Übers Schreiben

Angetrunken fallen einem ganz andere Sätze ein. Meistens bin ich viel zu nüchtern. Auch noch um halb neun am Abend. Selbst volltrunken bin ich kreativ. Na ja, glaube ich dann jedenfalls. Ob es Sinn gemacht hat, was ich zu Papier brachte, sehe ich am nächsten Abend. Manchmal auch schon morgens. Dann frage ich mich, wer das geschrieben hat. Einiges finde ich aber trotzdem lesenswert. Ab und zu muss noch ein bisschen gefeilt werden. Kein Problem. Ich schreibe viel zu wenig. Nüchtern oder betrunken spielt dabei keine Rolle. Mir fehlt die Zeit und die Energie. An „Im Wahn der Zeichen“ habe ich im Schnitt acht Stunden täglich gearbeitet. Jetzt freue ich mich total über 1.500 Wörter am Tag. Und ich genieße es, in diesen Blog zu schreiben. So spare ich mir das Tagebuch.

Bukowski hat mit 35 angefangen zu schreiben. Mit 51 konnte er seine erste Miete vom Schreiben bezahlen. Er fragte sich, warum erst so spät, sein Zeug von früher sei doch nicht schlechter. Im Alter, wie sich das anhört. Es wäre ein Traum, mit 51 die Raten für meinen Kredit zahlen zu können. Meine Sachen von früher sind allerdings beschissen. Aber es wird sich lohnen, sie zu überarbeiten. Die Grundgesrüste für ein paar Romane und Kurzgeschichten stehen. Die Ideen sind gut. Sie sind nicht gealtert. Für das neueste Buch suche ich noch einen Titel.

Wissen Sie, was wirklich schade ist? Dass ich beim Schreiben nicht rauchen kann. In diesem Haus herrscht Rauchverbot. Früher habe ich keine Zeile ohne Zigarette hinbekommen. Mein Computer stand im Schlafzimmer, war scheißegal. Die Zigarette musste glimmen. Jetzt freue ich mich auf den Sommer, auf die Terrasse. Oder auf meine Schreibwohnung, wo ich mir das Rauchen nicht verbieten lassen werde. Vielleicht liegt die Wohnung in einem Hochhaus mit Blick über den Deister oder bis nach Hannover. Ich würde mich auch in Hameln wohlfühlen. Hameln inspiriert. Öfter erzähle ich meinem Sohn die Geschichte vom Rattenfänger. Erst gerade eben. Ich rauche genau so gerne wie ich schreibe. Nur vom Rauchen kann man nicht leben. Vom Trinken leider auch nicht. Nicht einmal vom Essen. Von Sex? Nee, ich jedenfalls nicht. Von der Liebe? Wäre schön. Aber wie vom Schreiben leben, wenn ich nicht produktiv genug bin? Ich bin von mir selbst genervt. Heute wollte ich um Viertel vor sechs aufstehen. Um acht hab ich´s dann geschafft. Nichts mit Disziplin und Motivation. Klar, kann ich auf den Winter schieben. Aber Milliarden Menschen müssen zu jeder Jahreszeit ackern. Ich bleibe dran. Ich mache gleich 100 Liegestütze … Klar. Prost! Es ist jetzt halb zehn. Betrunken bin ich immer noch nicht richtig. Und jetzt ist es plötzlich schon halb elf. Meine Frau saß bis eben bei mir. Nun sind wir beide betrunken. Wie schön. Gleich gibt es noch Käse mit Weintrauben. Und noch mehr Wein. Oder Sekt. Oma ist auch noch wach. Die beiden quatschen gerade unten. Ist auch egal. Ich gehe jetzt rüber und gucke N3, Talkshow. Bisschen amüsieren.

Gute Nacht   !

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