Der Satz ist nicht egal

Der Frühling naht. Die Vögel singen und zwitschern vermehrt. Die Luft riecht anders als bei bitterer Kälte. Geh raus. Beim Gehen vergisst du. Beim Gehen erhellen sich deine Gedanken. Werde klar. Was ist Klarheit? Dröhnst du dich zu, glaubst du nur, du wärst klar.

Jeder Satz soll überlegt sein. Du weißt, du wirst gelesen. Du weißt nicht, von wem. Warum tust du dir das an? Das ist deine Sucht. Du sehnst dich nach Applaus. Du hoffst noch immer. Die Hoffnung ist in dir – ganz tief in dir. Im Hinterkopf. Im Herzen. Aber warum nur? Dir geht es um Geld. Alles oder nichts. Entweder ganz oder gar nicht. Wer hält die Tür zu? Warum wird sie zugehalten? Von wem? Welche Mächte spielen mit? „Ist das alles Zufall, habe ich die Wahl, soll ich mich zum Narren machen, wenn man mich bezahlt …“ (Westernhagen) „Ich will es wissen!“ Ich auch. Oder auch nicht. Im Grunde unseres Herzen können wir nur noch beten. Schauen wir der Zukunft ins Gesicht, wird es dunkel. Du kannst es auslegen, wie du möchtest.

Ich habe das Gefühl, so viel Zeit, wie für diese Sätze, habe ich mir nur selten genommen. Und doch verfangen sich Fehler. Sie bleiben zurück. Sie bleiben hängen. Nicht nur in der Rechtschreibung, auch im Inhalt. Du willst dir keinen Fehler erlauben, was natürlich nicht geht. Du willst nicht witzig sein. Du willst nicht beschissen rüberkommen. Keine Ahnung – sei doch einfach du selbst. Sei so, wie du bist. Sei du. Verstell dich nicht. Jedenfalls nicht beim Schreiben, das hast du nicht nötig. Tapp nicht immer wieder in die gleichen oder gar dieselben Fallen.

Jeder Satz ein Satz der Bewusstheit. Egal, in welchem Zustand du dich gerade befindest, der Satz ist nicht egal.

Ich überarbeite gerade noch einmal meinen Roman BLOCK. Nur eine einzige Literaturagentur (von zwölf oder dreizehn) hat mir eine schriftliche Absage erteilt, ansonsten kam nichts. Es spielt keine Rolle. Es ist nicht wichtig. Mich haut es nach über dreißig Jahren nicht mehr um, nichts zu hören. Das heißt natürlich, dass ich zurzeit psychisch stabil auf dem Teppich bin, was mich wiederum sehr freut. Ich fühle mich nach wie vor klar und ausgeglichen. Freue mich aufs Zubettgehen und aufs Aufstehen. Freue mich auf meine Träume, an die ich mich zumeist am Morgen noch erinnern kann, bevor sie sich ganz schnell verflüchtigen. So ist das mit den Träumen. Ich sage mir, diesen oder jenen Traum vergisst du nicht – und zack – sind sie im Nichts verschwunden, haben sich in Luft aufgelöst. Ich werde jetzt noch eine Zigarette rauchen und mich schlafen legen. Gute Nacht.

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