Guten Morgen!
Du schreibst aus deiner Sicht. Du sprichst aus deiner Sicht. Du zehrst von deinen Erfahrungen. Du teilst sie. Glücklicherweise hast du Themen, welche nicht nur dich betreffen, sondern Millionen von Menschen. Die Psychose. Die Schizophrenie. Die Depression. Die Manie. Und auch ein Stück die Normalität – welche auch immer. Du bist nicht multipel, nicht gespalten, nicht einige oder gar viele. Du bist du. Vielleicht manchmal auch ein Engel oder ein Gott. Doch bis jetzt bist du immer wieder zurückgekommen aus den Sphären, die dem armen Normalo verschlossen bleiben. Du bist froh, dass du nicht nur die Depression kennst. Du schöpfst aus deinem vielfältigen Leben und verfügst über das Talent, deine grauen und bunten Erfahrungen aufzuschreiben. Sie sogar vor einem ausgewählten Publikum weiterzugeben. Ja, du bist dankbar. Denn wie viele Menschen sind schon einmal ein Gott gewesen? Oder sind wir alle Götter? Zumindest, davon bist du überzeugt, kann jeder zu einem Gott oder einer Göttin werden. Die Kunst ist es, jenes Gefühl, jenes Wissen, auszuhalten und nicht im Größenwahn steckenzubleiben, sodass dich nur noch das verflixte Psychopharmaka retten kann. Die Kunst ist es, nach dem Höhenflug wieder sanft zu landen. Dein Flughafen könnte die Psychiatrie sein. Oder noch besser, deine eigenen vier Wände. Lande dort, wo du dich am sichersten und wohlsten fühlst. Und wenn du ein Gott gewesen bist, ist es gut, darüber zu sprechen. Hast du das Glück, einen vertrauensvollen Menschen zu kennen? Einen Menschen, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat? Jemand, der noch nie Eis gegessen hat, weiß nicht, dass es kalt ist. Du kannst es ihm hundertmal erklären, er muss es selbst probieren. Erst dann weiß er, was mit kalt gemeint ist. Und er wird es nie wieder vergessen. Bist du einmal ein Gott gewesen, wirst du immer wissen, wie sich dieser Extremzustand anfühlt.