Eine halbe Stunde Zeit

Manchmal hat man nur eine halbe Stunde Zeit. In einer halben Stunde liegt ein Termin an. Was macht man in dieser halben Stunde bis zum Termin? Man könnte Hausarbeiten erledigen, ins Grüne gaffen, einfach denken, rauchen, Fernsehn gucken, sonst was tun. Sich ärgern, überlegen, was man tun kann und die Zeit verstreichen lassen. Der Termin rückt näher. Es baut sich Druck auf. Anstatt etwas Sinnvolles oder Schönes getan zu haben, hat man die 25 Minuten meistens im Stress verbracht. Deswegen ist es doch sinnvoller, sich zu sagen, ich mach Pause, streck meine Beine aus, schließ meinetwegen die Augen und schalt ab. Ganz toll. Ganz neue Neuigkeit, die ich hier verbreite. Jetzt sind schon 15 Minuten um und das ist alles, was ich gebracht habe – diesen bescheuerten Text. Nur um was zu schreiben. Wenn man ein paar Stunden Zeit hat, schafft man in einer halben Stunde viel mehr, als wenn man nur die 30 Minuten hat bis zum Termin. Die Zeit nach hinten raus bewirkt Freiheit. Freiheit im Denken, Freiheit im Schaffen. Gleich muss noch die leere Tasse weggebracht und der Rechner runtergefahren werden, vielleicht möchte ich den Text auch noch veröffentlichen, wieder 5 Minuten weg. Sicherheitshalber nochmal lesen. Termine stören immer das Ego. Termine nerven. Die meisten jedenfalls. Vor allem dann, wenn man mal für sich ganz allein Zeit hat und die Zeit nutzen will – nur für sich, für niemand anderen. Als Autor braucht man Ruhe und Zeit. So komme ich wieder auf eine Schreibwohnung zurück, die ich mir so sehr wünsche. Da fahre ich hin, mit der Sicherheit, ein paar Stunden wirklich arbeiten zu können. Mich fallen zu lassen ins Werk. Handy aus – und gut. Drei Stunden sind optimal. Fünf noch optimaler – fünf sind schon fast perfekt. Ein ganzer „freier“ Tag, an dem man seine Freiheit ausleben kann, heißt nicht, nichts zu tun. Gut ist es, wenn du weißt, was du willst. Also komme ich wieder zu dem Schluss, dass es am meisten bringt, in der halben Stunde bis zum Termin zu relaxen, um erfrischt zu sein, wenn es soweit ist. Um nicht noch mit den Gedanken des dreckigen Geschirrs im Kopf nicht richtig bei der Sache zu sein. Nun ist die halbe Stunde schon rum. Ich komme zu spät. Dabei ist es ein Termin ohne Menschen, ohne ein Gegenüber. Ich muss arbeiten, tue ich es nicht, ist meine Chefin wahrscheinlich am Montag genervt. Na ja, also los gehts. Zigarre ist zum Glück aufgeraucht. Es fängt gerade an zu regnen. Ich schicke diesen Text jetzt noch nicht ab, weil ich es nicht schaffe gegenzulesen. Außerdem muss ich noch die Küche aufräumen, duschen usw. Auf Wiedersehn.

 

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