Ich war ein Schmetterling

Heute hat es fast den ganzen Tag geregnet. Jetzt ist es frisch, aber sehr angenehm bei einem Glas Wein und einer Cigar. Abends um 22.10 auf der Terrasse. Die Vögel sagen sich Gute Nacht. Ich freue mich auf Freitag – auf die letzte Cigar bis zum 1. Mai 19. An meinem 50. möchte ich einfach eine rauchen – ich will! ne schöne Cohiba oder so was. Um zu sagen, ich höre für immer auf, rauche ich zu gern. Schon als ich mit sechs meinem Vater ne Zigarette geklaut und gepafft habe, habe ich auf Anhieb den Geschmack geliebt. Als ich dann mit zwölf richtig anfing, hab ich die ersten Male gekotzt. Aber die anderen haben nicht gekotzt, also musste es ja irgendwann gut werden. Ist es dann ja auch. 32 Jahre lang. Dann anderthalb Jahre gar nichts, und dann voller Freude ne Cigar gekauft – und wieder angefixt. Seit drei Jahren qualme ich wieder. Blutdruck, Puls, Lunge, alles in Ordnung. Die letzte Zigarre, die ich am Freitag rauche, habe ich aus den USA mitgebracht – hoffentlich ist es ne gute. Teuer genug war sie auf jeden Fall. Morgen rauche ich eine vor dem Extrablatt in der List, wo ich mich mit meinem guten Freund TB treffe. Wir werden wieder über Bücher, Politik und Sex reden. Unsere Lieblingsthemen. TB wird Bier trinken, ich, weiß ich noch nicht. Wohl auch. Im Anschluss düse ich ins Havana, mit Ole quatschen. Vielleicht sollte ich mit der Bahn fahren. Ja genau, das mache ich. Kann ich Whisky trinken. — Samstag fahre ich mit meinem Sohn drei Nächte zelten. Es kommt noch ein Freund mit seinem Sohn mit. Männerurlaub. Freitag ist für meinen Sohn der letzte Kindergartentag angesagt, dann vier Wochen Ferien, dann ab in die Schule. Wir sind hier alle sehr gespannt. — Ich fühle mich heute wenig poetisch, wenig inspiriert. Alles ist wieder so real. Heute bei meiner Psychologin hab ich gesagt, da ist ein interessanter Mann, der mich managen will. Will n großes Ding aus mir machen, „ne Marke“, wie er sagt, ne GmbH aus meinem Namen formen. Hab ich mir durch den Kopf gehen lassen – ich will was anderes. Jedenfalls nicht die Fäden aus der Hand geben. Wie geplant, werde ich mit AF zusammen arbeiten, sie wird mich managen. Wir fangen unten an, veröffentlichen 100 bis 150 Bücher, nicht ein paar Tausend. Das hat Klasse. Das hat Stil. Jedenfalls waren meine Psychologin und ich der Ansicht, vor einiger Zeit noch wäre ich auf den Deal des Marketingmenschen und Mangagers eingangen. Ich wollte ja unbedingt schnell berühmt werden. Eine Lesung in der Woche wäre für den Anfang genau richtig. Klar, etwas Geld damit zu verdienen, ist auch nicht das schlechteste. Ich würde es nicht wegschmeißen. Ich werde innerlich immer ruhiger. Die Gedanken sind gesetzter. Ich bin gelassener. Warte ab. Schaue. Bin nicht mehr manisch. Ich finde das auch nicht schade. Alles hat seine Zeit, und die manischen Phasen sind wirklich anstrengend gewesen. Zumindest im Nachhinein. Ich wurde gestern gefragt, was mich glücklich macht. Glück ist nur von kurzer Dauer. Wenn mein Sohn sagt: „Papa, ich liebe dich so“, dann bin ich glücklich. Wenn er mich anstrahlt, erfüllt mich das mit größtem Glück. Zufriedenheit auf Dauer reicht doch völlig aus. Aber da muss man erst mal hinkommen, der Weg kann weit und beschwerlich sein. Und immer, durchgehend zufrieden sein, kann man auch nicht. Im Großen und Ganzen reicht. Ich bin noch nicht so weit. Aber darüber habe ich ja schon lang und ausgiebig berichtet. —

Den Artikel habe ich am Dienstagabend geschrieben. Jetzt ist Donnerstagmorgen.

Alles ändert sich von Sekunde zu Sekunde. Ich habs schon öfter gesagt – ich halte nichts von Prinzipien, jedenfalls von oft bescheurten Prinzipien. Man kann seine Meinung haben, aber wenn man manche Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet, könnte man ja wenigstens mal drüber nachdenken. Um danach im besten Fall zu seiner ganz eigenen Meinung zurückzukommen. Jeder Mensch ist manchmal zwiegespalten, zumindest wenn er eine Sache von mehreren Seiten betrachtet. Oder er ist stur. Lässt sich nichts sagen, lässt nicht mit sich diskutieren. Beharrt auf seine Meinung. — Soll er machen, hier flattern gerade um unseren kleinen Magnolienbaum drei Zitronenfalter rum. Sie setzen sich auf die Blüten der Minze. Es ist ein wunderschöner Tag, etwas windig, 25 Grad. Jetzt sind es schon fünf Zitronenfalter. In eine meiner Psychosen, als ich derbe Wahnvorstellungen hatte, war ich selbst für ein paar Minuten ein Schmetterling. Nie habe ich in meinem Leben mehr Leichtigkeit, Glücklichkeit und Freiheit gespürt. Wir waren zwei Paare, die in der Luft tanzten, sich flüchtige Küsse zuwarfen. Marius und Romney und Jule und ich. Mehr Liebe ging nicht. Mehr Magie ging nicht. Ehrlich. Ich war total verzaubert. Die ganze Welt in mir und um mich herum war verzaubert. Ich habe Stimmen gehört, habe mich mit Herbert, Xavier, Marius, Paulo, Udo, Nina und Heinz Rudolf unterhalten. Die Stimmen drangen aus meinem Mund. So bin ich mitten durch die Stadt gelaufen. Die schizoffektive Psychose ist eine äußerst interessante Krankheit. Verrücktheit. Echte Verrücktheit. Da oben ist ehrlich was verrückt, könnte man sagen. Ich bin sehr dankbar, dass ich eine solche Welt kennenlernen durfte. Bin aber noch dankbarer, dass ich jetzt ein so „normales“ Leben mit meiner Familie führen kann. Ich war im Himmel und in der Hölle. Und bin jetzt hier auf dem Boden. Ganz fest, habe ich meistens den Eindruck. Langweilig ist mir trotzdem nie. Langeweile macht krank. Für viele ist das Kiffen ein geeignetes Mittel gegen Langeweile. Andere lesen, gucken fern, machen Sport, schreiben, malen, verwirklichen ihre Hobbys. Mit der Zeit kann man ziemlich sinnvoll umgehen. Sie ist ein riesiges Geschenk – nach Liebe und Gesundheit das größte. Ist jedenfalls meine Meinung. Zigarrerauchen kostet Zeit. Im Sommer weniger, da sitze ich mit Zigarre und Laptop auf der Terrasse. Wenn ich morgen meine Letzte rauche, werde ich ab nächster Woche vor allem durch den Deister spazieren. Kondition bekommen. Schlanker werden. Ich werde mir einen Schrittzähler gönnen. Mein Fahrrad ist auch in Ordnung. Wenn es gut läuft, nehmen wir unsere Räder mit zum Campen. Der Männerurlaub rückt näher. Ich freue mich sehr darauf.

So, genug geschwafelt. Ihr könnt mich demnächst wieder auf YouTube sehen, wie ich F 25 für euch einlese. Kapitel um Kapitel. Satz um Satz. Wort um Wort. AF muss nur noch zu Ende korrigieren.

Vielen Dank, dass ihr bei mir seid, mir schreibt, mit mir redet, mir folgt. Bis bald   !

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