Sehnsucht

Guten Abend!

Mir ist danach, euch ein paar Zeilen zu schreiben, ein Gefühl mitzuteilen, das mich beschäftigt. Was ist das für ein Gefühl? Es ist Sehnsucht. Sehnsucht nach etwas Großem, Sehnsucht, etwas fast Unmögliches zu erreichen, Sehnsucht nach Anerkennung für den ganzen psychotischen Scheiß, den ich durchgemacht habe. Meine Seele will gestreichelt werden. Wird sie jeden Tag von meiner Frau und meinem Sohn, ich weiß. Aber da ist etwas, das fehlt. Ich meine nicht die Liebe. Wer mein Buch „Im Wahn der Zeichen“ kennt, weiß, dass es voller Ironie ist, manchmal wirkt es, als sei es nur so dahingewischt. Ist es nicht. Beim Schreiben durchlebte ich viele Ereignisse noch einmal voll durch. Gefühle übermannten mich, Tränen rollten, das Herz hat geblutet. Aber manchmal musste ich auch herzlich über mich selbst lachen. Dabei war in Wirklichkeit nicht sehr viel zu lachen, vor allem nicht für meine damalige Freundin und meine Mutter. Beide haben um mein Leben, zumindest um meine Existenz gekämpft. Ich will von diesem harten und doch so ironischen Buch wegkommen, ein schlichter Roman soll und wird entstehen. Ab März, wie ihr wisst. Am liebsten würde ich mich sofort ransetzen, aber die esoterische Geschichte geht vor. Sie geht aus dem einfachen Grund vor, weil ich sie für Kohle schreibe. Sie ist ein Schatz. Jaja, wenn es ums Geld geht, kannste es sowieso als Schriftsteller vergessen, Geld hat ne Menge Schriftsteller total versaut. Aber ehrlich mal, die meisten konnten doch erst richtig anfangen zu schreiben, als sie wussten, wie sie überleben konnten. Anerkennung. Sollten die ganzen Psychosen, die ganzen schizophrenen Phasen, der Suzidversuch umsonst gewesen sein! Nur mal eben so fast zwei Jahre in der Klapse? Nach der ersten Psychose wusste ich, hey, das ist dein Kapital, das, was du erlebt hast, ist ein Schatz, das hat keiner erlebt. Deswegen musste ich es auch alles niederschreiben, auch so sehr im Detail, weil natürlich alles so unendlich wichtig für mich gewesen ist. Heute kann ich da zum Glück distanzierter rangehen. Ohne zu viel Gefühl, ohne Tränen und Herzschmerz. — Die Sehnsucht. Aber was genau ist es denn für eine Sehnsucht? In der Bestsellerliste ganz oben zu stehen? Vor 1000 Leuten Lesungen zu geben? Nein, ich sag es euch: Es ist die Sehnsucht, frei und unabhängig zu sein der Kunst wegen. Kein Zwang zu haben, etwas anderes tun zu MÜSSEN. Ich schreibe jetzt also das esoterische Ding, um es Millionenfach zu verschachern. Ich bin kein Esoteriker, ich finde alle Esoteriker total schräg. Das ist doch nichts anderes als ein riesiger Haufen Scheiße, dem es um nichts anderers als um Geld geht. Deswegen wird mein Buch da auch so gut reinpassen. Versprochen. Ich schreibe es, um reich zu werden, nicht, weil es eine wahre literarische Herzensangelegenheit ist. Wahrscheinlich zieht es sich deswegen auch so lange. Mucho Guscho war schnell niedergeschrieben, da wusste ich genau, wie ich es mache, worauf es mir im Buch ankommt. Hier weiß ich jetzt gar nichts, nur, dass es mir auf die Eier geht. Mir geht es auf die Eier, dass ich nicht richtig vorankomme und es geht mir auf die Eier, es überhaupt zu schreiben. Aber ich MUSS! Es ist vielleicht die einzige Chance, ein breites Publikum zu erreichen. Bevor ich mich hier noch mehr in meinen Sätzen verfange, stoppe ich lieber. Machts gut, ihr Lieben    !

PS. Falls ein esoterischer Verlag richtig Knatter machen will, einfach bei mir melden …

Ein Tag später

Es ist halb elf durch. Ich bin ziemlich nüchtern, zu nüchtern für diese Uhrzeit. Ich bin etwas genervt, etwas unzufrieden. Heute habe ich bei Deutschlandfunk-Kultur ein Interview eines Esoterikers gehört, der in Asien lebt und dort täglich meditiert. Ich weiß, was mich an diesen ganzen Spinnern nervt! Es ist nicht die Meditation an sich, die mit Sicherheit gut tut, die Leben rettet, die entspannt usw. usw. Ich hasse Berkehrer! Ich hasse Dogmatiker! Ich hasse Menschen, die einem erzählen wollen, was der spirituelle Sinn des Lebens für die Menschheit ist. Ich hasse vor allem Menschen, die reich sind und andere aufklären wollen. Diese beschissenen berechnenden Beeinflusser! -, und genau durch diesen Einfluss werden sie noch reicher und immer fetter und fetter. Fickt euch! Nein, es ist kein Neid! ES IST HASS! Macht die Augen auf ihr Egoisten, es dreht sich nicht alles um einen selbst, es dreht sich das ganze Universum auf das Ende zu. Spürt ihr mal schön die Kraft in den Steinen, packt euch Kristalle ins Trinkwasser, lest Lebensratgeber und meditiert, meditiert, meditiert … Und am Ende flennt ihr doch alle wieder, weil das Leben so ungerecht ist. Warum???, fragt ihr. Hab ich das wirklich verdient? Warum ich? Ach ja, ich habs vergessen – Schicksal. Karma. Da musst du jetzt durch. Nimm den Weg an! Vertrau auf die Kraft der höchsten Götter! Und vergiss nicht zu meditieren. Und fühl deinen Handschmeichler, und bete Buddha an. — Es ist erlaubt, sich aufzuregen, es ist auch erlaubt, sich wieder abzuregen. Das schaffe ich auch ohne Bekehrung. Ohne dich! Bleib mir weg du EsoÖkoNazi! Und lass mich mit deinen ganzen Dämonen und Boten und Göttern und Engeln in Ruhe. Ich habe nämlich meinen Gott gefunden! OHNE DICH! GANZ ALLEIN! Weil ich losgegangen bin, weil ich marschiert bin, weil ich sensibel bin und die Zeichen wahrgenommen habe – ich habe sie GESEHEN! GESPÜRT! GEFÜHLT! OHNE DICH! Und wenn du nicht mehr da bist, dann bist du weg, so einfach ist das! HA! Da kräht kein Hahn nach.

Machts gut, morgenfrüh lese ich das Ganze noch mal und überlege mir, ob ichs abschicke   !

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