17 Menschen

Ein Uhr.

Die Grillen zirpen, der Cigarillo glimmt, koffeinfreier Kaffee auf dem Tisch, ein paar Sterne da oben in der Schwärze. Milde Temperatur auf der Terrasse.

Ich glaube, es gibt ein paar Menschen, die diesen Blog just lesen, die mich aber nachher nicht einmal auf der Straße grüßen, gerade hier in diesem Ort. Kindergarteneltern von vor drei Jahren zum Beispiel. GUTEN MORGEN! Ihr seid was ganz Besonderes!

Gestern habe ich meinen Psychiater aufgesucht, wir haben überlegt, was noch an den Medis rumzuschrauben ist – ich habe ein gutes Gefühl und bin voller Zuversicht, dass es gut ausgeht.

Am Samstag werde ich die Schlüssel für die Fabrik erhalten. Ich werde auch mein einzelnes Schreibzimmer schlicht „Fabrik“ nennen. Mal schauen, wie gut sich dort „BLOCK“ fabrizieren lässt.

Ich brauch noch ein paar Euro mehr im Monat, also wundert euch bitte nicht, wenn ich euch darauf anspreche und euch mein Konzept vorstellen möchte. Mein früherer Chef sagte, wenn es um Geld gehe, müsse man kreativ werden. Nehm ich mir nun zu Herzen. Leider dachte er an nichts anderes. Er hat etliche Menschen ausgenutzt und betrogen. Sie überrumpelt mit Verträgen und dem ganzen Quatsch – jedenfalls meistens so, dass er am Ende gut dastand. Damals haben wir für ihn einen Kredit über 40.000 Euro aufgenommen … Die Geschichte dazu ist lang – keine Lust, mich damit noch länger zu beschäftigen. Er ist reich inzwischen – aber ganz arm im Herzen. Arme verkümmerte Seele.

Ich werde meiner Psychiaterin Frau van Held schreiben – und jenen Brief veröffentlichen, wo ich nur kann. Fünfzehn Jahre lang hat sie mich fast blind gemacht, vollgestopft mit Zeug, das ich nie in solchen hohen Dosen gebraucht hätte, Zeug, das körperlich und seelisch abbhängig macht und sehr viele Menschen in den übleren Wahnsinn treibt. Dafür nehm ich jetzt gern die (leichten) Schlafstörungen in kauf und beobachte mich genauer. Dr. Henkelmann hört mir zu, und man staune, er weiß sogar noch einiges von den Sitzungen davor. Interesse nennt man so etwas.

Der Roman „weg“ soll am 1.9.20 erscheinen. Er umfasst 452 Seiten im Taschenbuchformat, kostet mich ca. 10 Euro im Einkauf. Alles, was ihr mir drüber gebt, wenn ihr ihn denn lesen oder verschenken mögt, geht ins „Buchprojekt gegen Rechts“ in BLOCK. Gerne könnt ihr vorbestellen, dann weiß ich, wie viele Exemplare ich anfangs drucken lassen kann.

Die Uhr zeigt nun 1 Uhr 23 an. Gute Nacht!

8 Uhr morgens. Dienstag.

Na, gut geschlafen? Ich zum Glück schon. Hab sogar schon an „weg“ gearbeitet, es liegt allein an mir, wie schnell das Buch draußen ist. Die Seiten sind gesetzt, das Cover erstellt. Aber wie gesagt, alles dauert heutzutage etwas länger als noch vor zehn Jahren. Ich denke, dass liegt auf jeden Fall daran, dass ich gewissenhafter ans Werk gehe. Mir soll nichts entgehen. Tut es dann aber natürlich doch, immer schleichen sich ein paar Fehler ein. Auch wenn das Skript ein paar Freundinnen korrigieren, am Ende ist hier und da was falsch. Also nehm ich mir heutzutage mehr Zeit. Geduld, eine Tugend, die für mich nicht ganz so leicht zu erfüllen ist.

Man Leute, wir haben nur dieses eine Leben, im Jetzt, im Hier, auf dieser Erde, in dieser Zeit, in diesem Körper. Macht das Beste draus. Ich gebe mir noch zwanzig, fünfundzwanzig Jahre, wenn es gut läuft – man weiß nie. Es wäre zu blöd, sich über viel zu viele im Grunde unwichtige Dinge aufzuregen, sich zu grämen usw, die eh nicht zu ändern sind.

Ihr bekommt ab 3 Euro monatlich über 18 Monate lang eine Menge von mir geboten. (Ich glaube, das ist jetzt der 342. Blogbeitrag, den ich in dreieinhalb Jahren verfasse. Klar, ich mach das für mich. Aber nicht nur. Ich habe mehr Bücher von F25 verschnekt, als verkauft. Von Mucho Guscho höchstens zwei oder drei, aber mindestens 60 drucken lassen – und wo sind sie? Keine Ahnung – nach und nach verschenkt. Vom Hörbuch „Psychotische Attacken“ gab es eine 500er Pressung. Vielleicht habe ich noch hundert übrig, nicht einmal 10 verkauft, und wenn doch, dann für drei Euro das Stück. Ich wünsche mir, dass ich gelesen werde, klar, aber wenn schon keiner die Endprodukte haben möchte, dann habt ihr vielleicht Bock drauf, wenigstens bei die Entstehung dabei zu sein. Ich lese für euch, seit der ersten Lesung, seit 2004, habt ihr ein oder zweimal Eintritt zahlen müssen – und wenn jemand von euch kein Geld hatte – dann kam sie / er sowieso umsonst rein. Mir bereitet es riesige Freude, vor Publikum zu lesen und zu mucken – und wenn es euch Freude bereitet zuzuhören, dann tut es bestimmt nicht weh, einen kleinen Beitrag zu leisten. Von einem bis zu zehn Euro, also von 18 bis 180 Euro in anderthalb Jahren – dafür bekommt ihr das Buch „BLOCK“ (mit eurem Namen, wenn ihr wollt, in der Danksagung), Videos, Lesungen, News, Leseproben, zwischendurch eine Party und wer weiß was noch alles. Es ist das erste Buch, das ich nicht nur für mich schreiben werde. Ihr gebt mir Kraft und Verantwortung etwas Großartiges hinzuzaubern. Ich weiß, was ich tue. Jedes Zeichen soll mir klar sein. Ehrlich – stellt euch bitte nicht so an.

Im nächsten Blog stelle ich euch das Projekt detailliert vor. Und ich werde die Kontonummer bekannt geben. Ich treffe mich sehr gern mit jedem von euch, um ins Gespräch zu gehen. Jedes Mal, wenn ich einen Beitrag im Blog veröffentliche, lesen ihn zwischen 20 und 60 Menschen. Die ersten drei bis vier Monate Miete habe ich zusammen, ich muss also noch ran und ein paar mehr Bekannte überzeugen. Am Schwersten ist es mir gefallen, meine Tante und meinen Onkel zu fragen. Könnte sein, dass sie jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Es gab jedenfalls keine Antwort. Betteln ist scheiße – ehrlich. Ich kann euch garantieren, wenn sich das Buch gut verkauft, dass ihr jeden Cent wieder bekommt. Ist es eine Nullnummer oder ein Minusgeschäft, wie die ganzen letzten Bücher, dann habt ihr leider ein paar Euro in den Sand gesetzt. Bis auf das Buch natürlich. Ganz sicher – ich bringe es zu Ende, sollte ich nicht unverhofft einen derben Schicksalsschlag erleiden. Es kommt ja immer anders als man denkt.

Jeder von euch darf mich während der nächsten anderthalb Jahre in der Fabrik besuchen, es sei denn, ich hätte nichts anderes mehr zu tun als euch zu empfangen, zu plaudern, was zu trinken, zu rauchen … Muss ja schließlich arbeiten. Schuften. Ich weiß inzwischen, was Hemingway meinte, wenn er sagte, er habe hart an den letzten 500 Wörtern geschuftet. Das ist alles kein Pappenstil. 500 Wörter pro Tag, die wirklich gut sitzen, können eine echte Herausforderung bedeuten. Etwa eine bis zwei Seiten am Tag reichen vollkommen.

29.7.20 – 5.00 Uhr

Dämmerung. Fast windstill. Die Autos von der B217 sind heut zu hören. Dunkle Wolken. Frisch. Bin noch etwas matschig und sollte lieber an „weg“ arbeiten. Die Zeit bis zum 1.9. wird knapp – sehr knapp. Wenn ich ganz hoch konzentriert lese und korrigiere, sind zwei Stunden für mich lang. Danach muss ich mich ausruhen.

Siebzehn Menschen!, seid ihr, die mich förden wollen. Dafür danke ich euch jetzt schon einmal vorab – ihr seid so wertvoll für mich – menschlich wie materiell. Ohne eure Kraft würde ich genau diese Zeilen nicht schreiben. Jeder von euch verändert gerade mein Leben. Und auch das Produkt.

Nackte Füße auf kühlen Pflastersteinen. Ah, die ersten Vögel, die sich und mich begrüßen. Gleich muss meine Frau aufstehen, der Tag ist lang, wenn man einen Vollzeitjob verrichten muss. Noch einen Kaffee. Noch ein Zigarillo. Gedanken, die auf dem Monitor erscheinen. Alte und neue. Aber immer anders. In jedem Augenblick. Das Jetzt hier. Alles wirkt sich aufs gesamte Universum aus, verändert es. Jeder Hauch, jeder Atemzug, jede Idee sowieso.

Macht euch die Tage schön – sie gehören euch.

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