Blogzwang

Es ist so ne Art positiver Zwang geworden, diesen Blog zu erhalten. Eigentlich müsste ich jetzt am Roman arbeiten, für die Universität der Künste Karlsruhe etwas schreiben, Englisch für die Amerikareise büffeln, Unterlagen für den Lohnsteuerjahresausgleich suchen und sortieren oder eben einfach schlafen, damit ich morgen fit bin. Es gibt genug zu tun, dass mir langweilig war, ist lange her. Wann habe ich zum letzten Mal einen Film gesehen? Ich habe schon etliche Monate Betty Blue hier rumliegen, auf den ich mich sehr freue, geht aber drei Stunden, drei Stunden, in denen ich etwas schaffen kann. Jetzt steht der Sommer vor der Tür. Ich liebe die Abende mit meiner Frau, die wir auf der Terrasse verbringen und uns über alles mögliche unterhalten, oder auch nur schweigend zusammen sind, auch diese Zeit könnte ich gut zum Arbeiten nutzen, bringe es aber nur selten übers Herz, so einen schönen Abend verstreichen zu lassen. Sonntags schreibe ich nur ganz, ganz selten, sonntags komme ich nicht gut voran, das war schon immer so, auch als ich alleine war. Sonntags fließen meine Gedanken langsamer als gewöhnlich, ich rede mir auch ein, dass der Sonntag zum Ausruhen ist. Samstags komme ich auch nicht zum Schreiben, der Samstag ist mir heilig, vor allem der lange Abend bis in die tiefe Nacht, die ich mit meiner Frau genieße. Ich sag euch was: Ich bräuchte genug Geld, so viel Geld, dass meine Frau nicht mehr arbeiten gehen müsste und uns das Schreiben ernährt. Dann könnte ich von 8 bis 13 Uhr schreiben ohne mir weitere Gedanken machen zu müssen, um 13 Uhr würde ich mich hinlegen und zwei Stunden schlafen, dann noch zwei Stunden ackern und dann nach Hause kommen, was für eine fantastische Vorstellung. Natürlich bräuchte ich eine Schreibwohnung, sonst würde ich mich ablenken lassen, es gibt ja zu Hause immer was zu tun. Oder noch besser (und einfacher) wäre es, ich könnte auf das Medikament Lamotrigín verzichten, das mich so müde macht, dann könnte ich auch bis 13 Uhr schreiben und bräuchte gar nicht viel Geld, meine Frau würde weiterarbeiten, jedenfalls könnte ich dann wahrscheinlich auf den Mittagsschlaf verzichten. Aber ich sehne mich nach Anerkennung, ich möchte gelesen werden, Hunderttausendfach und mehr. Ich weiß aber, dass die Sachen, die ich bisher geschrieben habe, noch nicht gut genug sind, es braucht noch Geduld. Doch ich nähere mich dem Ziel stetig, meine Augen stehen offen und mein Geist ist zumeist klar. Na ja, heute Abend nicht mehr ganz. (Hier ist gerade ein Nachtfalter reingeschneit, der vor dem Momitor rumflattert). Ich bin müde, es ist elf, Medikamente habe ich schon vor einer Stunde genommen, ich hoffe, dass ich noch ein paar Seiten Auster schaffe, jeden Abend ein Geschenk. Das Buch, das ich gerade von ihm lese, steht bei Seite 140 noch am Anfang, bei meinem neuen Roman gehts da schon auf die Zielgerade zu. So, ich mache Schluss für heute, mir fallen die Augen zu – Gute Nacht   !

Guten Tag!

Draußen zeigt das Thermometer knapp 30 Grad an, was für ein herrlicher Tag! Ich trinke gekühlte Limonade, sitze in meinem Arbeitszimmer (das Fenster zeigt nach Westen) und fühle mich gut. Da ich morgen wahrscheinlich nicht zum Blogschreiben komme, bekommt ihr heute schon das Jack Daniel’s-Gedicht für’s Wochenende. Letzte Woche habe ich es nicht auf die Reihe gekriegt.

Kakerlaken

Überall Kakerlaken. Auf dem Fußboden, an den Wänden, an der Decke, es kriecht und krabbelt, eine dicke schwarze Masse, fett, gepanzert, glänzend, beweglich, steif, geräuschlos. Doppelseitiges Tesa, wo sie dran kleben bleiben, es hängt überall, ich bleibe selbst öfter dran hängen. Das geht jetzt schon seit einer Woche. Heute Nachmittag war die ganze Fassade schwarz, voller Ungeziefer, bis zum vierten Stock rauf, nein, bis zum Dach, es sah aus, als bewege sich das Haus. Im Treppenhaus auch alles schwarz und beweglich. Ich hänge in meiner Wohnung ab und schenke mir Cola dazu, als es an der Tür bollert. Ich öffnete mit dem Glas in der Hand. Kameras. Mikrophone. Blitze. Fragen, die auf mich einstürmen. Polizisten rechts und links. Sie kämen gerade vom Dachboden, direkt über mir, dort hätten sie eine Leiche gefunden, das heißt, was von ihr noch übrig ist, denn die Kakerlaken hätten sie inzwischen fast verzehrt. Ich bot allen ein Gläschen zur Beruhigung an  .

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