Silvester

Das Jahr ist zu Ende. Es rannte vor mir her, ich bin kaum hinterher gekommen. Man kann die Zukunft nicht einholen, sie bleibt immer vor einem. Und das Jetzt ist im nächsten Augenblick vorbei. Doch die Zukunft bleibt da hinten. Die Vergangenheit war … Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und keine Sekunde wiederholt sich. Jede Sekunde ist neu. Jeder Tag bringt etwas Neues. Sehr oft etwas Überraschendes. Mein Leitspruch lautet: „Abwechslung ist die Würze des Lebens“. Ich mag Abwechslung, ich mag es nicht, auf der Stelle zu stehen. Fanta 4 singen: „In der Bewegung liegt die Kraft“. Das soll nicht heißen, dass ich es nicht mag, zu faulenzen. Hauptsache die Gedanken bleiben in Bewegung. Spannung macht das Leben aus. Verschiedene Wege auszuprobieren. Und Glück hat man, wenn man später nichts bereut. Kurz vor dem Tod sollte man mit sich zufrieden sein. Es gibt ein paar Dinge, die ich verpasst habe. Laut Gunter Sachs kann man nur Dinge bereuen, die man nicht getan hat. Nicht Dinge, die man getan hat. Ist auch egal. Ich schenke mir erst mal einen Merlot ein. Ein bisschen zu kalt ist er, ich habe ihn gerade vom Einkaufen mitgebracht.

Wie war dieses Jahr? Außer dass es rasend schnell war? Aber ja auch nicht schneller als andere Jahre. Im Alter kommt es einem nur so vor. Die Sekunden, Minuten und Stunden sind immer gleich lang. Ich kenne Tage, die sind gar nicht vorbei gegangen, ich sehnte mich danach, dass es endlich Nacht wird. Und es gibt Tage, die vergehen wie Blitze. Ist auch egal. Wie war dieses Jahr? Ich habe ne Menge Gedichte geschrieben, habe einige Lesungen gegeben. Habe den neuen Roman vorgeschrieben. War oft betrunken und oft nüchtern. Habe sieben Kilo abgenommen und sie wieder zugenommen. Habe mich aufgeregt und gefreut. Meine Gefühle spielten manchmal verrückt. Es gab Spannungen. Immer wieder gibt es Spannungen. Konflikte. Mit anderen, mit sich selbst.

Und was nehme ich mir für 2017 vor? – Weiterhin für meine Familie da zu sein. Meinem Sohn ein guter Vater zu sein. Jetzt kommen so Sachen, wie: Weniger trinken, Sport, abnehmen … Klar. Wäre schon schön, ein paar Kilo zu verlieren. Und dann habe ich natürlich das Ziel, den neuen Roman fertig zu bekommen. 17 werde ich 48 Jahre alt. Es geht schnell auf die 50 zu. Es kann sein, dass der neue Roman nicht zum Bestseller reicht. Also muss der danach einer werden. Spätestens der Übernächste. Druck. So baut man sich Druck auf. Und was passiert, wenn ich mir Druck aufbaue? Ich kriege nichts zustande. Ich trinke, mache keinen Sport und nehme zu. Na ja, ist auch scheißegal jetzt. Morgenfrüh gehts in die Markthalle, Sekt trinken und sich amüsieren. Ich freue mich auf morgen. Ich freue mich darauf, abends mit meiner kleinen Familie zusammenzusitzen, Raclette zu essen und guten Wein oder Sekt zu trinken. Was für ein Luxusleben!

Ich wünsche allen Menschen, den armen wie den reichen, ein gesundes neues Jahr 2017. Krankheit oder sogar den Tod sollte man keinem Menschen wünschen. Freuen wir uns für die Menschen, die aus den Kriegsgebieten flüchten konnten und keine Angst mehr zu haben brauchen. Freuen wir uns für die Mütter und Väter, die ein zufriedenes Kind haben. Dennoch, wir müssen etwas ändern. Wir alle müssen uns ändern. Wir wissen es ja, und tun so wenig Gutes. Ich will jetzt nicht  aufzählen, was man ändern könnte und müsste, das wird jeder für sich alleine wissen. Die Erde mit all ihrem Leben ist krank – an uns liegt es, ihr zu helfen.

Das schrieb ich gestern.

Jetzt ist es 23.30 Uhr, in einer halben Stunde beginnt 2017. Ich bin etwas melancholisch, ein wenig angetrunken und ein wenig leer. Ab 0 Uhr soll sich also einiges ändern. Ein neuer Start. „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – Hesse. Ich mag Hesse. Siddhartha, Steppenwolf, ein paar Gedichte, die Hälfte von Das Glasperlenspiel, das ich aber nachher zu laaaangweilig fand. Aber Steppenwolf ist schon ein ziemlich magisches Werk. Wenn man Psychosegefährdet ist, muss man auf der Hut sein, im Hier zu bleiben. Hesse war zeitweise depressiv. Vielleicht konnte er deswegen so wundervoll schreiben. Bukowski war depressiv, auch wenn man es nicht glauben mag. Hölderlin war manisch-depressiv. Van Gogh angeblich schizophren. Manisch-depressiv auf jeden Fall. Ach, ich könnte jetzt googlen und etliche Künstler finden, die psychisch krank waren. Viele leben ja noch und sind verrückt. Wenn du in einer manischen Phase als Schreiber kreativ bist, bringt es dir nichts, wenn du nicht wieder auf den Boden findest. Dann bleiben die meisten Dinge verwirrt. Bist du aber wieder zurück, kannst du beginnen zu formen. Du musst nur aufpassen, dass dich das Zeug nicht noch einmal in seinen Bann zieht. Ein Teufelskreis.

Guten Rutsch. Bleibt gesund, oder werdet es, genießt das Leben, wenn ihr könnt, macht die Augen auf und sagt euch: Ach wie schön, wie schön, dass ich leben darf. Es ist keine Selbstverständlichkeit   !

 

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