Wo sind die Schmetterlinge

Wo sind die Schmetterlinge in meinem Kopf? Wo sind sie geblieben? Die Freiheit, die bunte Klarheit, die Kreativität, die Schnelligkeit der Gedanken. Dumpf. Gedämpft. Keine Spitze mehr nach oben. Nach unten auch nicht – die grade Linie. Zu grade. Schwarzweiß. Farblos. Läuft so das normale Leben? Ich kann mich konzentrieren, meinen Job verrichten, im Garten arbeiten, mich um den Haushalt kümmern usw. Ich kann mich unterhalten über alles, was du willst. Kriege mit, was in der Welt los ist. Nichts davon berührt mich tief. Mir fehlt das Gefühl. Ich schlafe ziemlich gut, bin morgens aber schon stumpf. Ohne Laune. Gleichgültig. Mache meinem Sohn die Brotdose fertig, schneide Obst und Gemüse, schmiere Brot, frühstücke, bin ab 5 Uhr auf den Beinen. Fahre meinen Sohn zur Schule, fahre zur Arbeit, arbeite, fahre in die Fabrik, schreibe, hole meinen Sohn von der Schule ab, ruhe mich aus, fahre zur Arbeit, arbeite zwei Stunden. Alles ist unglaublich anstrengend. Kann mich nicht auf den Abend freuen. Er ist da. Ich nehme ihn an, bin lustlos, funktioniere trotzdem. Der Witz ist weg. Kein wahres Grinsen, keine blöden Sprüche. So macht mir das Leben keinen Spaß. Farbe im Kopf ist so wichtig. Die Schmetterlinge. Wo sind sie geblieben. So könnte das Leben immer weitergehen, aber Leben kann man es nicht nennen. Ist einfach nur der Akku leer? Wie kann ich ihn wieder voll machen? Ich glaube, das geht nur mit Freizeit. Aber kommt dann auch die Freude zurück? Die Freude, am Leben sein zu dürfen. Wo ist sie? Noch vor ein paar Wochen war ich so dankbar. Und jetzt? Ist das der Preis des neuen Medikaments? Ruhig gestellt. Antipsychotisch. Sicher. Stabil. Ich bin nicht depressiv. Es geht auch nicht tief nach unten. Es ist einfach nichts. Eintönig. So kann ein Schriftsteller nicht leben. Leben schon, aber nicht arbeiten. Also doch nicht leben. Des Schriftstellers Arbeit ist leben. Ausleben. Ehrlich – mir fehlt der Kick. Ich kann auch ins Büro gehen und mich den ganzen Tag am PC mit Zahlen beschäftigen. So fühle ich mich jetzt gerade.

Sonntagmorgen, 4 Uhr 30

Also doch depressiv. Gerade das ist es – das Gefühl des Nichts – das kein wahres Gefühl ist. Ein graues Loch. Weder schwarz noch weiß. Heute Morgen geht es, das Antidepressivum wurde erhöht, jetzt ist es allein die Hoffnung, die meine Stimmung etwas aufhellt. Etwas Geduld, dann schlägt es an, in ein paar Tagen fühle ich mich wahrscheinlich wieder gut. Dann gilt es wieder darauf zu achten, dass es mir nicht zu gut geht. Dass der Schlaf ausreicht, ich nicht um vier aufstehe, um einen Blogbeitrag zu verfassen. Ruhe im Kopf ist nichts für einen kreativen Menschen. Er muss strahlen. Das innere Licht muss nach draußen transportiert werden können – und das funktioniert nur mit Kraft. Aber wo diese Kraft hernehmen, wenn die Linie mit keinem Hoch überschritten wird. Die Hochs bringen Kraft. Meinetwegen gerade die Hochs, die aus der Tiefe sich emporkämpfen. Du kannst nur tief fallen, wenn du hoch geflogen bist. Bin ich in letzter Zeit. Zum Glück diesmal unter mir ein Netz, das mich nicht aufschlagen ließ. Ich bin jetzt krankgeschrieben, nehme mir eine Auszeit.

Guten Morgen und einen schönen Sonntag !

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