneipe nichts zu suchen.

Ist auch scheißegal jetzt. Hauptsache der Wein ist gut   !

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