Depressive Tage

Ich hänge seit Tagen durch. Fühle mich matschig, ausgelaugt, müde, schlapp, fertig. Bin deprimiert. Antriebslos. Es liegt so viel an, ich schaffe so wenig. Fast nichts. Alles muss funktionieren, der Alltag läuft nicht weg, man ist täglich mitten drin. Ist es der Stoff, an dem ich schreibe, der mich so runterzieht? Die Psychosen, die ich noch mal nacherlebe? Klar, sie sind lange nicht so extrem, als wären sie akut, aber immerhin. Ich weiß nicht. Ich setze mich unter Druck, erzähle allen, im März bin ich mit dem Buch durch. Meine Frau hat vorgeschlagen, weiterzuschreiben, wenn die Tage wieder schöner und länger sind, am besten im Sommer. Fast alle Psychosen habe ich im Frühling bekommen, im Winter galt es, die Deprssion in Schach zu halten und nicht abzustürzen, und im März, April, Mai gings dann mit der Euphorie los. Zumindest mit der Hypomanie. Eine Manie entsteht fast immer aus einer Depression heraus. Noch bin ich nicht vollends depressiv, aber oft kaputt. Würde mich gerne verkriechen. Was soll das hier? Da müsst ihr jetzt mit mir durch, oder ihr hört eben auf zu lesen. Es fällt mir schwer, mich zu rasieren, mich zu irgendwas zu motivieren, und genau das ist es wohl, was mich am meisten fertigmacht. Diese Macht – und Kraftlosigkeit. Ich bin schnell genervt, gehe ruck zuck an die Decke. Wer muss darunter leiden? Klar, die, die am engsten mit mir zusammen sind. Ich schreie nicht rum, lasse keine Aggressionen an ihnen aus, aber ich bin sehr dünnhäutig. Bin schnell beleidigt, fühle mich ungerecht behandelt. Frühwarnsymptome. FrühWahnSymptome. Ja, könnte sein. Also aufpassen, achtsam sein. CC in Berlin baut mich auf. Ich ihn aber auch. Wir telefonieren jeden Tag nach wie vor, oft über eine Stunde. Zeitfresser, ich weiß. Ich werde mich in den nächsten Tagen sehr genau beobachten. Aber soll ich wirklich aufhören zu schreiben? Jetzt, so mitten drin? Vielleicht zumindest bis zum neuen Jahr. Mein Sohn bleibt eh zwischen Weihnachten und Neujahr zu Hause. Meine Frau hat auch Urlaub, es wäre also für alle schön, wenn wir die Zeit miteinander verbringen würden. Es ist auch jedes Jahr die gleiche Scheiße. Also, ich bräuchte keinen Winter, von mir aus könnte es immer warm sein, auch wenn ich Schnee und Eis sehr schön finde. Und Weihnachten sowieso, gerade mit einem Kind ist es wundervoll. Aber die Dunkelheit ist nichts für mich. Und die Kälte auch nicht. Nur das Bild von Schnee und Eis finde ich schön. Und na klar, wenn mein Sohn kreischend den Berg runterrodelt und sich vor Freude gar nicht mehr einkriegt, freue ich mich mit.

Sonntagabend

Ich habe mich entschieden (entscheiden müssen), eine Liste von wichtigen Dingen abzuarbeiten und das Buch wirklich für zwei bis drei Wochen beiseite zu schieben. Es fällt mir schwer … Mal sehen, wie es mir gelingt. Es ist schon schwerer Stoff, den ich mir da aufhalse. Ich wollte mir ja ein Beispiel an Rocko Schamoni nehmen und das Ding in der Art wie „Dorfpunks“ schreiben, was aber nicht geht. Die Psychosen sind zu hart, um ein ganzes Buch voller Humor daraus zu machen. Zeitweise geht das, es sind ja viele witzige Dinge (jedenfalls im Nachhinein) passiert, aber bestimmt kann ich nur darüber lachen, weil alles so glimpflich ausgegangen ist und ich noch am Leben bin. Und wie ich lebe! Was für ein schönes, reiches Leben ich führen darf! DANKE! Also nicht den Kopf in den Sand stecken – weitermachen. Raus an die Luft! Spazierengehen! Früh ins Bett, früh aus den Federn! Und jetzt ne Zigarre und mit CC in Berlin sprechen. Freue mich drauf. Und dann den restlichen Abend mit meiner Frau genießen. Ach ja …

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