Achte deine Freunde

Menschen wollen unterhalten werden. Menschen wollen verwöhnt werden. Menschen wollen genießen. Viele Menschen wollen gehört werden, müssen gehört werden, werden aber überhört. Andere glauben, man müsse ihnen Beachtung schenken. Überflüssig ist aber kein Mensch. Jeder hier hat eine bedeutungsvolle Aufgabe. Selbst einer, der jeden Tag um genau die gleiche Zeit aufsteht, genau die gleichen Rituale befolgt wie jeden Morgen, ins Amt geht und sich 12 Stunden an den Computer setzt, verändert maßgeblich die Welt. Jeder Mensch verändert die Welt, auch der langweiligste. Mit jedem Atemzug beieinflusst du die Atmosphäre. Die Welt ist anscheinend dazu da, um sie zu verändern. Wir sollten das Beste daraus machen, so lange wir noch Zeit haben. Es ist schön, wenn man die Gabe besitzt, andere Menschen zu unterhalten, sie sogar zum Lachen zu bewegen. So machst du andere und schließlich auch dich selbst glücklich für eine gewisse Zeit. Wenn du kannst, verwöhne, lass dich aber auch verwöhnen. Nimm ein Geschenk mit Freude an. Der Schenker freut sich mindestens genauso, wenn er von Herzen schenkt. Wir können Blumen oder ein Lächeln verschenken. Manchmal hilft ein Lächeln mehr. Wir haben das große Glück, so viel genießen zu können. Hier in Deutschland ist das möglich, jedenfalls, wenn man abgesichert ist. Man kann natürlich auch alles schlecht reden. Nie zufrieden sein. Immer meckern. Der Raucher sollte zumindest jede Zigarette genießen. Und der Trinker jeden Schluck. Wir haben jedoch das Maß der Dinge verloren. Alles kann so gut schmecken und auch gut tun, selbst Tabak und Alkohol, oder Schokolade, Kaffee, Tee … Alles bewusst und in Maßen. Dann ist der Körper auch nicht böse. Der Geist auch nicht. Im Gegenteil, ein Stück Schokolade versüßt dir das Leben. Erst wenn man diese netten Dinge braucht, wenn sie zur Sucht geworden sind, sind sie gefährlich. Klar, sie können dich ruinieren. Sie können dich töten. Für alles braucht der Körper einen Ausgleich. Ich bin kurz davor, mein Leben umzustellen. So richtig hat es noch nicht Klick gemacht, aber ich spüre, dass da ganz sicher was kommt. Schon bald. Ja, am besten wäre noch heute Abend. Und doch werde ich das Leben weiterhin genießen mit den süßen Dingen. Ich werde nicht radikal gegen meine Süchte angehen. Was mir ganz klar fehlt, ist Disziplin. Aber daran lässt sich arbeiten. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich noch ein Glas Wein trinken kann, ohne nach mehr zu schreien. Oder dass ich locker mit einer Zigarre oder weniger am Tag auskomme. Ich liebe das Leben. Ich liebe Wein, ich liebe Tabak, ich liebe Schokolade, Kaffee, Tee, gutes Essen … Ich liebe aber ganz sicher auch die Nüchternheit. Die Klarheit. Leider muss ich ja Chemie in meinen Körper pumpen, ohne Medikamente geht es nicht. Ich merke, ich werde schon wieder sauer. Sauer, weil ich mir von einem alten Freund sagen lassen muss, damals in Berlin war ich nicht so drauf wie heute mit der ganzen Chemiekeule im Körper. Dann erzählt er mir immer, dass er so sehr gegen Medikamente ist. Soll er sich doch mal in der Psychiatrie umsehen oder mit Menschen, die Psychosen hatten, unterhalten. Soll er sich die Psychose-Erkrankten ansehen, die keine Medikamente nehmen. Wie krank sie sind, wie fertig, wie lebensunfähig teilweise. Hundert Pro, hätte er einen Herzfehler, würde er Medikamente nehmen. Aber die Psyche muss man ja unter Kontrolle haben, das liegt ja an einem selber, wie labil die Seele ist. Scheiß drauf! Ich wäre auch lieber medikamentenfrei, keine Frage. Ja, musste aufhören zu saufen … – solche Gedanken sind es dann, ich kenne ihn sehr gut. Ich bin verletzlich. Und dann sagt er: „Ich kann Kritik einstecken!“ Das ist keine Kritik. Das ist Beleidigung. Ja, ich bin empfindlich, wenn ich so etwas von einem meiner besten Freunde zu hören bekomme. Ich bin ein Typ, der an Freundschaften festhält. Manchmal wäre es aber klüger, sich nicht verletzen zu lassen. Bin jetzt völlig abgeschweift. Na ja, was soll’s. Vielleicht musste das einfach mal gesagt werden. Mal wieder. Immer mal wieder.

Lasst euch nicht zu sehr verletzen. Und geht auch nicht mit euern besten Freunden zu hart ins Gericht. Ihr müsst ihnen natürlich nicht nur Honig ums Maul schmieren, aber achtet darauf, nicht zu persönlich zu werden. Ich habe den Fehler einige Male gemacht und war ein paar Freunde los. Schade drum   .

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