Du machst weiter …

Hallo liebe Leser!

Hoffe, euch gehts allen gut.

Du träumst von der WFA-D. Viele, viele Menschen wollen die Welt retten, es gibt Hunderte Organisationen, Vereine, Verbände, gemeinnützige Einrichtungen usw., jeder versucht auf best mögliche Weise zu helfen. Ein kleines Stückchen zumindest. Freitags gehen endlich, endlich eine erhebliche Anzahl von Schülern auf die Straßen, um zu zeigen: Hey, ihr da oben, wir wollen noch länger hierbleiben als ihr alten Arschlöcher! Gut so, Leute, weiter so. Dun denkst, zusammen können wir was auf die Beine stellen. Man muss an seine Ideen und Visionen glauben, man muss stark bleiben, auch wenn man, wie du, noch keinen Mitstreiter hat. Und das, obwohl der Samen schon vor dreißig Jahren gelegt wurde. Die Künstler nehmen dich nicht ernst. Glauben nicht an dich. Stattdessen denken sie, wieder ein Kranker mehr, der uns auf den Sack geht. Wieder einer, der denkt, er sei ein Auserwählter. Sie unterhalten sich über dich, wer weiß. Ist auch egal. Ist dir jetzt auch endlich scheißegal. Herbert Grönemeyer war der letzte, den du angeschrieben hast. Das war’s. Es bringt nichts. Du schreibst die HAZ an, mit der Bitte um eine Rezension deines Buches. Keine Antwort – klar – ist ja auch eine Antwort. Du kontaktierst die ZEIT, nichts kommt zurück, kein Wort, kein Satz. Nur noch in seltenen Fällen hast du in den letzten Jahren ein paar Verlage angeschrieben, nichts, keine Antwort von den aller meisten. Damit lebst du seit fast 30 Jahren. Weil du ne kranke Seele hast. So sagt es die Diagnose F25 Schizoaffektiv, ja, so ist es demnach. Wer glaubt schon einem armen Irren? WFA … Schwachsinn. Weltfrieden aus Deutschland. Und du läufst noch frei rum? Dabei planst du doch schon alles im Kopf genau durch, schon so, so lange. Du schaffst Arbeitsplätze für psychisch Kranke und für Flüchtlinge, deine Organisation wird die größte weltweit. Weil du hier einfach 600 Seiten Gedichte rumfliegen hast, die du in einer deiner Psychosen geschrieben hast. Du spinnst. Total. Du hast manchmal daran gezweifelt, wenn es dir wirklich ganz mies ging, dass du einen Verlag findest, dein Glaube war erschüttert. Aber du hast nie, niemals daran gezweifelt, dass wenn deine Bücher veröffentlicht werden, sie dann einschlagen wie ne Atombombe. Nein, daran hast du tatsächlich nie gezweifelt. Du denkst, manchmal gibt es Dinge, die weiß man, ohne dass man weiß, wo das Wissen herkommt. Jaja. Na klar. Sonst noch was? Nein, du schreibst keinen einzigen Verlag mehr an, du hast einen neuen Plan, entweder er geht auf oder du machst ganz klein weiter. Unprofessionell die Videos für YouTube aufnehmen, deine Bücher ohne Lektorat auf Lesungen anbieten usw. usw. Kleine Kunst zu einem hohen Preis. Du zahlst den Preis, dass du für dein Talent einfach zu wenig Zeit finden wirst, immer und ewig. Du könntest bis zum Ende des Jahres sechs Bücher vorlegen, ein Neues ist schon in Arbeit, obwohl du erst im nächsten Jahr richtig mit der Arbeit beginnst. Du weißt jetzt schon, es wird des Zeitgeist treffen. Egal. Du schreibst eine Agentur in Hamburg an und erntest nicht einmal eine schriftliche Absage. Keine Zeit. Du wirst behandelt wie Millionen andere kleine Autoren. Du kannst es sogar verstehen, ja, das kannst du, denn du selbst hast auch schon Post bekommen und nicht beantwortet. Du schreibst einen etwas zu größenwahnsinnigen Brief an die BILD und zerreißt ihn wieder, weil Größenwahn nicht gefragt ist. Dir bleibt keine andere Wahl mehr: Die BILD oder gar keiner. Die BILD schreibt einfach. Sie schreibt bildhaft. Sie erreicht die einfachen Leute. Sie könnte dich fördern, so wie sie andere Künstler fördert. Du weißt aber auch, wer mit der BILD aufsteigt, geht auch mit ihr unter. Davor hast du keine Angst. Du hast vor gar nichts mehr Angst. Dennoch – du hast keine Hilfe zu erwarten, von keinem. Außer von Jean, der für die die ganze Cover-Gestaltung für deine Bücher macht. Kostenlos versteht sich. Klar, wie sollst du ihn bezahlen? Er glaubt an dich. Ja, hey, aber glaubt er auch daran, dass du die Welt retten kannst? Nein, eher nicht. Er glaubt an Sachen, die er von dir gelesen hat. Da sei mehr drin, und mehr rauszuholen. Ja, vielleicht verkaufst du noch zehn Bücher – in drei Wochen. Du weißt es nicht. Die tausend Euro, die dir deine Mutter für deine Buchprojekte vorgeschossen hat, sind natürlich schon längst aufgebraucht. In Zigarren umgesetzt, du hast ja lange keinen Alkohol mehr getrunken, sonst wäre es noch schneller gegangen. Mitleid verachtest du, wenn du Hilfe bekommst, dann bitte von Menschen, die sich eine lange Zusammenarbeit mit dir vorstellen können. Aber kann man das? Mit einem Psychotiker? Du glaubst – ja, man kann.

Vergesst es einfach.

Euer Autor

Henning

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