Gestern war mein Tag zum Kotzen. Heute geht es mir mindestens doppelt so gut. Würde ich nicht regelmäßig die Medikamente nehmen, wäre es ein noch viel immenseres Auf und Ab. Quasi Himmel und Hölle auf Erden. Wenn ich, so wie gestern, sieben Stunden sediert im Bett liege und mit niemandem sprechen will oder kann … der Zustand ist für mich nicht zu beschreiben. Manch einer kann es vielleicht, für mich ist es unmöglich. Zugeschnürt. Ich fühle mich wie in ein Tau gewickelt, das von beiden Seiten mit LKW’S straff gezogen wird. Ja, so könnte ich es zumindest versuchen darzustellen. Alles drückt. Die Menschen, die Hitze, die Aufgaben, die zu bewältigen sind. Heute scheint die neue Dosierung des Antidepressivums zu greifen. Zum ersten Mal seit Freitag. Auch wenn ich mit meiner Diagnose seit 37 Jahren durchs Leben eiere, fühlt sich jeder depressive Zustand wieder neu an. Du denkst: Schlimmer geht nicht. Ebenso ist es mit den hypomanischen Phasen. Erfasst mich eine, denke ich: Schöner geht nicht. Glücklicher als ich kann man nicht sein. Allerdings hatte ich eine solche Phase schon lange nicht mehr, es dominiert derzeit eindeutig die Depression. Witzig: Sport ist genauso hilfreich wie Antidepressiva. Du kannst dich glücklich schätzen, wenn du nicht ins Bett pinkelst, weil du nicht in der Lage bist, aufzustehen. Genug von alldem. In 15 Minuten schwinge ich mich aufs Rad und düse durch den Wald zu einer Selbsthilfegruppe in der Gegend. Allein das E-Bike-Radeln ist ein wundervoller Zeitvertreib. Ich fühle mich wie ein Kind, voller Kondition, weil es einfach nicht anstrengend ist, in die Pedale zu treten. Es ist wie Mofafahren, nur nicht so laut.
Was ich euch noch mitteilen möchte, ist: Mit dem Roman geht es gut voran. Ich schreibe sehr gern daran. Ich glaube, im Jahr 2018 habe ich begonnen. Jetzt könnte man meinen, das muss ja ein unglaublich dicker Roman werden. Dem ist nicht so. Dafür lag er viel zu lange (über Jahre hinweg) brach.
Ich muss jetzt los, und vielleicht, ich weiß es nicht, bekommt ihr wieder mehr Post von mir über diesen Weg.
Alles Gute
Henning