Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht ?

Ich sitze tatsächlich an meinem neuen Buch! „Psychotische Attacken“ ist bei neobooks veröffentlicht! Alte Stories, durchgekämpft bis zur Vergasung, 25 Stück! Jetzt sind es schon 7 Seiten im neuen Roman. Fiktive Sachen, die wahr sein könnten. Ein wundervolles Gefühl, etwas Neues zu beginnen.

Es ist Mittwochabend, 23 Uhr, ich sitze auf der Terrasse, rauche ne Cigar, trinke Weißwein und tippe. Ich liebe den Sommer, ich bräuchte keinen Winter, ehrlich nicht. Freiheit und Sonne. Essen und Trinken und ein Dach überm Kopf. ne kleine Familie. Was braucht man mehr? Klar, Dinge, die einen erfüllen und zufrieden machen. Da ist sie wieder, die Anerkennung, die nicht fehlen darf. Geld sowieso. Zeit. Ich bin total verwöhnt. Und doch oft nicht zufrieden. Egal. Zurzeit mag ich mein Leben sehr. Na ja – heute jedenfalls. Ich nutze jede freie Minute, und heute hatte ich ganz viele freie.

Donnerstagabend, 23 Uhr

Komme gerade von einem sehr, sehr guten Freund, haben gefeiert, Bier, Ouzo und Sambuca getrunken, über Bücher geredet, die wir gerade lesen, oder gelesen haben. Wir lesen so ziemlich das Gleiche. Djian, Buk, Schamoni, Strunk, er jetzt Dostojewski, ich Goethe und Schiller, wie sich sich begegnet sind, er als nächstes Steppenwolf usw. Viele Freunde hat man und braucht man nicht, ein paar wenige, auf die man sich verlassen kann, die Kummer und Freude mit einem teilen. Keine Eifersüchteleien, keine Gehässigkeiten, keine Missgunst, kein Tratsch über den anderen. Letzte Nacht habe ich von Westernhagen geträumt, alles war so real – unsere Begegnung, unser Gespräch, ganz locker, ganz cool. Bald ist einer von uns tot – und nie habe ich wirklich mit ihm gesprochen. Über damals, als ich der verrückteste Fan war, der ihm Gedichte auf die Bühne geworfen hat, der 24 Stunden vor seinem Hotel stand bei null Grad. In Berlin. Und Udo. Dem ich immer mal wieder das eine oder andere Manuskript zukommen ließ. Klar, in manischen Phasen, na ja, nicht immer. Heinz Rudolf Kunze hat 2003, als ich in meinem Wahn den Irak-Krieg verhindern wollte, einen ganzen Karton Gedichte bekommen. Xavier Naidoo ist auch nicht verschont geblieben. Grönemeyer. Maffay. Wecker. Aber seit gar nicht all so langer Zeit sehe ich mich als einen ganz anderen, als einen Cooleren, als einen Zurückgezogeneren – dennoch, ich möchte mit Marius und Udo reden. Was ich davon hätte? Aufklärung. Vielleicht nichts. Einfach nichts. Wer lebt länger? Sie oder ich? Sie spielen seit 35 Jahren eine wichtige Rolle in meinem Leben. Haben mich begleitet, durch schöne und schwere Zeiten. Haben mich gerettet, in ihren Liedern zu mir gesprochen. Bei manchen Liedern habe ich Tränen verloren. Ich kann immer noch so, so viele Lieder mitsingen, kenne jedes Wort. Habe meine Lieblingslieder.

Marius: „Frieden“ Udo: „Niemandsland“ Grönemeyer: „Unbewohnt“ Und von Kunze finde ich die ganze Scheibe „Wasser bis zum Hals steht mir“ wunderschön, eine Scheibe, die in zwei Wochen eingespielt wurde. Richtig cool. Fanta 4, Tote Hosen, Spliff, Ideal, Nina Hagen kann ich auch gut abfeiern. Ton Steine Scherben. Rio sowieso. Mit den ganzen neuen Schwiegersöhnen, die sich so ähneln, kann ich nichts anfangen. Ich meine die, die den ganzen Tag im Radio gespielt werden. Rauf und runter. Da macht es keinen Unterschied, wen ich gerade höre. Mögen ja alle nett sein, aber mir fehlt da der Rock n Roll. Jaja, ich weiß – hängengeblieben. Mag sein. Aber gerne doch.

Morgenfrüh gehts weiter mit dem neuen Buch. Falls es ein Buch wird, kommt auf die Inspiration an, ich weiß nicht, wo sie mich hinführt. Wenn ich aufhöre zu schreiben, weiß ich immer, wie es weitergeht, zumindest mit dem ersten Satz. Und dann führen mich die Protagonisten sonst wohin. Ich habe vorher keine Ahnung davon. Und genau das macht das Schreiben für mich so spannend. Leben erschaffen ist sowieso das Wichtigste im Leben. Leben erhalten. Die Erde erhalten. Gerade sagte TB: „Die Erde ist freundlich, warum wir eigentlich nicht?“ Tja. Gute Frage.

Ich wäre gern schlauer. Ich merke, dass mein Gedächtnis nachlässt, ich vergesse immer mehr, kann mir keine Namen und keine Gesichter merken. Jedenfalls werden es immer weniger, die ich abspeichere. Wer weiß, wie viele Bücher ich noch schreiben kann. Man sollte schon wissen, was man auf Seite 3 geschrieben hat, wenn man auf Seite 8 ist. Aber wenn der Zug irgendwann abgefahren ist, habe ich vielleicht auch gar nicht mehr das Bedürfnis, Romane zu schreiben. Es öffnen sich immer wieder neue Türen. Sollten sich zumindest öffnen. Sonst ist man tot. Stillstand = Tod. Keine Ziele = tot. Kann man schreiben wie man will. Komma oder nicht, egal. Kann man schreiben, wie man will. Scheiß drauf. Jedes Komma sollte sitzen. Jedes Wort sowieso. Ich bin oft beeindruckt, wie gut sich Leute, die im Radio sprechen, ausdrücken können. Manche labern zu viel, aber viele bringen ihr Gesagtes genau auf den Punkt. Ich bin manchmal unsicher, vor allem, wenn ich mich in einer Gesellschaft unsicher fühle, da fehlt dann die Schlagfertigkeit. Oft bin ich still. Ich höre lieber zu.

Oder ich schreibe, auch Briefe. Als ich noch nicht diesen Blog geschrieben habe, habe ich Briefe an zwei Freunde geschrieben. Lange Briefe. Jetzt nehme ich mir nicht mehr die Zeit. Jetzt schreibe ich euch! Ihr verfolgt mich. Jeden Tag sind Leser hier. Guten Abend, es ist jetzt gleich halb zwölf. Die Wanduhr tickt, der Laptop rauscht. Meine rechte Schulter schmerzt, vom Spachteln, in Omas Haus. Sonntag stelle ich mich zum ersten Mal auf einen Flohmarkt, worauf ich mich sehr freue, ich haber aus meiner Zeit als Buchbinder noch so viele schöne Geschenkpapiere. Kann alles weg. Die Schneidemaschine habe ich schon verkauft. Oben auf dem Speicher stehen noch eine alte Presse und anderer Kram. Aber es ist schon schön, die ganzen bedruckten Papiere noch einmal in die Hand zu nehmen, sie zusammenzurollen, mit Preisen zu beschriften. Ihr merkt schon, ich bin in Redelaune. Bald fahre ich nach Hamburg zu Jean, und dann ab ins Atlantic, Zigarre rauchen und Whisky trinken, über die Reeperbahn schlendern, Hamburger-Luft schnüffeln, am Hafen sitzen, Bier schlürfen. Und rein in die Absinth-Bar. Dann zu Jean nach Hause und quatschen und quatschen, klar, übers Schreiben, über unsere Geschichten, die Ideen, die Lesungen. Ich kenne nur ganz wenige Schreiber, weil ich nicht in Hannovers kleiner Literaturszene unterwegs bin. Poertry-Slam ist hier ja seit Jahren ganz groß. Hab ich mir vor 15 Jahren zweimal angeguckt. Schade eigentlich, weil, ich fand das schon ganz gut. Damals habe ich mich nicht getraut, heute würde ich auch auf die Bühne gehen. Aber wofür? Hm. Ich kann ja noch mal drüber nachdenken. Mein YouTube-Kanal steht seit vielen Wochen still. Doch bald werde ich „Im Wahn der Zeichen“ vorlesen. Mensch, was ich alles will! Hat sich übrigens kein einziger bereit erklärt, mir 3 Euro im Monat aufs Konto zu überweisen. Ja, gebt die 3 Euro lieber Menschen, die Hunger und Durst haben, ihr hab ja recht. Aber dann macht es auch, verdammte Scheiße! Tut keinem weh. Wenn es um Geld geht, und zwar um so was Konkretes wie 3 Euro im Monat, rechnet sich jeder aus, wieviel das im Jahr ist, und dann denkt man, na, also, nee, Alter, mit mir nicht. Der soll ackern gehen! Wer schenkt mir denn 3 Euro! Keine Sau! Jaja. 23.40 Ich muss ins Bett. Lesen. Schlafen. Aufstehen. Schreiben. Ums Kind kümmern. Flohmarkt vorbereiten. Schwitzen. Es donnert gerade ein wenig. Grummel, grummel. Ich trinke Whisky. Johnnie. Und gähne. Und fühle mich jetzt schwer. Schluss für heute, morgen gegenlesen, für gut befinden, abschicken. — Euch ein schönes Wochenende   !

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