Du sprichst durch die Tasten

Guten Morgen liebes Piano. Morgens um neun. Gut geschlafen. Keine Träume mehr im Gedächtnis. Auf welchem Weg ich bin, ich weiß es nicht. Du weißt es nicht. Zu viele Abzweigungen. Zu viele Sackgassen. Auch für dich. Die Zukunft gleich. Sie beginnt in einer Sekunde. Jetzt. Und du weißt nicht, was du schreibst. Und du weißt nicht, wo sie dich hinführt. Kannst du frei wählen? Ja, einiges. Dein freier Wille. Gesteuert? Ich denke, nein. Dein freier Wille. Deine freie Entscheidung. Du wirst auf den Weg gelegt. Du wirst auf den Bauch gelegt, den du dir nicht aussuchen kannst. Oder doch. Wer weiß. Glaubst du zu wissen. Glaubst du zu wissen. Was versuchst du? Dich zu steuern. Dich zu kontrollieren. Lass dich treiben. Und doch entscheide dich. Für einen Menschen. Für eine Frau. Für einen Mann. Für ein Kind. Oder dagegen. Und doch suchst du dir vieles nicht aus. Lässt dich gehen. Oder gehst selbst. Ein Stück. Immer ein Stück weiter. Stück für Stück dem Sterben entgegen. Mit jeder Sekunde. Mit jeder Stunde. Mit jedem Tag. Morgen wieder ein Stück näher. Der Rhythmus. Der Rhythmus. Die Wiederholungen. Die Monotonie. Das Piano. Das Piano. Die Helligkeit. Die Klarheit. Was versuchst du? Die Schönheit zu finden. Das Wissen vielleicht. Welches Wissen? Du kannst dich nicht entscheiden. Höre in dich hinein. Lehn dich zurück, mein Engel. Entscheide du über mich. Ich vertraue dir. Du wirst schon das Richtige tun. Ein klein wenig Einfluss von mir. Von mir. Gebe ich dazu. Durch den Glauben an dich. Durch den Glauben. Dann die Stille. Zwischen den Stücken. Ein paar Sekunden. Du überlegst. Was das alles soll. Was das Leben überhaupt soll. Mit dir anstellt. Der Tanz. Der Tanz für dich. Das Piano. Diese Klänge. Mein Gott, diese Klänge! Und ich habe ja so gut geschlafen. Nicht bestürmt von Träumen. Ganz ruhig. Ganz still. So hoffnungsvoll dem Tag entgegen. Mit guter Laune. Mit dem Herz am richtigen Flecken. Mit der Atmung. Im Rhythmus. Im Rhythmus. Mit der Liebe deines Kindes. Mit der Liebe zu Gott. Ja, vielleicht. Gibt es das Paradies, ist es in diesem Augenblick hier, bei mir. Schöner geht nicht. Schöner als du sowieso nicht. Danke, dass ich dich berühren darf. Zumindest deine Seele. Dein Herz. Du liest mich. Du verinnerlichst diese Zeilen. Oder dir reicht es nach fünf Sätzen. Oh nein, habe ich dich verletzt? Habe ich dich erniedrigt, mein Engel? Komm, schwing deine Flügel. Trag mich hinauf. Wie den Schmetterling. Wie den Schmetterling. Flatternd der Sonne entgegen. Liebe Sonne. Der richtige Abstand. Der richtige Abstand zu den Menschen. Wie auch du. Komm mir nicht zu nahe. Ich verbrenne sonst. Leider. Leider. Ich schreibe dir. Und dir. Und dir. Stille. Zwischenräume. Es geht weiter. Immer weiter. Hör gut zu. Schmetterlinge im Bauch, wenn du musizierst. Schmetterlinge im Bauch, wenn du sprichst. Leg dich zu mir. Wir wollen sprechen. Über das Leben. Über dein Leben, und über meines. Zusammen in die Zukunft. Nichts erhellt mehr die Seele, als die Liebe, und gleich danach – das Piano. So wundervoll. Du sprichst, ohne deinen Mund zu öffnen. Durch die Tasten. So wie ich.

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