Weil meine Gedichte ehrlich sind …

Bisschen Jazz, bisschen Gin, noch den Geschmack der Cigar auf der Zunge, gedimmtes Licht, das Ticken der Wanduhr, ein Telefonat mit Jean. Viel mehr braucht es nicht, wenn man satt ist. Ja, wenn man satt ist. Für unendlich viele Menschen gehts ums Essen und Trinken, ums Überleben, ein täglicher Kampf, oft vergeblich, etliche verhungern. Müsste nicht sein. Ihr kotzt mich an, ihr fetten Europäer. Ich kotze mich am meisten an, weil ich nichts tue, nur rumprahle, ne große Fresse habe, mir noch n Gin gönne – eiskalt! Mit Eiswürfeln. Wer ist kälter, der Gin im Glas oder meine Seele? Auf jeden Fall meine Seele. Mir gehts am Arsch vorbei, dass jetzt ein Penner vor’m Bahnhof hängt und fast erfriert. Mir ist ja warm. Und noch n Schluck. Die Mucke ist mir einen Ticken zu laut, ich drehe am Regler. Der Akku vom Telefon ist schwach, ich nehm das zweite. Oder das Handy. Ach, du willst unten einen Film gucken, dann gucke ich oben. Wir können uns ja zwischendurch treffen und Käse mit Weintrauben naschen. Klar, Schoki hab ich auch noch. Morgen muss der Wagen in die Werkstatt, aber macht ja nichts, wir schaffen das schon mit dem anderen, ist ja nur für einen Tag. Und ich will mehr. Viel mehr. Alles oder nichts. Ich bin nicht zufrieden. Nie. Niemals! Es reicht nicht. Ich kann mir nämlich keine Zigarre für n Zehner leisten. Ich trinke Billig-Gin. Mann, bin ich bescheiden! Ich halt mich selbst kaum aus. Wenn ich könnte, würd ich mich den ganzen Tag ficken. So geil bin ich. Ich bin der Schönste. Sowieso.

Manchmal fährt es in mich hinein – Gedanken, die von sonstwo herkommen. Von außen? Von Gott bestimmt nicht. Ich glaube, oft kann man gar nichts dafür, was man so denkt. Jedenfalls nicht, wenn es die ersten Gedanken sind. Dann kommt es natürlich drauf an, was man draus macht. Man kann an etwas anderes denken, wenn man gesund ist. Wenn man klar ist, Herr über seine Gedanken ist. Man sollte frei über seine Gedanken verfügen können. Man muss sie aussprechen können. Darf man ja leider in vielen Ländern nicht. Dann wird man geköpft. Wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, wirst du zu Tode gefoltert. Kann schon ein paar Monate oder Jahre dauern. Dir soll ja schließlich bewusst sein, dass du stirbst – und warum du es tust. Du hast es dir ja selbst zuzuschreiben – du hast ja gedacht. Das geht natürlich nicht. Denken vielleicht gerade noch, aber den Gedanken aussprechen – was für ein Verbrechen! Du hast den Tod verdient. Sei froh, du passt eh nicht in die Welt. Menschen, die frei denken, haben auf diesem Planeten nichts zu suchen. Menschen, die homosexuell sind, müssen sterben. Eine freie Meinung? Aber doch nicht, wenn es um Religion geht! Aber doch nicht, wenn es um den Präsidenten geht! Seine Scheiße riecht nämlich nach Zitrone. Und Scheiße von Präsidenten, die nach Zitrone riecht, muss man in sich reinstopfen, die muss man fressen, und wehe, man kotzt die ganze Scheiße aus. Dann Gute Nacht. Dann Auf Wiedersehen. Aber nicht hier. Die Wahrheit hat hier nichts zu suchen. Jedenfalls nicht deine Wahrheit, die Wahrheit des Präsidenten schon. Des Kaisers. Ein Glück bin ich so ein bescheidender König. Ohne Krone. Ich sag euch was: Ich wurde direkt von Gott gekrönt. Und die heilige Taufe habe ich direkt von ihm empfangen. Und ich sage euch noch was: Wenn meine Gedichte um die Welt gehen, wird über nichts anderes mehr gesprochen. Weil sie so wahr sind. Weil sie ehrlich sind. Weil sie nichts verschönen. Weil sie von Herzen kommen   .

 

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