Wie geht es weiter?

Das Alter nimmt uns mit. Es verschont uns nicht. Es verlässt uns erst mit dem Tod. Es verzehrt uns. Es führt uns in die Bewegungslosigkeit, in die Steifheit. Kann man es schaffen, seinen Geist wirklich jung und dynamisch zu halten? Lebendig? Flink zum Aufnehmen gesprochener Worte? Kann man bis ins hohe Alter Zusammenhänge verstehen? Kann man den Geist trainieren, wie den Körper? Vielleicht schon. Wahrscheinlich gehört aber auch eine Menge Glück dazu, nicht dement zu werden. Im Alter wird das Leben auf keinen Fall einfacher. Man begreift, dass das Leben kein Spiel ist. Vieles von dem, was dir früher Freude und Spaß gemacht hat, wird zur reinen Qual. Nicht jeder wird im Alter gelassener und cooler. Viele Menschen hadern mit dem Altwerden. Sie zeigen Reue. Andere glauben, eine Menge verpasst zu haben. Wiederum andere schauen auf ein gutes und erfülltes Leben zurück. Je schwerer der Körper wird, desto schwerer wird der Geist und somit das ganze Leben. Irgendwann reicht es dann. Geist und Körper sind geschwächt. Die Seele ist immer da. Sie fühlt. Menschen werden dank der medizinischen Forschung und Pflege immer älter und gesunden schneller wieder. Auch für psychisch Kranke gibt es inzwischen viele wirkungsstarke Medikamente, die das Leben sehr erträglich machen können. Zum Glück. Die Fantasie nimmt bei den meisten Menschen im Alter ab. Für einen Autor bedeutet ein schwarzweißes Leben ohne Nuancen den Tod der Kreativität. Jemand, der sich Geschichten ausdenken kann noch im hohen Alter, hat riesiges Glück. Es ist eine Gabe, für die er dankbar sein kann. Es ist nicht selbstverständlich. Dennoch werden die Themen zumeist ernster. Dafür hat er vielleicht mehr Sinnvolles zu sagen. Vielleicht. Oft aber auch noch mehr Schwachsinn, als die Jahre zuvor. Ich habe mich im Kopf bis zur Medikamentenumstellung für kreativ gehalten. Fit und ausgeschlafen war ich aber sehr oft nicht. Jetzt, mit dem neuen Medikament, fühle ich mich nicht unbedingt wie ein alter Mann, das nicht, eher wacher, aber dafür ziemlich leer und gelangweilt. Davor hat mein Hirn ausgesprochen viel gearbeitet. Zum Teil war das natürlich äußerst anstrengend, nicht nur für mich, vielmehr auch für mein Umfeld. Mir fehlt die Lebendigkeit, mir fehlen die Farben, mir fehlt das Fantastische. Mir fehlt die Euphorie. Die Stimmung ist trotzdem okay, ich bin nicht depressiv. Meine Psychologin meint, ich fühl ich mich jetzt wohl wie Milliarden andere Menschen. Ich hab ja so oft geglaubt, besonders zu sein. Und das tat ehrlich gesagt gut. So ein Gefühl puscht, auch wenn es andere nervt. Im Alter kommt man nicht drum herum, Hilfe anzunehmen. Vielen Menschen ist es unangenehm, sich den Hintern abwischen und Windeln anzulegen zu lassen. Man lässt sich füttern, als wäre man ein Baby. Es geht unaufhaltsam zurück in die Unselbständigkeit. Hat man das Recht, sich selbst das Leben zu nehmen? Die Moral spielt dabei eine entscheidende Rolle. Häufig ist es die Religion, der Glaube, der dir den Gedanken abnimmt, dir das Leben zu nehmen. Es ist die Angst, die einen lähmt. Aber wenn du dich nur noch quälst? Wenn du eingepisst und eingekackt in deiner eigenen Kotze dahinsiechst? Jeder Mensch, der sich zu einem Gott bekennt, hat das Gefühl, sich vor ihm verantworten zu müssen. Das kann ihm keiner abnehmen. Oder etwas doch? Ein Pastor? Ein Pfarrer? Haben sie die Macht dazu? Für mich wird es jedenfalls nicht leichter älter zu werden. Ich weiß, tue ich nicht langsam etwas für Geist und Körper, kommt die Leichtigkeit und Kreativität auch nicht wieder. Das Aufraffen macht es mir so verdammt schwer. Und die Zeit. Der Wille ist zu schwach. Es kommt darauf an, was man will. Was man für sich erreichen möchte. Klarheit wäre schon gut. Durch Klarheit lässt sich eine ganze Menge bewerkstelligen. Du musst dir im Klaren darüber sein, dass Geist und Körper mit jedem Tag schwächer werden. Dagegen anzukämpfen, oder eben mit Geist und Körper in die Einheit zu kommen, ist wohl der einzig richtige Weg. Geist und Körper müssen kooperieren und harmonieren. Dann strahlst du auch bis ins hohe Alter etwas Gutes aus. Gräm dich nicht, älter zu werden. Nimm den Kampf an, akzeptiere ihn. Dir bleibt nichts anderes übrig. Oder du bringst dich um, oder stirbst früh und unverhofft. Die Erde wird es länger geben, als uns Menschen. So schnell, trotz aller Umstände, wird sie nicht untergehen. Wir haben noch einiges vor uns. Wir lassen einen riesigen Müllhaufen zurück, unsere Kinder müssen den ganzen Scheiß ausbaden. Wir haben es versiebt, das große Geschenk zu achten und zu pflegen. Erst durch Nichtwissen, erst durch Dummheit, jetzt durch Faulheit, Geld und Machtgeilheit. Das Fatale daran ist, dass es ohne Wirtschaft nicht geht. Wir leben in der Zwickmühle. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Mit euch. Mit der Erde. Mit der ganzen Welt. Mit mir.

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