Ich liebe …

Ich bin so dermaßen auf dem Teppich. Alles ist so real, so normal, so unmagisch. Und doch wunderschön. Ich funktioniere und habe trotzdem meine Freiheiten. Habe Struktur und kann dennoch viel Zeit frei gestalten. Zum Beispiel jetzt, am Donnerstagabend um 22.15 Uhr. Ich nippe am Wein, zieh an der Cigar, sitze in kurzen Hosen, barfuß und in T-Shirt auf der Terrasse am runden Holztisch, im Rücken und unterm Hintern ein bequemes grünes Kissen. Vor der Tür unseres Hauses stehen zwei Autos, ne Menge Fahrzeuge von meinem Sohn, mein Fahrrad, das Fahrad meiner Frau. Der Rasen ist trocken, hellgrün, voller Klee. Am Rand stehen blühende Rosen, weiße und rosafarben, der Buhha ziert den asiatischen Spitzahorn. Hier lebe ich. Hier arbeite ich. Es ist der Wahnsinn. Es ist der totale Luxus. Materiell kann ich vollkommen zufrieden sein – eigentlich. Denn das alles muss ja bezahlt werden. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. — Der Mond geht gerade auf, steht voll und rund am Horizont, ich mag ihn. Ich mag das ganze Leben, mit allem Drum und Dran. Klar, Deprssionen mag keiner, aber ab und zu ein wenig Melancholie kann man gut aushalten. Ich mag die Verrückten. Die wirklich Verrückten, die Kranken, am liebsten die, denen es in ihrer Verrücktheit gut geht. Ich meine nicht die Möchtergern-Verrückten. Ich mag das Auftreten von Boateng nicht. Mehr als Fußball ist es doch gar nicht. Ich mag nicht die Extrem-Fußball-Verrückten, es sei denn, sie sind so verrückt wie TB und sein Sohn. Positiv verrückt. Nicht aggro. Außerdem haben sie sich einen sympathischen Verein ausgesucht. Ich mag Leute, die was drauf haben. Die wissen, wovon sie reden. Ich mag stille Leute, die nicht auf die Kacke haun. Es gibt Menschen, denen sieht man ihre Ehrlichkeit und Gutherzigkeit an. Anderen hingegen geht man besser gleich aus dem Weg. Ich mag die Ruhe. Ich mag es zu lesen. Ich mag aber auch Musik hören. Ich höre gern Radio, vor allem Lesart und Tonart auf Deutschlandfunk Kultur. Ich liebe meine Frau. Ich liebe meinen Sohn. Mit ihnen bin ich ganz. Ich liebe es, mich mit meinen paar Freunden zu treffen. Es sind nicht viele, aber die, die noch da sind, sind noch da. Und bleiben hoffentlich auch. Ich mag es, neue Menschen kennenzulernen. Ich mag meine Selbsthilfegruppe „über den Berg“. Eine Gruppe für Psychose-Erfahrene und deren Angehörige. Ich mag nicht auf Fragen Gegenfragen zu bekommen, wenn es nicht sein muss. Wenn ich jemanden frage, magst du mich? ist es beschissen zu hören, wie lange hast du dich nicht gemeldet? Damit ist doch alles schon gesagt. Oder sehe ich das falsch? Klar, nicht immer sollte man mit Vorwürfen zu vorsichtig umgehen, aber auf jeden Fall besonnen. Man sollte jedem Menschen Respekt zollen. Ja, das sollte man. Versuchen zu verstehen. Nachvollziehen können. Empathie zeigen. Denken, man könnte ja selbst in bestimmte Situationen kommen. Krieg scheint so weit weg zu sein, dabei wütet er direkt vor der Tür. Die Erde ist nicht groß, sie ist so klein, dass wir sie problemlos total zerstören können. Man kann sie platzen lassen wie einen Ballon. Eigentlich müsste man viele, viele Machthaber in die Klapse sperren und zupumpen, dann wäre es um einiges ruhiger. Ich mag es, informiert zu sein. Ich mag nicht, dass ich so viel vergesse. Kleine Sachen, große Sachen. Ich liebe es, über Flohmärkte zu schlendern. Ich liebe es, zu shoppen. Zigarre rauchen sowieso. Wein, Whisky, Bier. Grillen. Mit meinem Sohn ins Freibad zu gehen. Mit ihm Farradtouren zu machen. Ihn zu beschenken. Für ihn Zeit haben. Ihn lachen zu sehen. Ernste Gespräche mit ihm zu führen. Ihm Dinge versuchen zu erklären, die ich selbst schlecht verstehe. Ich mag Autofahren. Ich mag meine Therapeutin. Ich mag schöne Frauen. Ich liebe meine Mutter, meine Schwester, die Erinnerungen an meinen Vater. Ich mag den Ort, in dem ich wohne, auch wenn es bestimmt nicht der letzte ist. Aber man weiß ja nie. Es kommt immer anders als man denkt. Ich kann jedenfalls nicht in die Zukunft schauen. Und ich werde mir auch nie wieder die Karten legen lassen. Ich hasse es, herumkommandiert zu werden. Von oben herab behandelt zu werden. Habe ich schon geschrieben, dass ich schöne Frauen mag? Bestimmt. Es gibt so viel, was ich mag und liebe. Und auch so viel, was ich verabscheue. Künstliches lautes Lachen zum Beispiel. Leute, die so tun, als wären sie locker und gut drauf, dabei sind sie die spießigsten Arschlöcher. Mein Wein ist alle, da hilft nur Bier. Es ist jetzt 23 Uhr. Die Zigarre glimmt noch. Es ist noch immer angenehm warm. Ich mag Schallplatten, liebe es, eine auf den Plattenteller zu legen. Der warme Sound erfüllt das Zimmer. Ich mag Plattenbauten, sie faszinieren mich. Eigentlich müsste ich mir für den neuen Roman eine anmieten. Mal checken, was da so abläuft. Hätte ich das Geld, würde ich es sogar tun für ein halbes Jahr. Zur Recherche. Das Buch wird der Hammer, wenn es denn eins wird. 39 Seiten sind es bis jetzt. „Im Wahn der Zeichen“ habe ich jetzt durch. Nächste Woche bekommt es eine Freundin. Schrieb ich schon? Ja klar. Vielleicht setze ich es die nächsten Tage schon als E-Book ins Netz, dann aber noch nicht mit dem Original-Cover. Jean ist noch in der Denkpase, hat auch mit der „Hörmich“ zu viel zu tun. Die ist übrigens am Samstag im Pavillon. Jean liebe ich. TB auch. CC in Berlin. Einen guten Freund in Münster. Und noch ein paar andere. Das heißt nicht, dass ich alles verstehe, was sie so treiben. Oder auch nicht treiben. Muss ich ja auch nicht. Trotzdem reg ich mich manchmal über bestimmte Dinge auf. Ich glaube, das ist menschlich. Mein Blutdruck ist aber in Ordnung.

Ich liebe es, euch zu schreiben. Ehrlich. Diesen Abend jetzt liebe ich besonders. Machts gut, bis demnächst

Eeuer Weltschriftsteller   !

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