159

Es ist Viertel vor elf, Donnerstagabend. 159 Leser. Oder jedenfalls 159 Menschen, die auf meinem Blog waren. Was für eine schöne Überraschung!

Ich komme gerade aus dem Havana in Linden. Ein kleines Herri und ein Merlot. Klar, ne Zigarre, 4 Meter lang. Davor war ich in meiner Selbsthilfegruppe für Psychose-Erkrankte und Angehörige „Über den Berg“. Jetzt schenk ich mir noch einen ein, auch einen Merlot, 12%, trocken, aber sanft. Der Kaktus steht hier auf der Fensterbank und macht mich glücklich. Den letzten hat mein Sohn ersoffen, er wurde immer kleiner und ganz schwammig. Wie im Alter des Mannes bestes Stück. So sieht man es ja manchmal in der Sauna, wo ich nie hingehe. Für mich ist das nichts, diese Hitze, sich mit seinem eigenen Schweiß einreiben, andere Körper betrachten, gar beneiden und sich noch fetter fühlen als man sowieso schon ist. Kälte mag ich allerdings auch nicht so gern. Die Saunamenschen mögen ja beides. Erst höllenheiß, dann rattenkalt. Wie die Machos im echten Leben. Ach, ist auch nicht so wichtig. Was ist eigentlich wichtig? Ha! – dass ich jetzt endlich einen Schluck zu mir nehme. Morgenfrüh wird hart. Der Wecker klingelt um 5.45 Uhr, vielleicht schaffe ich es um sieben. Es gibt ja nichts Schöneres als morgens noch ne halbe Stunde mit meinem Sohn im Arm einfach dazuliegen und zu träumen. Buch vorlesen um sechs kommt nicht so gut bei mir an. Früher hab ich um sechs den ersten Joint geraucht, auch morgens, bevor ich zur Arbeit gegangen bin. Den Rest vom Joint, der noch übrig geblieben war. Meistens hatte ich schon am frühen Morgen Depressionen, nicht wegen des Kiffens, sondern wegen der Arbeit auf dem Bau. Ich habe den Job gehasst. Wirklich, ich bewundere alle Handwerker, die ihren Job gern machen. Ich streich ja auch mal ganz gern ne Küche oder n Wohnzimmer, aber jeden Tag unter Druck, das ist wirklich schwer. Und das für 1000 Euro netto manchmal. Ich bewundere die Handwerker, die mit Leib und Seele dabei sind, die sich Gedanken machen, die ihren Beruf schätzen, die dankbar sind, Arbeit zu haben. Respekt. Viele müssen noch einen zweiten Job annehmen, um über die Runden zu kommen. Die Familie will ernährt sein, das Kind möchte einem Hobby nachgehen. Ja, und Marius betont, wie hart seine Arbeit ist. Ich habe nichts gegen Marius, wirklich nicht. Ich habe ihn mal geliebt und ich habe ihn mal gehasst. Aber ganz egal scheint er mir ja immer noch nicht zu sein. Nee, ist er nicht. Ich würde mich gern mit ihm unterhalten, ihn treffen, ihn fragen, ob er mich kennt. Ach ja, Hunderte Briefe, wie es in der ZEIT steht, habe ich ihm nicht geschickt. Sagen wir mal, in den letzten 25 Jahren 10 Briefe, meistens mit einem Manuskript dazu. Früher glaubte ich, er würde mir vielleicht helfen, ich sah ihn als Vaterfigur. In der ersten Psychose glaubte ich sogar, er sei mein leiblicher Vater. Thomas Melle „Die Welt im Rücken“ glaubte, Sting sei sein wirklicher Vater. Thomas Melle hat, so wie ich, auch in einem Hotel Klavier gespielt, bis er rausgeflogen ist. Thomas wollte die Welt retten. Klar – ich auch. Ihn hat das Blogschreiben ein paar Mal verrückt gemacht. Ich bin schon seit meinem zehnten Lebensjahr verrückt, vielleicht auch länger, könnte sein. Wieso arbeite ich eigentlich nicht an meinem Roman und schreibe das hier alles? Ganz einfach, weil mich 159 Menschen anspornen, weil mir der Wein in diesem Augenblick Inspiration schenkt. Ob es gut ist, was ich schreibe, mag ich nicht beurteilen. Ich könnte jetzt ewig so weitermachen, die ganze Nacht, bis mir die Augen zufallen. Medikamente habe ich schon genommen. Bald werde ich müde. Nee, heute vielleicht nicht. Ich war schon den ganzen Nachmittag etwas euphorisch. Also wieder eine Schlaftablette. Ich könnte auch eine Tavor nehmen, damit die Gedanken langsamer werden oder aufhören. Ich könnte mir jetzt wieder im Bett vorstellen, ich bin was Besonderes. Schriftsteller wahrscheinlich. Ach komm, ein Gläschen geht noch. Es ist jetzt 23.15 Uhr. ne halbe Stunde hab ich für diesen Artikel gebraucht. Vielleicht könnt ihr mir ja Themen vorgeben, zu denen ich was schreiben soll. Das wäre doch was. Ihr sagt „Fleisch“ oder „Genuss“ oder „Hannover“ oder sonst was, und ich überlege mir, ob mir dazu etwas einfällt. Zu schwierig dürfen die Themen aber nicht sein, ich bin ein einfacher Mensch. Und keine Fremdwörter, die versteh ich nicht.

Ich schwafel schon wieder viel zu viel, höre jetzt auf und gucke noch mal auf Facebook, was so passiert ist. Euch einen schönen Abend und wundervolle Träume.

Euer Schriftsteller   !

Übrigens sind es jetzt schon 169 Leser.

  2 comments for “159

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.