Freunde

Ein wundervoller Abend beginnt. Der erste Schluck Wein ist getrunken, das Licht gedimmt, die Uhr tickt im Takt. Die letzten Tage waren nicht die besten, die nächsten werden besser. Heute möchte ich etwas über Freundschaft schreiben. Ich wurde darum von zwei Leserinnen gebeten.

Mit Freunden teilt man Leid und Freude. Wenn es einem schlecht geht, sagen sagt man: „Siehst du, daran erkenne ich jetzt die richtigen Freunde. Sie sind für mich da!“ Ich sage: Freunde müssen genauso da sein, wenn es einem gut geht. Es ist doch zu schön, seine Freude mit einem guten Freund auszuleben, sich gemeinsam über ein Ereignis oder sonst was zu freuen. Gemeinsam freuen macht Spaß, es ist wundervoll, wenn zwei oder mehr Menschen über dieselbe Sache lachen. Nicht nur jemanden anrufen und ihn mit dem großen Leid vollsülzen. Nicht nur über Krankheit reden. Über Weltschmerz. Über Kriege und negative Nachrichten. Selbstmitleid will niemand hören. Ich weiß, ist leicht gesagt, ich neige auch dazu, mich zu bemitleiden. Aber das bleibt zumeist an meiner Frau hängen. Was ich von einem Freund aber erwarte, ist, dass er mich fragt, wie es mir geht. Ich habe einen „Freund“, den ich jedes Mal frage, wie es ihm geht. Die Gegenfrage kommt so gut wie nie. Statt dessen erzählt er nur von sich. Anstrengend. Und fange ich mal ein Thema an, erzählt er schon wieder nur über sich. Der rafft es einfach nicht. Ich mag ihn trotzdem. Ich würde mir wünschen, dass mich mal jemand anruft und sagt: „Hey, mir gehts so gut! Wann treffen wir uns? Wo gehen wir hin?“ Oder: „Hast du Lust vorbeizukommen?“ Oder: „Was hältst du davon, wenn ich dich heute besuchen komme?“ Davon gibt es ehrlich gesagt in meinem Freundeskreis (der äußerst klein ist) kaum jemand. Die Spontanität geht bei den meisten Menschen mit dem Alter verloren. Leider. Bei mir allerdings auch. Aber ich möchte wenigstens noch so gern. Ich glaube, wenn Moritz selbständiger ist, lege ich noch mal voll los. Party feiern, spontan nach Berlin und Hamburg rauschen und die Tassen hoch. Geld muss natürlich mitspielen … Lassen wir das Thema für heute.

Freundschaften müssen sich einigermaßen ausgleichen. Es ist ein Geben und Nehmen. Man kann nicht nur geben. Das nervt. Immer Probleme reinziehen, Ratschläge versuchen zu erteilen, da wird man ja selbst ganz krank. Einseitige „Freundschaften“ sind fatal. Der eine denkt, er sei dein Freund, dabei ist er für dich nur Balast. Man sollte sich seine Freunde gut aussuchen. Klar, immer mal wieder ist ein Griff ins Klo dabei. Und nicht immer stimmt der erste Eindruck. Meistens schon, aber nicht immer. Das meine ich negativ sowie postiv. Die beste Freundschaft muss nicht zwangsläufig eine ganz langjährige sein. Ich lerne immer gerne neue Menschen kennen. Aber halt! – Von den ganz alten Kumpels, nun mehr um 30 Jahre, sind nur zwei übrig geblieben. Man lebt sich auseinander, verfolgt andere Interessen usw. Was mich ankotzt, ist dieses einseitige Melden. Man ruft zigmal hintereinander an. Und lässt man es dann, kommt Jahrelang gar nichts. Das verletzt. Ich habe es ein paar mal erlebt. Geben und Nehmen. Natürlich ist es auch so, dass man eine Freundschaft daran erkennt, dass man sich nach Jahren des Nichtsehens noch genauso gut versteht wie bei dem letzten Treffen. Freundschaften können ruhig intime Gespräche beinhalten, finde ich.

Aber ganz ehrlich: Meine Frau ist mein bester Freund, Tippgeber, Kritiker. Die besten Freunde verletzen einen aber auch am leichtesten. Ein falscher Spruch und man regt sich tagelang auf. Man glaubt, es zerreißt einem das Herz. Ach scheiße, ich schreibe hier alles durcheinander. So ist also mein durchstrukturiertes Leben. Prost! „Jonny Walker, du bist mein Bester Freund!“ Marius – hat er für seinen Vater geschrieben, der Trinker war. Aber ich trinke hier Wein. Freunde … Man sollte nicht sehr lange nachtragend sein. Verzeihen.

Auf Freunde muss totaler Verlass sein. Wenn mir ein Freund zusagt, zu helfen, erwarte ich seinen Einsatz. Von mir kann er das natürlich genauso erwarten. Ich bin spießig. Ich lege Wert auf Pünktlichkeit. Ich hasse es, wenn Menschen zu spät kommen. Spießiger geht nicht, ich weiß. Deutscher auch nicht. Ich schweife ab. Ich schweife immer ab.

So versuche ich jetzt noch einmal kurz zusammenzufassen:

Geben und Nehmen. Freude und Leid. Reden. Verlass. Verzeihen. – Das ist es doch im Grunde schon.

Ich jedenfalls habe ein paar sehr gute Freunde. Viele sind es nicht. Aber es reicht Masse. Früher waren es vier oder fünfmal so viele. Ich liebe meine Freunde. Wenn ich jeden von ihnen einmal im Monat treffe, macht mich das glücklich, zumindest zufrieden. Blablablablablabla …

Bis denne   !

Vertrauen habe ich vergessen! Ganz wichtig. Er muss dir vertrauen können und du ihm selbstverständlich auch.

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