Entspannter Sonntag

Ja, wirklich.

Das Wetter hat mitgespielt. Heute morgen haben meine Frau, mein Sohn und ich bei einer Freundin im Garten Himbeersträucher und Storchenschnabel als Bodendecker ausgebuddelt. Es ist gerade die richtige Zeit, um Pflanzen zu setzen. Am Nachmittag haben wir einiges wieder in die Erde gebracht. Von mir aus kann es jetzt warm werden, hätte nicht das Geringste dagegen. Aber die Zigarre auf der Bank hat auch schon bei diesem Wetter hervorragend geschmeckt. Jetzt sitze ich hier bei einer Tasse Tee und einem Glas Wein in meinem Arbeitszimmer und freue mich auf den Wochenstart. — Ich bin noch immer nicht mit dem neuen Roman durch. Hat sich alles hingezogen. Brauche die nächste Woche auch noch. Und ich frage mich, ob ich mir dann eine einmonatige Schreibpause auferlege. Ein Monat Sport und Diät. Und dann mit ganz neuem Schwung loslegen. Es ist zwar, als halte man einen Stier im Käfig und vor ihm weht das rote Tuch, aber wenn dann erst das Tor aufgeht, ist er nicht mehr zu halten und bändigen. Ich glaube wirlich „Im Wahn der Zeichen“, der Roman, so werde ich das Ding nennen, ist in wenigen Monaten zu schaffen. Sagen wir mal, im Sommer ist er dann fertig. Dann wieder ein Monat Schreibpause, und zack, ran ans neue Werk. Ich habe immer ein wenig Bedenken vor Pausen, denn was ist, wenn plötzlich die Kreativität eingeschlafen ist? Aber im Sommer eine Pause zu machen, ist wundervoll. Die Abende kann man sehr gut anders als am Schreibtisch genießen. Laue Sommerabende bei einem schönen Gespräch auf der Terrasse. Ich liebe das. Na ja, es kommt sowieso immer anders, als man denkt. Man sollte ja im Hier und Jetzt leben. Wirklich? Also, ich stelle mir gern eine rosige Zukunft vor. Das baut mich auf. Obwohl, ich muss sagen, dass sehr vieles schon rosig ist. Ich kann mich nicht beschweren. Ehrlich, mir hilft es, gegen meine Unzufriedenheit anzuschreiben. Oder, wenn ich ehrlich bin, auch ein Glas Wein zu trinken. Oder eine Zigarre zu rauchen. Warum soll ich so tun, als sei ich immun gegen Unzufriedenheit. Gibt es Menschen, die immer zufrieden sind? Gar glücklich? Ich kenne niemanden. Aber es ist das Beste, was einem passieren kann, wenn man ein Mittel gegen die Unzufriedenheit gefunden hat. Süchtig sollte man da natürlich nicht von werden. Fressucht zum Beispiel. Alkoholsucht. Drogensucht. Sportsucht. Soll es ja auch geben. Kenn ich aber nicht. Schade eigentlich, finde ich. Kommt vielleicht noch. Jetzt werden ja zum Glück die Abende länger, dann könnte man sich auch mal später auf den Weg durch den Deister machen. Derzeit muss man ja noch um 18 Uhr Angst haben, dass man einem Wildschwein begegnet. Ist auch egal jetzt. Wisst ihr, ich würde wirklich gern wieder rennen können. Sprinten. So volles Programm durchstarten. Das wäre ein Ziel. Ehrlich. Ich denke oft daran, und manchmal träume ich sogar im Schlaf davon. Wer weiß, wo einen solche Gedanken hinführen. Aber ich hab das noch nie gepackt, mir fehlte immer der Ehrgeiz. Aufhören zu kiffen, Medikamente regelmäßig nehmen, aufhören Zigaretten zu rauchen … das alles hat geklappt. Doch mit dem Essen und der Bewegung, das haut gar nicht hin. Ich fühl mich oft genug wie ein viel zu vollgefressenes Schwein, das viel zu steif ist. Ich bin kein Typ für’s Fitness-Center. Ich brauche die frische Luft. Fahrradfahren soll ja so gesund sein. Mein Rad wiegt 18 Kilo und hier sind überall Steigungen. Faule Ausrede. Die Steigungen könnte man die erste Zeit das Rad hochschieben. Nach ein paar Wochen schafft man sie dann bestimmt. Joggen mag ich gar nicht. Aber Gehen. Schnell Gehen. Das ist wirklich sehr schön. Zeit, man braucht Zeit. Wenn ich nur ne Stunde Zeit habe, hetze ich mich ab. Dann ist da nichts mehr mit Genuss. Was schreibe ich hier eigentlich? Blablabla. Macht aber Spaß. Interessiert bloß keinen. Oder etwa doch? TB? AH? MS? JH? Lest ihr überhaupt bis hier hin? Wenn nicht, kann ich das verstehen. Ich kann ja auch über die vielen Kriege schreiben. Über wichtige Dinge. Nicht über so ne überflüssige Scheiße. Ach, auch egal, ich schreibe hier, was mich gerade bewegt. Schalte ich jetzt die Nachrichten ein und mache eine Pause, geht der Text garantiert anders weiter. Ständig lässt man sich beeinflussen. Ständig wird einem die geistige Freiheit genommen. Schon durch einfache Gespräche. Es sei denn, sie handeln über Kunst. Oder über Freiheit. Oder eben über Dinge, die einen wirklich interessieren. Ich schreibe einfach weiter Blablabla. Kann mich ja keiner von abhalten in diesem Augenblick. Das ist meine Freiheit. Schreiben zu können, was ich will. Ähm, nicht immer. Ich halte mich manchmal zurück. Celine hat sich, glaube ich, nie zurückgehalten. Bukowski … ich weiß nicht. Vielleicht doch manchmal. Alle. Denn alle wussten, sie schreiben auch für den Normalo. Denn jeder versucht ja von seiner Schreiberei leben zu können. Es sei denn, man hat es nicht nötig. So wie ich. Ich lebe auch so. Und trotzdem halte ich mich zurück mit Sätzen, die unter die Gürtellinie gehen. Klar darf man mal Fotze, Ficken, Scheiße oder sonst was schreiben. Das liest man ja in Hunderttausend Romanen, sieht und hört es sogar im Fernsehen. Ich scheine verklemmt zu sein. So ne Ficke. Ja, bin ich wirklich. Ich nehme Rücksicht. Natürlich auch auf meine Familie. Oder gerade auf meine Familie. Also, lasst euch nicht unterkriegen. Noch mal – eine wunderschöne Woche wünsche ich euch   !

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