Funktionieren / Paul Auster

Es ist halb elf, Freitagabend. Die Zeit rennt unaufhörlich, bis zum letzten Atemzug, für dich, die Zeit rennt weiter. Trotzdem. Du bist nicht der Mittelpunkt, fühlst dich aber so. Alles dreht sich um dich, doch die Zeit dreht sich mit dir. Kein Entkommen, das steht fest. Der Zeiger steht wenn er steht wenn er steht, zieh das Urwerk auf und er dreht sich wieder. Die Erde bleibt nicht stehen, darf nicht stehen bleiben, deine Uhr schon, alles Lebendige nicht. Der Sekt steht vor mir, noch, gleich ist er verschwunden. Und dieser Platz war eben noch frei. Der Platz vor mir ist immer noch frei. Bleibt auch immer frei. Nein, das nun auch nicht. Ach, was weiß ich. Soll ich Musik anmachen? Prost. Ich schalte das Radio ein. Gequatsche oder Schrott. Gequatsche lenkt mich ab, Schrott kann ich heute nicht ertragen. Tschuldigung. Alles lenkt mich heute ab, auch die andere Musik. Ich lenke mich selbst ab, von mir, von der Zeit, von allem. Am liebsten würde ich mir jetzt ein Taxi rufen und mich ins Havana kutschieren lassen. Nur so. Und morgen natürlich ausschlafen bis zum Abwinken. Aber wie jeden Tag muss man funktionieren. Sohn. Einkaufen. Medikamente. Haushalt. Man muss freundlich sein, sonst ist man zu sich selbst unfreundlich. Wisst ihr was? Ich schreibe morgen weiter. Oder auch nicht.

Heute ist Montag der 1. Mai, Feiertag.

Meine Frau hat mir das neue Werk von Paul Auster „4321“ geschenkt, dafür lasse ich sogar Schamoni stehen, wenngleich ich mittendrin bin. Man kann sagen, dass ich unter anderem durch Auster zum Lesen gekommen bin. „Die Musik des Zufalls“ war das erste Buch, das ich von ihm genossen habe. Ich habe es mir damals, ungefähr 1992, wegen des Titels gekauft, zu jener Zeit gabs für mich nämlich keine Zufälle. Davor habe ich nur Castaneda, Hesse, Steven King und „Die Welle“ gelesen. Auster hat mich sofort geflasht, gegen Auster sind die meisten Schriftsteller von heute Mücken, und das soll nicht heißen, dass sie alle schlecht sind. Warum hat er eigentlich noch nicht den Nobelpreis für Literatur bekommen!? Auster lebt seinen Traum, er dreht Filme und schreibt, seine Frau ist ebenfalls Schriftstellerin. Mehr will ich heute morgen gar nicht schreiben, nur einen Dank an das Universum, dass es solche Schriftsteller wie Paul Auster heute noch gibt.

 

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