Gib zu, du bist Alkoholiker!

Ein etwas öderer Abend. Ja, ich kann jetzt ö, ä, ü schreiben. (Und alles in Klammern setzen und den ganzen anderen Kram!) : Doppelpunkt funktioniert auch. Meine Frau hat sich mal eben fünf Minuten mit der Tastatur beschäftigt. Sie ist auch diejenige, die alles zu Hause erledigt was Technik angeht. Ich schaffe es irgendwie, dauert aber alles Jahre. — Ich wollte schreiben, warum der Abend heute öder als sonst ist. Es hat den ganzen Tag geregnet, regnet noch immer, ich kann nicht draußen sitzen und schreiben. Wir waren vorhin in Hyannis in einem Einkaufszentrum, ist schon enorm, was es hier so alles gibt. Ich habe ein rotes Cap von Tommy Hilfiger entdeckt, ich glaube, ich kaufe es mir, wenn es morgen noch da sein sollte. War ein Einzelstück. —  Zur Abwechslung trinke ich gerade ein Bier. Schmeckt ziemlich herb, kann man aber okay trinken, es geht wirklich nichts über das deutsche Bier. Ich freue mich schon drauf. Also ganz ehrlich: Bevor ich noch einmal nach Amerika fliege, ziehe ich andere Länder vor. Es ist alles so westlich, so wie bei uns, nur eben enormer, weiter, größer. Natürlich habe ich jetzt nur einen Stecknadelkopf gesehen, also im Grunde gar nichts von der Vielfältigkeit, die es in diesem Land zu bestaunen gibt. Mit einer Harley mal die Route 66 runter, das wäre schon was. Oder auch nach New York, Chicago, New Orleans, Miami Beach … Man könnte sich sein ganzes Leben mit den USA beschäftigen. Ich würde lieber nach Kuba reisen. Oder nach Peru. Oder auch in einige asiatische Länder. Das Gute aber an diesem Land ist, ich werde nicht von Eindrücken überschwemmt, die meine Psyche belasten könnten. Da würde es in Indien ganz anders zugehen. Man kann ja auch die ganzen Länder gar nicht vergleichen, ist mir klar. Ich genieße das Leben hier wirklich sehr, ich komme zur Ruhe, mir tut diese Reise sehr gut. Und trotzdem träume ich von alten Leuten aus Hannover, mit denen ich nichts, nie wieder etwas zu tun haben will. Sie sollen mich einfach am Arsch lecken, sie lassen mich aber selbst hier nicht in Ruhe. Was ich festgestellt habe, ist, dass man seine Gedanken mitnimmt. Ist man in Deutschland ein pessimistischer Typ, ist man es überall auf der Welt, jede Wette. Wirklich, ich schimpfe nicht über Deutschland, ich bedanke mich, dass es mir so gut geht, gehts mir wirklich. Ich kann mich relativ frei und sehr sicher fühlen. Klar gibt es immer Idioten, vor denen du dich in acht nehmen musst, gerade nachts, wenn du unterwegs bist, aber wenn du nicht rumpöbelst, sondern cool bleibst, ist es schon sehr friedlich. Meistens, ich weiß, es gibt Ausnahmen. Leider. Manche Vollhonks wollen sich einfach prügeln und warten nur auf die richtige Gelegenheit. Du kannst aber genauso gut von einem Auto angefahren werden, diese Gefahr ist genauso groß oder noch größer, keine Ahnung. Was schreibe ich hier eigentlich? Das geht ja auf keine Kuhhaut. Völlig bescheuert, tut mir leid dass ich nüchtern bin. Also wenn Whiskey nicht inspiriert, weiß ich auch nicht. Meine Frau meint, das bilde ich mir ein. Ehrlich mal , die besten Schriftsteller haben sich durch Drogen oder Alkohol und natürlich durch Nikotin stimulieren lassen. Jede Droge verändert das Bewusstsein, auch Alkohol und Nikotin. Traurig, dass ich es brauche? Ich finde nicht. Ich mag es nicht, die Kontrolle zu verlieren, ich mag es nicht, zu lallen oder zu torkeln, aber ich mag es, hier zu sitzen, zwei, drei starke Drinks zu mir zu nehmen und zu schreiben, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Dann machen sich wieder ein paar Leute Sorgen, ich könnte Alkoholiker sein. Also ehrlich mal, ich hatte noch nie einen körperlichen Entzug und habe weiße Mäuse gesehen. Ich prügele mich auch nicht rum, wenn ich ein paar Gläser trinke. Ich weiß mich zu benehmen. Ich fühle mich angetrunken sehr wohl, wie in Watte gepackt, das Leben ist leichter. Warum es sich also immer schwer machen? Wenn du natürlich nur Scheiße baust, Scheiße laberst, aggressiv wirst, dann bleib lieber nüchtern, oder noch besser, kiff dir ein rein. Wenn du trotzdem trinkst, wenn du trinken musst, dann lass es lieber. Nutz den Rausch für neue Gedanken, für Fröhlichkeit, fur Inspiration und Kreativität. Entspann dich doch einfach mal, du Penner. Ja, dich meine ich. Druckbetankung und aggressiv werden, vergiss es lieber. Dir passiert nur Scheisse, wenn du dich besäufst. Ja, du trinkst nicht, du säufst, du stürzt das Zeug runter wie Brause. Hast es nicht im Griff. Genau dich meine ich. Ja, dich. Hör auf damit, es macht mit dir keinen Spaß. Bleib nüchtern, verdammt. Die ganze Welt ist schlecht für dich, erst recht, wenn du besoffen bist, und noch schlechter ist sie am nächsten Tag. Bist du ein paar Tage nüchtern, gehts dir gut. Warum bleibst du nicht nüchtern? Weil du Alkoholiker bist, es dir aber nicht eingestehst. Du hast es nicht im Griff, nur ein, zwei Bier zu trinken und gut drauf dabei zu sein. Du brauchst mehr, immer mehr, du kennst keine Grenze. Dein Pech. Dann darfst du eben nicht mehr trinken. Gar nichts. Keinen Tropfen. Aber das gestehst du dir nicht ein. Du willst es nicht wahrhaben. Wenn du dich jetzt angesprochen fühlst und auch noch wütend auf mich und diesen Text bist, dann kann dir gar keiner mehr helfen. Sag dir selbst: „Ich bin Alkoholiker und darf nie wieder trinken, keinen Schluck, keine Praline, nichts … “ Oder du wirst ewig auf die Schnauze fliegen, bis nichts mehr geht, du wirst dich umbringen auf Dauer, du bist krank, krank, krank. Du wirst die Menschen beneiden, die ihren Konsum im Griff haben, keine Frage. Als ich aufgehört habe zu kiffen, 2001, ist es mir total schwergefallen neben meinen besten Freunden im Park zu sitzen, der Joint kreist, alle ziehen, alle sind entspannt, alle sind gut drauf … Der Duft, dieser herrliche Duft von Gras und Dope, ich liebe ihn heut noch immer. Ich kiffe trotzdem nicht. Ich kiffe nicht, weil ich den Rausch nicht vertrage. Vertrüge ich ihn, würde ich kiffen. Was wäre dabei, sich ab und zu einen Joint zu gönnen? Ich mag es überhaupt nicht, wenn du besoffen bist. Deine Gesichtsmuskeln spannen sich an, deine Lippen pressen sich aufeinander, du fängst an totale Wichse zu erzählen, es wird richtig ekelig. Ja, genau dich meine ich. Ich mache jetzt ne Pause, mache mir noch n Bier oder n Wein auf und lass euch noch nicht in Ruhe, obwohl es schon elf Uhr durch ist. — Jetzt ist es gleich 0 Uhr. Trinke einen Einschlaftee, nehme meine Medis (viel zu spät) und gehe ins Bett. Bin eben ein paar Minuten draußen gewesen, habe im starken Wind gesessen, es ist warm, es ist feucht, sogar nass, man hört bis hierher das Meer rauschen, es ist wundervoll. Ich könnte mit einem guten Freund oder mit meiner Frau die ganze Nacht draußen sitzen und reden, reden, reden. Ich liebe meine Frau überalles, gleichgesetzt mit meinem Sohn, für beide würde ich sterben. Ich wünsche mir für meine Frau mehr Freiheit, sie ackert und ackert, um uns über die Runden zu bringen. Sie ist gesund. Sie ist stabil. Sie liebt uns. Sie würde für uns sterben. Es ist das größte Geschenk, zu wissen, dass man geliebt wird, das wünsche ich jedem Menschen. Jeder Mensch sollte auch die Erfahrung machen, ein Kind zu haben, denn diese Liebe ist vollkommen. Nichts geht drüber. Es tut mir wahnsinnig leid für diejenigen, die sich ein Kind so sehr wünschen und es klappt nicht. Wie kann man ein Kind in die Obhut einer Kirche geben? Einer Religion? Das Kind braucht die Liebe seiner Eltern so sehr, so sehr, so sehr. Ich belasse es heute Abend dabei und mache Schluss, lese alles noch einmal und schicke es in die weite Welt   !

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