Die Heilige Kuh / Jack Daniel’s-Gedicht

Einen wunderschönen guten Morgen heute am Freitag, einen Tag vor dem langen Wochenende!

Ich vernachlässige momentan das Blogschreiben ein wenig, da ich mir lieber die freie Zeit für den Roman, für meinen Sohn oder meine Frau nehme. Es ist zu schön, abends auf der Terrasse zu sitzen und den Abend zu genießen, oder eben morgens am Laptop draußen zu arbeiten. Jetzt ist es halb acht, mein Sohn ist schon im Kindergarten, das heißt, ich habe  zwei Stunden Zeit, da um halb zehn eine Freundin zu Besuch kommt. Meine Frau sagte mir, sie könne mein Schreiben nur dann richtig ernst nehmen, wenn ich am Vormittag meine Arbeitszeit auch einhalte und nicht andauernd irgendwelche anderen Dinge täte, wie z.B. Freunde treffen. Sie hat recht, klare Sache, schließlich ist es noch immer mein größter Wunsch, in zwei Jahren das erste Geld mit den Büchern zu verdienen. Von nun an heißt es also, wirklich hart zu schuften. Jeden Tag, wenig oder gar kein Alkohol, immer einen klaren Geist zu behalten und für genug Kraft sorgen, nicht andauernd ablenken lassen. Sie sagt, das Schreiben sei ja so etwas wie die Heilige Kuh für mich, gegen die man nie etwas sagen dürfe, also solle ich diese Kuh auch selbst gut genug behandeln usw. usw. Ich weiß ja selber, dass es nichts bringt, sich nur so wie ein Schriftsteller zu fühlen, ich muss mehr dafür tun. Dabei, so schlecht gehts gar nicht voran, aber ja, es könnte viel, viel schneller gehen. — Hier aber nun für’s Wochenende das Jack Daniel’s-Gedicht:

FLIESE

Ich schlenderte die Straße lang – Sonnenschein – dreißig Grad. Ich erkannte sie schon von Weitem. Sie mich auch. Meine Ex. Sie winkte. Ich hasste sie. Sie mich auch. Sie hieß Beate und kam aus Sachsen. Wie ihre Oma. Die hieß auch Beate und kam aus Sachsen. „Na, wie ist es im neuen Haus?“, fragte sie mich. – „Hmm, ganz gut.“ – „Was für Fußböden habt ihr?“, wollte sie wissen. „Holz. Parkett. Eiche, geölt.“ – „Mhm. Na ja, wir haben ja alles in Fliese. Große Fliese, glänzend, matt wollten wir ja nicht, du weißt ja, wegen der Doggen. Ockerbraun, Hochglanz, auch das Badezimmer, die Dusche auch, die Wanne von außen, ist ja ne dreieckige Wanne, alles einheitlich, ockerbraun, die Wände in der Küche auch ockerbraun, große Fliese, wunderschön. Holz ist ja empfindlich, du weißt ja, wegen der Hunde haben wir uns für Fliese entschieden. Überall die gleiche Farbe, muss harmonieren, passend zum Fell von Evi und Justin. Rainer wollte ja kein Holz, ich auch nicht, lieber was Unempfindliches, wir fühlen uns wohl, der Flur auch in ockerbrauner Fliese, Hochglanz, wie alles andere. Komm doch mal vorbei, aber bei uns werden sich Schuhe ausgezogen!“ — Evi und Justin, die beiden braunen sabbernden Doggen, zogen sie weiter. Ich ging zum Kiosk, holte mir eine Flasche Jack und überlegte auf dem Weg nach Hause, was sie wohl damals an mir gefunden hat   .

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